Mordsmusik. Von Florian Blumer.

Wir haben es hier mit einem Basler Lokalkrimi zu tun. Geschrieben von einem Professor im Fach Wirtschaftskommunikation Deutsch. Ein Basler durch und durch, der in dieser seine Schul- und Unizeit erlebt hat und auch  hier in Basel gewohnt hat. Nun hat er seinen ersten Kriminalroman  - der „erste Fall für Kommissar Stalder“ – geschrieben.

Seine Marketing- und Verkaufsbemühungen für seinen Erstling sind bemerkenswert. Es wird eine Crowd-Funding-Aktion gestartet und in einem kleinen Filmchen wird erklärt, weshalb dieses Buch unbedingt erscheinen muss.  Als Belohnung für die Spende kann man sich den Autor nach Hause bestellen, wo er aus dem Buch vorlesen wird. Offenbar zieht das: Das Zahlungsziel wird locker übertroffen.

Zum Buch: Es gibt in diesem Buch zwei Geschichten. Die eine ist der Plot um den Mord an einem international bekannten Werbetexter aus Basel. Es wird erzählt, wie Kommissar Stalder, als frisch gebackener Vater aus dem Vaterschaftsurlaub geholt wird und sich mit einer neuen Assistentin um die Aufklärung des Falles kümmern muss. Er schafft es schliesslich und beeindruckt Chef, Kollegen und Assistentin gleichermassen.

Als „zweite Geschichte“ bezeichne ich das, was bei vielen Lokalkrimis erkennbar ist: Der Drang der Autoren, den Leserinnen und Lesern viel eigenes Wissen oder Beobachtungen zu vermitteln. So lesen wir diverse Lieder von Patent Ochsner.  Oder wir spazieren mit dem Kommissar durch die Stadt inkl. Angabe der Route und lernen nebenbei, dass es auf dem Leonardkirchplatz neben dem Brunnen eine Sonnenuhr steht, die gerade drei Uhr anzeigt (was nebenbei gesagt, gar nicht möglich ist, vorallem nicht im Mai…). Oder es wird beschrieben, wie sich zwei Frauen und ein Mann vor dem Erziehungsdepartements-Gebäude unterhalten. Dann erfahren wir gleich noch, wie der Kommissar (bzw. wohl der Autor) mit 16 Jahren konfirmiert worden ist und wie sich dazumal der Einzug in die Kirche gestaltet hat. Oft sind solche Nebenthemen hilfreich oder humorvoll oder dienen zur Auflockerung der Geschichte. Allzuviele davon sind aber Ablenkungen, die auch mal als „too much“ erscheinen, weil sie die Geschichte weder voran bringen noch Tempo verleihen.

Im „Nachwort“ erklärt der Autor die eine oder andere Abweichung und führt aus, weshalb sie notwendig ist.

Der „Erstling“ von Autor Florian Blumer mit seinem Kommissar Stalder reiht sich stilistisch hinter die Kommissär Ferrari-Bücher desselben Verlages ein und es würde mich nicht wundern, wenn die beiden sich demnächst über den Weg laufen.

Falls Sie nicht am Crowdfunding mitgemacht haben und sich mit einer Geschichte wohlfühlen, die sich während des ESC in Basel ereignet hat (im Buch ist es, aus juristischen Gründen,  der WSC…), dann kaufen Sie sich das Buch. Je nach Shop für 15 bis 22 Franken. Das ist ein angemessener Preis.

Bredouille. Von Martin Walker.

Wenn Sie genug haben vom Unbill des Alltags oder wenn Sie mal wieder schwelgen und vom Auswandern träumen wollen, dann greifen Sie zu einem der bisher achtzehn erschienenen Bände über "Bruno, Chef de Police" von Martin Walker. Sie werden sofort ein tiefenentspanntes Gefühl spüren. Auch wenn es ein Kriminalroman ist. Und auch wenn es - ab und zu - eine Leiche gibt (in diesem Band ist es eine Suizid-Leiche, deren Tod vor dem Beginn des Buches eingetreten ist, also keine Angst vor brutalen Szenen). Im äussersten Fall gibts eine Prügelei oder vielleicht - alle paar Bände mal - einen Schusswechsel. Und Bruno wird dann auch mal angeschossen. Aber irgendwie hat man immer das Gefühl, das muss so sein.

Ich hatte das Vergnügen den Autor Martin Walker persönlich zu erleben (an einer Lesung in Liestal/BL!). Er ist eigentlich ein Schotte, lebend in Washington, spricht aber gutes Deutsch und lebt sicherlich die Hälfte des Jahres im Périgord, wo sein Held Bruno lebt und arbeitet. Ein hoch sympathischer, bodenständiger Mensch, der am Schluss der Lesung und des Interviews ohne Verstärker und Mikrophon dem Publikum noch ein französisches Lied (aus dem Périgord) acapella vorgetragen hat.

Warum sind diese Bücher so entspannend? Nun, wie gesagt, der Plot des Krimis ist da und Walker erzählt ihn auch gut und mit etwas Spannung. Aber der allergrösste Teil des Buches befasst sich mit dem Leben von Bruno, der als Dorfpolizist den kleinen Kindergartenkinder über die Strasse hilft, der jeden Morgen mit seinem Hund joggt, der seine Hühner füttert und die Trüffel aus seinem Garten klaubt, der den Markt von St-Denis beaufsichtigt, den multikulturellen Rugby- und Tennisnachwuchs im Tal trainiert, der leidenschaftlich gerne und unglaublich einfach und gut kocht und diese Kunst fast jeden Abend bei einer andern - meist weiblichen - Gesellschaft anwendet. Ein Abendessen kann schon gerne mal zwei oder drei Seiten lang beschrieben werden: Von der Zubereitung der Omelette bis hin zur Produktion des Schnapses für den Digestif. Alles wird minutiös dargelegt. Zwischendurch wird dann noch - je nachdem wer zu Tisch sitzt - auch noch der Kriminalfall besprochen. Die Tischgäste sind Bewohner und Bewohnerinnen des Périgord, alle - ausser die Bösen - liebenswert und richtig französisch. Und: Natürlich gibt es längst mehrere Kochbücher mit all diesen Rezepten ("Brunos Kochbuch" und "Brunos Gartenkochbuch" - weil alles in seinem Garten wächst....), geschrieben von Julia Watson, der Gemahlin von Walker. Sie ist verantworlich dafür, dass in jedem Krimi von Bruno viel gekocht, gegesssen und genossen wird.

Natürlich nimmt uns Bruno - durch seine Ausritte - mit in die wunderschöne Gegend um Saint-Denis (welches fiktiv ist, aber Walkers Wohnort in Frankreich ziemlich nahe kommt) und lehrt uns nebenbei auch noch alles über den lokalen Wein.

Bref: Keine Zeile in diesem Buch ist verschwendet. Man bekommt so viel Informationen über diese liebliche Gegend, dass man sich wirklich beim Gedanken ertappen kann, ob man wohl mal ein Wochenende in die Gegend reisen soll. Da kann geholfen werden: Selbstverständlich gibt es einen Reiseführer: "Brunos Périgrod" von Martin Walker!

Gönnen Sie sich ruhig mal einen "Bruno"! In diesem Falle 370 kleine Diogenes-Seiten Wohlfühlen im Pérogord, angereichert mit einem Kriminalfall.

Der Kurator. Von M.W. Craven.

Feindkontakt. Von Tom Clancy.

Der Feind in meiner Nähe. Von David Baldacci.

Nach der Lektüre von ein paar eher durchzogenen Büchern,  gelüstete es mich mal wieder,  einen rasanten Thriller zu lesen. Vielleicht einer, der noch etwas politisch angewürzt oder mit einer Prise Spionagenluft angereichert ist. So griff ich dann im Bücherladen-Regal zur Abteilung „B“ wie „Baldacci“ und griff nach dem Buch „Der Feind der Feinde“. Baldacci kann Thriller und er kann auch grosse Themen wie Spionage oder Kalter Krieg.

Und Baldacci enttäuschte meine Erwartungen nicht. Das dritte Buch der Reihe um Travis Devine ist in der vorliegenden Hardcover-Ausgabe vom Verlag Lübbe ein 500seitiges Lesevergnügen mit viel Spannung und Action. Natürlich auch vielen Leichen und Explosionen – aber wenn man das halt mal sucht und will, dann passt das.

Eines ist mir – als eigentlich harmoniebedürftiger Leser – sofort aufgefallen: Neben den Feindbildern, das sind meist böse Menschen die sterben müssen und auch werden, gibt es in dieser Geschichte auch eine kleine Anzahl „böse Menschen“, die viel Gefühl zeigen und die auch mal vergeben oder die Seiten wechseln können und zwar, weil sie plötzlich über andere Informationen verfügen. Oder weil sie nachdenken. Oder weil sie gar nicht so sind, wie wir als Lesende dies interpretiert haben. Das fand ich schon sehr spannend und es verleiht dem Plot eine Vielseitigkeit.

Travis Devine – ein Ex-Army-Ranger – sollte eigentlich ein strenger, zielstrebiger Agent einer amerikanischen Rechtsbehörde sein. Zu Beginn ist er das auch und wird sofort (schon auf dem Klappentext) mit dem Tode bedroht. Seine Aufgabe aber bringt ihn in die unmittelbare Nähe eines dreizehnjährigen, ungezogenen Mädchens. Und der Autor Baldacci zeigt, wie Devine von dieser Aufgabe «gefangen» genommen wird. Herrlich zu lesen.

Das Buch ist – wenn man solche Art Polit-Thriller mag – sehr rasant, spannend und gut und übersichtlich erzählt. Kaufempfehlung: Ja. Man muss den Baldacci-Style aber mögen. Die Vorkenntnisse von Band 1 und 2 der Travis Devine-Reihe ist nicht nötig.

Lázár. Von Nelio Biedermann.

Da sitze ich in unserem holländischen Feriennest und mein Buch auf dem Nachttisch neigt sich dem Ende zu. Die Ferien aber noch nicht. Da bin ich für einmal neidisch auf meinen grossen Bruder, der sich dann einfach ein neues Buch auf seinen E-Reader lädt und weiter lesen kann. Ich hingegen muss, auf eigenen Wunsch mangels E-Reader, in die grösste Buchhandlung der Stadt fahren und dort ganz hinten links bei den "Boeken in duits" schauen, was angeboten wird. Natürlich sind das nicht sehr viele Titel und keine Krimis. So greife ich dann halt zu einem Buch der mit "Roman" angeschrieben ist und auf dessen Rückseite das Versprechen "Ein Pageturner erster Güte - eine souveräne Lust am Erzählen" von der Süddeutschen Zeitung abgegeben wird.

Und tatächlich: Die Geschichte, besser wohl: die Saga einer ungarischen Familie beginnt im 20. Jahrhundert und fesselte mich vom ersten Moment an. Die Erzählungen von den Erlebnissen der Anghörigen dieser Familie sind grossartig beschrieben und spannend erzählt. Wir erleben Aufstände, Kriege und auch die Nazi-Zeit in Ungarn und die daraus erfolgten Fluchtgeschichten und Rückkehrmomente. Wir leiden mit den Lázárs bei ihrem Untergang, der Neuorientierung und dem Versuch, ihr Leben wieder in Griff zu bekommen. Wir lesen mit pochendem Herzen mit, wenn die Liebe zuschlägt. Wenn Trennungen nötig sind und wenn die Suche nach ehemaligen Liebschaften stattfinden.

Ganz speziell ist dieses Buch auch, wenn man sich näher mit dem Autor beschäftigt: Nelio Biedermann hat dieses Buch 2025 herausgegeben und im November 2025 hat es bereits die 9. Auflage erreicht. Es wird - gemäss Klappentext in 20 Ländern erscheinen und Biedermann liess sich von der eigenen Familiengeschichte inspirieren.

Das Erstaunlichste aber: Biedermann hat Jahrgang 2003. Das heisst, er hat dieses Buch geschrieben, als er gerade mal knapp über 20jährig war. Und wenn man die Qualität der Sprache und die meisterhafte Art des Erzählens anschaut, dann kann man das fast nicht glauben und hat schnell den Verdacht, dass hier KI am Werk war.

Aber: Nelio Biedermann ist echt und er lebt. Und zwar in Zürich. Sein Buch wird bald verfilmt und ist aktuell das meistverkaufte Buch in der Deutschschweiz. Das Buch hat es auch in die Buchhandlung in Haarlem/NL geschafft. Gottseidank.

Der Freund / Die Ehefrau. Von Freida McFadden

Ich wage das mal: Zwei Titel einer Autorin im selben Beitrag! - Wir wollen in diesem Blog ja nicht unbedingt die Inhalte der Bücher zusammenfassen. Oder die Geschichte bewerten und spoilern. Sondern wir wollen unser Empfinden für das Buch weitergeben. Und deshalb kann ich getrost die beiden kürzlichst ins Deutsche übersetzten Bücher von McFadden zusammenfassen. Denn sie bewegen sich in derselben Liga.

Sowohl Der Freund wie auch Die Ehefrau bauen auf derselben, hoch erfolgreichen Herangehensweise von Freida McFadden an ihre Geschichten, auf: Man beginnt zu lesen, versteht alles und legt sich im Kopf zurecht, wer in der Geschichte wohl welche Rolle spielt. Wahlweise entweder "ganz allmählich" oder "urplötzlich" ist man sich nicht mehr sicher, ob der "Freund" gut oder böse ist und ob "Die Ehefrau" eine Täterin oder das Opfer ist. McFadden versteht es meisterhaft, die Lesenden zu verunsichern. Oder auf die falsche Fährte zu führen um sie dann gleich wieder zurück zu holen. Im ersten Drittel des Buches - auch das ist bei allen derselbe Aufbau - wird eine einfache, logische und nachvollziehbare Geschichte erzählt. Mit dem klaren Ziel der Autorin, die Leser und Leserinnen in Sicherheit zu wiegen und sich im wohligen Verstehen der Geschichte zu lassen. Aber dann legt die Autorin los und streut Zweifel über Zweifel. Sie setzt Hinweise dazu, dass man sich möglicherweise täuscht und führt das weiter bis zum Schluss. Denn alle bisher gecheckten McFadden-Bücher haben eines gemeinsam: Es sind die letzten Seiten, die letzten Abschnitte oder gar Worte, welche die Geschichte definitv abschliessen.

Die ins Deutsche übersetzten Bücher von Freida McFadden erscheinen im Heyne Verlage, der sie grellfarbig mit eingefärbten Seitenkanten auf den Markt bringt. Das grüne (Die Ehefrau) und das blaue (Der Freund) sind eben erschieben und das violette (Die Psychiaterin) ist erscheint im Juli 2026. Wahrscheinlich werde ich das nicht in diesem Blog besprechen. Es wird genau so spannend und verwirrend aufgebaut sein, wie alle andern Bücher dieser Autorin. Lesen werde ich es bestimmt.

Übrigens: Freida McFadden ist ein Pseudonym. Die amerikanische Autorin, die jahrelang noch als Ärztin weiter arbeitete und ihre Auftritte als Autorin deshalb hinter dem Pseudonym und unter einer Perücke versteckte. Dieser Tage hat sie sich geoutet, weil sie den Beruf als Ärztin aufgeben konnte und sich vollständig als Bestseller-Autorin betätigen kann. McFadden heisst in Wirklichkeit Sara Cohen und parktizierte in Boston/USA als Neurologin. Ihren Angaben zufolge wird sie ihren Künstlernamen weiterhin benützen. Die Perücke und die dicken Brillen allerdings wird sie ablegen.

Das Vermächtnis. Von John Grisham.

Das Vermächtnis ist das siebte Buch von John Grisham, welches in diesem Blog gecheckt wird. Vielleicht hören wir jetzt dann mal auf, weil wir kommen  immer wieder zu demselben Schluss: Grisham ist und bleibt ein Grossmeister.

Vielleicht nochmals zusammenfassend:

John Grisham kommt mit sehr wenigen Leichen aus. Im vorliegenden Buch ist es nur eine. Sie war zu Lebzeiten eine über achtzigjährige Frau, die sich unserem Protagonisten, einem Anwalt, anvertraut. Irgendwann stirbt sie dann – auf den ersten Blick an einer Lungenentzündung im Spital. Trotzdem wird der Anwalt des Mordes verdächtigt und er kommt in unglaubliche Schwierigkeiten.

Nun erzählt uns Grisham die Geschichte. Schön der Reihe nach, ohne Zeitsprünge. Die Leserschaft kann dem Plot ohne weiteres folgen. Die Geschichte ist nicht besonders schnell, aber sie steigert sich in der Spannung mit jeder Seite. Fast unmerklich, aber irgendwann lässt sich das Buch kaum mehr beiseite legen. Nicht unbedingt, weil gerade ein Cliffhanger produziert wird, sondern weil Grisham die Geschichte so erzählt, dass man unbedingt wissen will, wie es weiter geht.

Der Autor überspringt auch mal zwei Monate oder eine ganze Jahreszeit, wenn nichts Relevantes passiert.  Und dennoch verliert man den Faden nicht, sondern ist sehr dankbar, dass man nicht lange warten (oder lesen) muss, bis sich die Geschichte wieder in Bewegung setzt. Permanentes Vorangehen…

Im Gegensatz zu vielen Kriminalromanen passieren auch keine Überraschungen im Sinne von plötzlichem Verschwinden von Zeugen oder von Bränden in Kanzleien oder so. Nein, es läuft alles ganz normal, sieht man mal davon ab, dass irgendein Choleriker in die Kanzlei eines Anwalts kommt und ihn verprügelt.

Wir besuchen die Gerichtsverhandlungen, erleben den Urteilsspruch, versinken mit dem Protagonisten in die Verzweiflung und helfen ihm, den wahren Schuldigen zu finden. Weil: Am Schluss ist es doch ein Kriminalroman. Aber das wird einem nicht aufgezwungen.

Es ist so, als sässen wir bei Grisham in der Küche und er erzählt uns die Geschichte von ebendiesem Anwalt, der eine alte Frau ausnehmen wollte.

Grossartig geschrieben, sehr sehr leicht lesbar, verständlich (auch für Nicht-Juristen) den Preis wert. Auch wenn man nicht die Gelegenheit hat, das Buch für 25 € zu kaufen sondern zu Schweizer Preisen (zwischen 30 und 36 Franken). Eine gute Anschaffung für die Osterferien!

111 Orte in und um Valencia die man gesehen haben muss. Von Daniel Izquierdo-Hänni

Was mein Co-Checker kann, kann ich auch! Nachdem der Check "Basel unterwegs" von Lukas Schmutz viele positive Reaktionen hervorgerufen hat (hier nachlesen), nehme ich die Gelegenheit wahr, ebenfalls eine Art Reiseführer zu checken.

Das Buch "111 Orte in und um Valencia..." stammt von dem Autor Daniel Izquierdo-Hänni, dessen Krimi-Triologie von Taxifahrer Alapont in diesem Blog bereits Erwähnung gefunden hat (hier) . Nun also hat sich Izquierdo schriftstellerisch seiner zweiten Leidenschaft gewidmet: Valencia. Der Riehener lebt dort seit über 20 Jahren und durfte nun - im Namen vom Verlag emons - 111 Orte in seiner zweiten Heimat besuchen und jeweils einen kurzen Beschrieb dazu verfassen. Das tönt vorerst einmal nicht sehr attraktiv. Aber wer das Buch vorliegen hat, der merkt sofort, dass hier nicht einfach ein "Reiseführer" entstanden ist.

111 Kurzgeschichten, manchmal heiter oder auch bitter traurig (wenns um die Monsterflut von 2024 geht) machen dieses Buch zu einem Lesevergnügen, auch wenn man dabei in Riehen sitzt. Izquieredo besucht Kunstsammlungen, Bahnhöfe, Gaststätten aller Art, einen historischen Hotelpool. Er spricht mit Köchinnen, Besitzern von Delikatessgeschäften. Oder er befasst sich mit Scharfrichtern aus dem Mittelalter oder mit riesigen Gummibäumen. So fügt er nach und nach "sein Valencia" zu einem Gesamtkunstwerk zusammen. Kurz: Das Buch ist ein herrlicher Zeitvertrieb. Besonders wenn es hier der Region regnet und schneit - dann bringen Izquierdos Geschichten Wärme und Freude ins Haus. Angereichert werden die Geschichten von lebendigen Fotografien.

Daniel izquierdo-Hännis Genre-Wechsel wird wohl nicht von Dauer sein. Wahrscheinlich wird Taxifahrer Alapont dereinst wieder Kriminalfälle in Valencia lösen aber dabei vielleicht einen Fahrgast chauffieren, der mit dem Buch "111 Orte in und um Valencia" in seinem Wagen sitzt...

Kaufempfehlung: Falls Sie eine Reise nach Valencia planen - unbedingt! Falls Sie die Reise in Gedanken machen wollen und sich dabei gut unterhalten möchten: Sicher! Das Buch kostet weniger als 20 Franken und ist eines von vielen, ähnlich aufgebauten Werken des Verlages.

Haaresbreite. Von Markus Wüest.

Das muss man ja auch zuerst wissen. Der Roman von Markus Wüest ist kein Kriminalroman, obwohl sich auf dem Klappentext Wörter wie "Verschwinden", "Vergebliche Suche", "Ausrauben" finden. Nein, das dritte der "Haare"-Serie von Markus Wüest ist eher eine Erzählung von einem Neffen, der seinen Onkel sucht (in Amerika, wo Wüest praktischerweise gelebt hat) und ihn dann aber wieder unversehrt findet. Die beiden erzählen sich dann ihre Geschichten, die ohne grösseren Pointen ablaufen.

Gleichzeitig - und das ist schon etwas speziell - erlebt der beste Freund des "Neffen" zurück in Basel auch eine Geschichte. Er ist Pöstler und findet einen Brief, den er dann zustellt und in ein Happyend einer Familientrennung gerät. Auch hier: Eine hübsche Geschichte, schön ausgeschmückt, schön erzählt und - vor allem die amerikanische - authentisch und wahrscheinlich etwas biografisch angehaucht.

Mich hinterlässt das Buch etwas ratlos: Mein Leseverstand war bereit um eine spannende Geschichte, vielleicht mit kriminellem Charakter zu lesen. Der Leseverstand hätte aber auch eine schöne Lebensgeschichte mit einem Inhalt oder einer tollen Wendung angenommen und gelesen. Bekommen haben wir (Der Leseverstand und ich...) aber einfach zwei nicht zusammenhängende Geschichten ohne Tempo und ohne bedeutenden Abschluss.

Vielleicht lesen sich die beiden andern Haar-Geschichten etwas besser: "Haarsträubend" und "Haarprobe" jedenfalls haben pfiffige Beschreibungstexte hinten im vorliegenden Buch. Ich allerdings werde sie nicht erstehen und lesen. Sie gehen um Haaresbreite an meinem Geschmack vorbei...