Kuckuckskinder. Von Camilla Läckberg.

Ich habe es schon mal geschrieben in diesem Blog: Camilla Läckberg kann das wirklich sehr gut! Sie schreibt eine Geschichte dermassen spannend, unerwartet und lesefreundlich, dass man eigentlich nichts negatives darüber schreiben kann oder muss.

Auch im vorliegenden, neuesten Werk der knapp 50jährigen Schwedin ist die seit vielen Büchern Ausgangslage so bekannt, dass man - als regelmässiger Leser oder als regelmässige Leserin - eine Art Ferien in Fjällbacka verbringt. Man besucht Patrik (der Ermittler der Polizei) und seine Frau Erica (die Schriftstellerin mit Spezialgebiet Cold Cases). Man trifft Bertil (der phlegmatische Polizeichef) und das Ermittlungsteam. Man schaut auf die Nachbarschaft in Fjällbacka und bevor man sich versieht, ist man mitten in einem spannenden Kriminalfall. Aber Achtung: Das "harmlose" - aber immerhin ganzseitige - Bild der "schönen und netten" Autorin, die einem anschaut als würde sie gleich ein Backblech voller schwedischer Zimtschnecken aus dem Ofen nehmen und zum Kaffee bitten - täuscht ein bisschen: Camilla kennt keine Scheu vor realtiv brutalen Setups am Tatort und ganz queren und struben Geschichten, die zum Kriminalfall führen.

Im vorliegenden Buch mangelt es nicht an Leichen und die Geschichte, die zu allem führt, ist ziemlich speziell. Aber eben: spannend. Zudem vernehmen wir noch persönliche Dramen bei den Protagonisten und fühlen mit, wenn eine Frau eines Protagonisten beispielsweise an Krebs erkrankt.

Was das Buch angenehm und lesefreundlich macht, sind die relativ kurzen Kapitel. Zwar kommt auch dieses Buch nicht ohne "Rückblende nach Stockholm 1980" aus, aber die sind erklärend, wichtig für die Geschichte und ebenfalls spannend.

Camilla Läckberg ist ein Garant für einen gut lesbaren Krimi aus der Wühlkiste der Skandinavien-Krimis. Ich würde unbedingt zum Kauf raten. Auch wenn es der erste Kriminalroman aus der Fjällback-Reihe ist: egal. Man lernt die Umgebung prima kennen und es wird nicht permanent auf frühere Fälle verwiesen.

Bullet Train. Von Kotardo Isaka.

Mein Co-Checker Roger fährt ja gelegentlich auf die japanische Literatur ab und ich habe mir gedacht, wenn dann schon ein japanischer Kriminalroman im Angebot ist, dann greif ich mal zu.

Das Buch "Bullet Train", zu dem es einen Film geben soll, ist ein Werk von Kotaro Isaka, der - gemäss Klappentext - in Japan eine Art literarischer Shootingstar ist. Seine in der ganzen Welt publizierten 24 Romane haben überall die Charts gesprengt, so auch die Spiegel-Bestsellerliste in2022 mit dem vorliegenden Werk. Also - da muss was dran sein.

Die Welt, in der dieses Buch entstanden bzw. die Geschichte geschrieben worden ist, ist eine ganz andere, als die unsere. Das merkt man einerseits an der Geschichte (wo sich die Killer zum Teil auch bei der Ausübung ihrer Tätigkeit noch höflich begegnen) wie auch an der Umgebung. In diesem Fall spielt die ganze Sache auf 380 Seiten im Hochgeschwindigkeitszug Shinkansen.

Isakas Set up will, dass fünf Killer sich in diesem Zug begegnen und ihren Job ausführen müssen. Das endet mit etlichen Leichen und blutigen Kämpfen - alles notabene im Schnellzug! Es wird ein "Kammerstück" und das braucht eine sehr minutiöse Führung der verschiedenen Geschichten um die verschieden getakteten Killerfiguren. Und es braucht eine gewisse Konzentration der Lesenden.

So richtig spannend wird es nicht, weil man grundsätzlich weiss, was passieren wird und wer wem an den Hals will. Natürlich gibts ein paar überraschende Wendungen in der Geschichte - aber grundsätzlich weiss man, das der eine Killer permanent seiner Kollegin alles per Telefon rapportieren muss und man weiss auch im voraus, dass diese nicht begeistert sein wird.

Bref: Der Japaner hat mich noch nicht auf seiner Seite. Ich werde aber mal schauen, ob ich den Film zu diesem Buch finden kann. Und den werde ich dann mal schauen. Erstens ist es immer spannend zu sehen, wie ein Buch verfilmt werden kann und zweiten soll Sandra Bullock mitspielen. Und die mag ich.

Einer muss den Job ja machen. Von Lars Haider.

Die erstaunliche Entdeckungsreise der Maureen Fry. Von Rachel Joyce.

Revanche. Von Alexander Oetker.

Das Nachthaus. Von Jo Nesbo

Monster. Von Nele Neuhaus.

Zuerst muss ich ein nicht gerade schmeichelhaftes Geständnis machen: Bisher habe ich die Bücher der Nele Neuhaus nie wirklich beachtet. Weshalb weiss ich auch nicht genau. Ich hatte vielleicht das diffuse Gefühl, eine weibliche Autorin aus Deutschland könne keine spannenden Krimis schreiben (was natürlich völliger Bockmist ist). Oder vielleicht war es auch ein anderer Grund. Jedenfalls: Ich habe diese Bücher bisher ignoriert.

Was aber ein grosser Fehler war!

Als ich mich doch mit Nele Neuhaus beschäftigt habe fand ich heraus, dass sie die Urheberin der Krimis um "von Bodenstein und Sander" war, die ich mit viel Freude und Interesse auch schon im Deutschen Fernsehen als Krimi gesehen habe. Und dann habe ich das "Monster" gekauft.

Und: es ist ein veritabler Pageturner.

Das Buch vereint mehrere Handlungsstränge (was halt nur die Besten richtig können) und die Lesenden werden hin- und hergereicht zwischen der Geschichte der verschwundenen Larissa, den privaten Sorgen der Ermittler, einem wirklich massiven Kriminalfall (der auf den ersten Blick nichts mit dem verschwundenen Mädchen zu tun hat) und dem Befinden des Ermittlungsteams, welches feststellen muss, dass es jahrelang mit einer Kollegin zusammen gearbeitet hat, die gar nicht die ist, für die man sie gehalten hat. Man erhält auch einen Einblick in den seelischen Zustand eines Elternpaars, die eine Tochter verloren hat und die Reaktion darauf. Das Buch ist voll gepackt mit tiefgreifenden Geschichten.

Das Buch baut eine unglaubliche Spannung auf und ungefähr in der Mitte wird eine der Hauptgeschichten gelöst und eigentlich könnte das Buch dort aufhören. Aber Nele Neuhaus schreibt weiter bis man entdeckt, dass hier noch gar nichts gelöst ist… Es ist eine grossartige Abhandlung und seit langem einer der besten Kriminalromane, die auf meinem Nachttisch gelegen hat.

Ich verneige mich voller Demut vor der deutschen „Queen of Crime“  (Rhein-Neckar-Zeitung), bitte höflichst um Vergebung meiner Ignoranz und verspreche, die Nele-Neuhaus-Erscheinungen in Zukunft zu beachten und sogar zu kaufen.

Monsieur Le Comte und die Kunst der Täuschung. Von Pierre Martin.

Ich habe dieses Buch gekauft, weil ich Pierre Martins Hörbücher über die "Madame le Commissaire" liebe und allesamt konsumiert habe (Anmerkung: Pierre Martin ist ein Pseudonym... Aber weder das Internet noch der Verlag will verraten, wer sich hinter eben jenem Tarnnamen versteckt... So soll es sein!)

Das Buch über "Monsieur Le comte" hat seine Stärke - wie auch die Reihe mit Isabelle Bonnet - nicht wirklich in der spannungsgeladenen Dramaturgie. Aber diese "Manko" macht er wett mit der aussergewöhnlichen Fähigkeit, die Lesenden sofort in an die Schauplätze des Geschehens zu entführen. Die Geschichte spielt an der Côte d Azur und der Protagonist führt einerseits ein Restaurant und eine sehr aussergewönliche Nebenbeschäftigung.

Und damit sind die Zutaten für das Buch beschrieben: Die "Côte" gibt dem Autor die Gelegenheit, das Leben in Nizza, Monte Carlo und z.B. Eze-Village zu beschreiben. Das Restaurant bietet die Möglichkeit, die kulinarische Gegenbenheiten der südfranzösischen (Fisch-)Küche zu zelebrieren und die ausserwöhnliche Nebenbeschäftigung (Der Comte ist ein Auftragskiller, dessen Ziel es ist, seine Opfer am Leben zu lassen...) bringt etwas Spannung und den einen oder andern trickreichen Moment in die Geschichte. Alles zusammen ist es eine Komposition, die mich antreibt, auch die Fortsetzungen zu lesen. Es ist kein wirklicher Pageturner, aber ein schönes und herrlich zu lesendes Buch, vor allem wenn man Ferien nötig hat und Südfrankreich auf der Liste der möglichen Urlaubsziele figuriert.

Das Buch kostet 17 EUR (in Deutschland oder zwischen 20 und 25 Franken in der Schweiz) und ich würde sagen, es lohnt sich. Es muss jetzt nicht gerade morgen sein, aber wenn das Buch auf einem Wühltisch in der Buchhandlung Ihres Vertrauens liegt - greifen Sie zu!

Der tote Weckmann. Von Mirjam Munter.

Ein Rätsel vorab: Mir erschliesst sich nicht, weshalb man sich ein Pseudonym zulegt, um es bei jedem Blick ins Internet sofort als erstes zu entschlüsseln. Und zwar nicht durch findige Journalisten - sondern aktiv, selber und via Verlag. Wer also "Mirjam Munter" in die Suchmaske gibt, bekommt 100 Artikel, die alle beginnen mit: "Mirjman Munter ist das Pseudonym von Mirjam Müntefering!" OK, sie heisst wie ein deutscher Politiker und vielleicht muss sie sich ja vor dem Finanzamt schützen. Aber dann lässt man doch das Pseudonym ungeklärt? Wikipedia meint dazu: "Das Pseudonym wird anstelle des bürgerlichen Namens verwendet und dient meist zur Verschleierung der Identität."

Zum Buch: Frau Müntef... Munter also war Fernsehredakteurin und lebt heute mit der "besten Ehefrau von allen" im Ruhrgebiet. Es ist wichtig wiederzugeben, das der Klappentext noch sagt über die Autorin: "...sie lebt mit mit Ihrer Ehefrau, Hunden, Pferden, Katzen, Meerschweinchen und Hühnern und ...sie treibt sich täglich in Hattingen, Sprockhövel und Witten herum...". Das erklärt ein bisschen die Qualität des vorliegenden Buches: "Der Tote Weckmann - Pamela Schlonski ermittelt" (Weckmann = Grättimaa): Es ist ziemlich spiessig gestrickt...

Das Buch ist aufgebaut wie ein Rezept für eine Gemüsesuppe: Man nehme einen unschönen Vorfall (Mord), etwas Naivität (eine Putzfrau, die erschrickt), eine Prise Erotik (der Putzfrau neuer Freund), ein paar falsche Spuren, etwas Spannung, eine Schlägerei und natürlich eine Lösung, vermische das alles und lasse es 380 Seiten lang simmern. Was halt bei diesem Rezept vergessen ging, ist die Würze.

Das Buch ist nett. Die Autorin M. hat keine Fehler gemacht, die man hier aufschreiben könnte. Die Geschichte ist stimmig, die Frau Schlonski ist manchmal lustig und die Auflösung ansprechend spannend. Das Buch ist einfach gestrickt. Aber mich hat das nicht gepackt. Das heisst jetzt aber nicht, dass das Buch schlecht ist. Ich sehnte mich jedenfalls nicht frühzeitig ins Bett, weil ich wusste, dass das Werk auf meinem Nachttisch wartet.

Und leider bediente sich die Autorin eines Stilmerkmals, welches ich wirklich kaum ertragen kann: Gefühlt in jedem Kapitel wird auf den "letzten Fall" und somit auf das "letzte Buch" von Frau Schlonski verwiesen. Und oft hat man das Gefühl, man würde etwas nicht verstehen, wenn man - wie ich - das erste Abenteuer der ermittelnden Reinemachfrach nicht gelesen hat. Und das nervt. Jedenfalls mich.

Sorry, Frau Munter, aber ich werde mich Ihrer sicherlich zahlreichen Fans nicht anschliessen. Aber das muss Sie ja nicht wirklich beunruhigen. Sie haben ja Ihre Hunde, Katzen, Meerschweine, Pferde und Hühner...

Die elf Geschworenen. Von Chantal P. Fischer.

Falls Sie den Namen der Autorin - Chantal P. Fischer - nicht kennen, dann darf das nicht beunruhigen. Man kennt ihn auch nach der Lektüre des Büchleins "Die elf Geschworenen" nicht. Und das hat ein paar Gründe.

Chantal P. Fischer sieht - gemäss Autorinnen-Foto - aus wie ein Totenschädel, findet alles Morbide schön, geht am Zürichsee spazieren und durchstöbert gerne Antiquitätenläden. Mehr ist über die Autorin nicht zu erfahren. Auch im allwissenden Internet nicht. Da gibts eine Auswahl von Fischerinnen mit Vornamen Chantal, man weiss aber nicht, welche nun diejenige ist, die Bücher schreibt.

Eine Nachfrage beim Verlage - geht nicht. Denn der Verlag ist "story.one". Ein erfolgreicher Book-on-Demand Verlag im Internet. Klicken Sie den an und Sie erlernen, wie einfach es ist, ein Buch zu machen. 4 (!) Schritte zum eigenen Beststeller. Gemäss Website bereits "weltweit Millionen von AutorInnen".

"Die elf Geschworenen" ist ein auf diese Art erstelltes Book-on-Demand". Der Autor oder die Autorin spart sich viele Kosten, ist aber in der Vermarktung etwas benachteiligt. Und doch: Man findet das vorliegende Buch querbeet durch die gesamte Buchhandlungswelt. Ich selbst habe es physisch erstanden (18 EUR in DE, 26.90 in der CH) und - jetzt kommts - ich habe das Büchlein (55 Seiten, kartoniert) innert 14 Minuten gelesen.

Zum Inhalt: Reduce to the max. Ja, es hat was. Die Geschichten um die 11 Geschworenen, die ein Urteil zu fällen haben, und genau das eigentlich nicht tun, sind bemerkenswert zusammengefasst. Jeder Buchstabe, jede kleine Handlung (viele sind es nicht) hat eine Bedeutung und am Schluss kommt es, wie es kommen muss. Also nicht mal eine überraschende Wende. Mein finanzieller Aufwand hat gegen die Lese- und Unterhaltungsdauer keine Chance! Da wurde ich früher mit den SJW-Heftli besser bedient.

Am Schluss muss ich zugeben, wenn die Chantal P. Fischer 1000 dieser Büchlein verkauft, dann ist sie clever. Aber trotzdem stellen sich mir die Fragen: 1. Ist das jetzt die Zukunft des Buches und somit das Ende der Verlage? 2. Versteht die Autorin, dass man einem Buch anmerkt, ob es stilistisch gestaltet und professionell vermarktet wurde - und dass ein so ein Reagenzglas-Büchlein nur ein flüchtiger Stern am Himmel sein kann und 3. Gibts Chantal P. Fischer überhaupt? Oder ist das ein Buch von einer KI?