Die Schatten von Paris. Von Ulrich Wickert.

Tea Time. Von Ingrid Noll.

Das Fallbeil. Von Fabio Lanz.

Der Fluch. Von Wolfgang Wettstein.

Die Giftköchin. Von Arto Paasilinna

Die Passage nach Maskat. Von Cay Rademacher.

Gut, das ist jetzt vielleicht etwas peinlich, aber man kann ja nicht alles schon gelesen haben. Ich gebe also zu: Ein Buch von Cay Rademacher hat es bis jetzt noch nie auf meinen Nachttisch geschafft! Es kommt noch schlimmer: Ich habe den Namen Cay Rademacher eigentlich noch gar nie gelesen.

Nun also liegt das Buch "Die Passage nach Maskat" ausgelesen vor mir. Und ich muss sagen: Grossartig!

Der Kriminalroman handelt in den späten 20er Jahren des vorigen Jahrhunderts und beschreibt - neben dem "Kriminalfall" - eine ausgedehnte Reise eines Ozeandampfers (unbedingt ein Bild googlen vor der Lektüre, damit das Kopfkino funktioniert...) von Marseille durch das Mittelmeer, den Suezkanal nach Maskat im Oman. Und Rademacher packt hier wirklich eine grossartige Sprache aus und beschreibt genau im richtigen, zumut- und verarbeitungsbaren Umfang, wie sich so eine Reise von hundert Jahren abgespielt haben muss: Die Trennung der Klassen auf dem Schiff, die Kleidungen, die Mahlzeiten, die Ausflüge in "Panhards" (googeln!) und vieles andere mehr. Rademacher nimmt die Lesenden mit auf das Schiff. Das ist ganz grosses Handwerk.

Die Geschichte selbst ist spannend und verrückt und somit auch am Limit der Glaubwürdigkeit - wenn man das aus heutiger Sicht betrachten würde. Vor hundert Jahren allerdings, wäre so ein "verschwundener Passagier" vielleicht schon möglich. Man lässt es sich gerne erzählen.

Also: Cay Rademacher hat schon 14 Romane veröffentlicht im DuMont-Verlag (und ich haben KEINEN gelesen, ich weiss nicht, wo ich hinblicken soll...). Man darf also ruhig annehmen, dass Monsieur Rademacher, der mit seiner Family in der Provance lebt, das Metier des Schreibens beherrscht. Ich stimme dem voll und ganz zu und kann dieses Buch emfpehlen!

Basler Gleichstand. Von Wolfgang Bortlik.

Man könnte draufkommen beim raschen Durchblättern des Buches vor dem Kauf: Wolfgang Bortliks Buch "Basler Gleichstand" kommt mit extrem wenig Dialogen aus. In diesem Buch wird seitenweise und durch ganz Kapitel eigentlich nur nachgedacht und erzählt, beschrieben und analysiert. Und sehr wenig gesprochen. Das empfinde ich persönlich als wenig spannend, wenn es denn nicht um Ereignisse geht, die spannend oder völlig neu sind. Und das ist bei dieser Geschichte nicht wirklich der Fall.

Wir bewegen uns beim "Basler Gleichstand" in der Region "Ökoterrorismus" und werden - eben durch viele dialoglose Seiten auch in die Zeit der RAF zurückgeschleudert, wenn auch kurzzeitig und nur, weil ein Pamphlet aus dieser Zeit verschwunden ist.

Die Geschichte ist schön und wäre vielleicht spannend, wenn sie ebenso zu lesen wäre. Aber man driftet allzu oft in Gedankengänge ab, die wenig vorteilhaft für das Vorankommen der Geschichte sind.

Wolfgang Bortlik, der in Riehen/BS lebende Münchner ist ein grosser Fussballfan (was man natürlich in seinem Werk merkt: Sein Protagonist und einer der "Bösen" spielen beide Fussball und erst noch zusammen...) und hat mit seinem in diesem Blog besprochenen Werk "Allzumenschliches" - Friederich Nietzsche ermittelt! (https://www.buechercheck.com/2021/02/06/allzumenschliches-friederich-nietzsche-ermittelt-von-wolfgang-bortlik/) einen grossen Erfolg gelandet und hat mir persönlich eine grosse Lesefreude gemacht. Leider stellt sich mir beim "Basler Gleichstand" nichts Derartiges ein: eine harmlose Geschichte in einem Erzählstil, den ich nur bei aussergewöhnlichen Themen richtig gut finde.

Allerdings: Bortlik schreibt viele gute Bücher. Und wenn mir persönlich der "Basler Gleichstand" jetzt nicht eingefahren ist, dann heisst das nicht viel. Ich würde ihn nicht mehr kaufen und nicht mehr lesen. Aber ein nächstes Buch von Bortlik - warum nicht?

Das Ende aller Träume. Von Anne Gold.

Die Hyänen. Von Lee Child.

«Die Hyänen» ist ein weiteres Buch in der Jack Reacher-Reihe von Lee Child. Jack Reacher, der ehemalige Militärpolizist ist ein Mann der wenigen Worte. Er arbeitet und handelt hoch analytisch und spricht «faadegrad». Keine unnötigen LeserInnen-Belehrungen. Sondern klare und deutliche Ansagen.

Er wird als «Hühne» bezeichnet und die Fans streiten sich, ob der kleine Tom Cruise der richtige Film-Reacher war (Nun spielt Alan Ritchson den Reacher und trifft die Gunst der Fans…). Am Anfang eines Abenteuers – auch im vorliegenden – kommt Reacher von irgendwoher mit dem Bus und steigt dann in einer zufälligen Stadt in Amerika aus, wo er dann halt sofort in ein Verbrechen gerät. Im Durchschnitt benötigt er ca. 400 Romanseiten, bis er die Stadt wieder verlässt. Im Bus. Zurück lässt er ein paar tote Bösewichte, oft auch eine Liebelei und ein paar gerächte oder rehabilitierte Gutbürger.

Das ist auch bei «Die Hyänen» so. Reacher mischt zwei rivalisierende Gruppen in einer Stadt auf und begibt sich, zusammen mit einer temporären Komplizin in allerlei Gefahren und Gemetzel. Alles um einem alten Mann und seiner Frau die Kredithaie (oder eben die Hyänen) vom Hals zu halten.

Für meinen Geschmack produziert Reacher (oder Lee Child) in diesem Buch ein paar Tote zuviel. Es wird gemetzelt und erschossen, als gäbe es kein Morgen mehr. Anonsten ist das Buch ein typischer «Jack Reacher»-Plot. Man kann sich darauf verlassen: Reacher gewinnt immer. Und er wird am Ende des Buches in einen Bus steigen und so lange umehr reisen (ohne Gepäck, das nötigste kauft er sich immer unterwegs…), bis Lee Child für ihn ein neues Abenteuer hat. Dann steigt er wieder aus.

Fazit: Wer Spannung, Action, einen gewissen Witz und einen sehr schönen und schnörkellosen Schreibstil ohne Geschwurbel und Lehrstunden mag, vorgetragen von einem Protagonisten, dem man ohne Zögern in den dunklen Wald folgen würde – der darf sich ruhig mit Jack Reacher einlassen. 

Die Heimkehr. Von John Grisham.

Das kann ich an dieser Stelle gestehen: Wenn auf einem Buch "John Grisham" steht, dann kaufe ich es. Ungesehen. Ich habe nämlich die Erfahrung gemacht, dass Grisham - egal was er anpackt - einfach gut ist. Ach, was sage ich: grandios!

Gerne empfehle ich die Bücherckecks von Grishams Büchern in der Vergangenheit. Grisham kann spannend, authentisch, lehrreich, interessant und packend.

Er kann aber auch dosiert...! Das vorliegende Buch besteht aus drei Kurzromanen, die keinen Zusammenhang haben und nicht einmal sehr blutig sind. Es sind Geschichten, die sich so hätten ereignen können und die einfach sehr schön und spannend geschrieben sind, auch wenn wie z.T. weit weg von irgendwelchen schweren Verbrechen sind. Und es werden auch nicht alle drei Geschichten aufgelöst: In der ersten Geschichte lässt Grisham die LeserInnenschaft mit einem "Und jetzt?" zurück.

Grisham zeichnet sich dadurch aus, dass alle seine Geschichten zwischen "Realität" und "harmloser Fiktion" pendeln. Man kommt bei der Lektüre kaum in die Situation, in welcher man dem Plot nicht glaubt. Nein, die ganze Sache könnte tatsächlich passiert sein. Und dennoch: Spannend und eben - packend.

Für alle Grisham-AnfängerInnen: Guter Einstieg. Für alle Grisham-Fans: Wenn Grisham drauf steht - kaufen!