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Preis des Bösen. Von Alex Gasser

Ferienlektüre! Eher nicht. Da gibts lohnenswerteres...

Als Ehrrettung für das Buch dies vorab: Ich hatte eben den neuesten "Grisham" ausgelesen, als ich mit diesem Roman von Alex Gasser begonnen habe. Das war vielleicht ein Fehler. Das konnte ja nur schief gehen...

Aber trotzdem: Der Autor ist ein älterer, pensionierter Herr, welcher nach dem Ausscheiden aus dem Arbeitsleben mit Schreiben begonnen hat. Seine bisher fünf erschienenen Bücher scheinen einen Leser/innen-Stamm gefunden zu haben. Anders ist es kaum zu erklären, dass eines seiner Bücher tatsächlich als "Vergriffen" geführt wird. Sowas passierte früher bei einem SJW-Heftli.

Freudig habe ich mich also ans Lesen von "Preis des Bösen" gemacht, welches mit der Geburt des Protagonisten (so ca. in den frühen Jahren des letzten Jahrunderts) und seiner Krankheit begann. Der Autor schreibt in einer sehr einfachen Sprache und die Dialoge wirken wirklich so, als würden sie gesprochen und nicht - wie in vielen andern Büchern - aus den Gedanken des Schreibenden stammen. Dafür gebührt dem Autor ein dickes Lob.

Wenn er dann aber beschreibt, wie drei kleine Buben onanieren, weil sie ein Sexheftli finden und der Protagonist seine Sexualität entdeckt, fehlt jede Art von Sprachgefühl. Ich bezeichne mich nicht als besonders prüde, aber das fand ich abstossend. Ebenfalls wird das männliche Geschlechtsorgan - welches häufig in diesem Buch vorkommt - in allen Varianten beschrieben und bezeichnet.

Die Geschichte wird nicht als "spannende Geschichte" sondern als "Erzählung" verkauft. Gefühlte 40 Kapitel schleppen die Leserschaft durch das Leben von einem Kriminellen, der als eingentlich feiner Mensch auf die schiefe Bahn gerät (ursächlich dafür ist ein Schlüsselerlebnis im Internat, wo die Nonne allabendlich den kleinen Knaben an den Geschleichtsteilen rumfummelt). Ein paar Morde und Jahrzehnte später erlebt der Kerl einen beruflichen und sogar beziehungsmässigen Höhepunkt, bevor es mit einem alten Polizisten zum Showdown kommt (Der Showdown wird im Kapitel "Shutdown" beschrieben, was mir beweist, dass bei diesem Eigenverlags-Buch das Lektorat wohl gefehlt hat...).

Gerne attestiere ich dem Autor, dass man das Gefühl bekommt, dass er alles, was er in diesem Buch beschreibt, vermutlich selber erlebt oder dann aber sehr penibel recherchiert hat. Also die Erlebnisse im Militär, die Begeisterung fürs Biken, die Versicherungsbranche: Alles sehr glaubhaft. Meine Mutter würde dazu sagen: "Si non è vero, è bon trovato!" (Das hatte sie aus irgendeiner Werbung. Sie sprach eigentlich kein italienisch...).

Trotzdem: Das Buch ist nicht wirklich ein Pageturner. Weder spannend noch fesselnd. Man kann es getrost vier Tage liegen lassen - dank den kurzen Kapiteln ist man schnell wieder im Leben von Rolf Leidig drin.

Das Buch stammt von 2020. Falls Sie es als Ferienlektüre vorgesehen haben, packen Sie es wieder aus. Für den stolzen Preis von knapp 27.00 Franken (allerdings für 400 Seiten) finden Sie ein besseres.

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