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Alissa kauft ihren Tod. Von Ljudmila Ulitzkaya.

Ein Erzählband aus Russland. Und weshalb das trotzdem ein gutes Buch ist!

Man will ja in diesen kriegerischen Tage vielleicht mal wieder den Tiefgründen der russischen Seele nachspüren und dazu nicht gleich zu einem der «Fünf Elefanten»* greifen. In einem solchen Fall empfehle ich den Erzählband der in diesem Jahr nach Berlin emigrierten Moskauer Schriftstellerin Ljudmila Ulitzkaya. Russische Seele und Literatur in kleinen, aber hochkarätigen Portionen!

Die Moskauer Schriftstellerin, die erst kürzlich nach Berlin ausgewandert ist, erzählt Alltagsgeschichten, die alltäglich beginnen, aber dann bald unerwartete Wendungen nehmen und neue Perspektiven eröffnen. Eine Frau verpuppt sich und wird zum Schmetterling. Eine junge Moskauerin wird mit einem Iraker verkuppelt und findet ihr Glück im englischen Exil. Eine Aserbaidschanerin und eine Armenierin überwinden in einer langjährigen Liebesbeziehung die Feindschaft ihrer Völker.

Die Sammlung von Kurz- und Kürzestgeschichten ist in drei Zyklen geordnet und bietet sowohl Poesie und Prosa. Grosse Dramen und Kleinstbeobachtungen wechseln sich ab, es bestechen die alltagsnahen Stoffe und der prägnante Stil der bald achtzigjährigen Autorin. Immer wieder sind mir bei dieser Lektüre übrigens die Kurzgeschichten von Haruki Mirakami in den Sinn gekommen. Wie bei ihm nehmen auch bei Ulitzkaja ganz gewöhnliche, banale Alltagssituationen unerwartet bizarre Wendungen und enden dann - scheinbar pointenlos – in einem abrupten Schluss.  

* Metapher der Übersetzerin Swetlana Geier für die fünf grossen Romane von Fjodor Michailowitsch Dostojewski.

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