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Miss Merkel: Mord in der Uckermark von David Safier

Arme Frau Merkel. Wird permanent kritisiert im Beruf. Und jetzt muss sie auch noch für eine billige Miss Marple-Kopie herhalten.

von Roger Thiriet

Das Wichtigste zuerst: Hüten Sie sich vor David Safier! Das ist nämlich nicht, wie ich in erst in fahrlässiger Nachlässigkeit angenommen habe, der zum Schreien komische US-Amerikaner David Sedaris, auf dessen Konto grossartiger Humor à la «Nackt», «Hundeleben» und «Schöner wird’s nicht» gehen. Safier ist vielmehr ein deutscher Radiomann und Autor, der mit seinen Drehbüchern zur TV-Serie «Berlin, Berlin» zwar den Grimme-Preis abgeholt, sich dann aber 2007 mit seinem Erstlingsroman «Mieses Karma» aus dem Stand für einen Spitzenplatz in der Kategorie «Verbrechen zwischen Buchdeckeln» qualifiziert hat.

Den Karma-Mist hatte ich zwar gelesen, aber offenbar so erfolgreich verdrängt, dass ich vergangene Woche zum zweiten Mal auf diesen Peach Weber der deutschen Trivialliteratur hineingefallen bin. Nicht nur das lustige Titelbild mit der Sherlock Holmes-Karikatur von Bald-Altbundeskanzlerin Angela Merkel und einem Mops hatte mich ein, sondern auch die Anspielung auf die legendäre Hobby-Detektivin Miss Marple im Titel und – last not least – die rote Bauchbinde mit dem Vermerk «Nr. 1 Spiegel-Bestsellerliste». Abgesehen davon wollte ich schon lange wissen, wo eigentlich diese im Titel erwähnte Uckermark liegt, was ich bei Google Maps allerdings wesentlich billiger hätte erfahren können als für die 20 Franken, die mich der Download dieses Machwerks gekostet hat.

Machen wir es kurz und ungnädig: In besagte Mark zieht sich die einst höchste Deutsche mit Mann Achim und Mops Putin in den Ruhestand zurück. Aber statt Mandate in gemeinnützigen Stiftungen zu bewirtschaften, wie sich das für abgehalfterte PolitikerInnen gehörte, stürzt sich die noch Rüstige Hals über Kopf in die Aufklärung eines Kriminalfalls. Dessen Übungsanlage ist allerdings so schwachsinnig wie sein Personal absurd und die Auflösung an sämtlichen Hundehaaren herbeigezogen. Und wer bei der Lektüre des jämmerlichen Plots zunehmend verzweifelt wenigstens auf etwas Wortwitz oder Situationskomik von einem Profi dieser Sparte hofft, geht,  ausser bei ein paar müden Bezügen auf das frühere Amt von Miss Merkel, auch leer aus.        

Fairer-, wenn auch mir unverständlicherweise soll dieser Verriss doch mit dem Hinweis enden, dass dieser völlig unlustige Möchtegern-Krimi auf dem Niveau eines gut gemeinten Schulaufsatzes seit seinem Erscheinen im März 2021 offenbar bereits in 6. (in Worten: sechster) Auflage erschienen ist.    

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