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Tove Ditlevsen – Kindheit / Jugend / Abhängigkeit (Kopenhagen-Trilogie)

Gastchecker Roger Thiriet hat sich einer "Frauenliteratur"-Triologie angenommen. Und ist begeistert.

von Roger Thiriet

Tove Ditlevsen (1917 – 1976) ist es mit ihren biographischen Romanen «Kindheit», «Jugend» und «Abhängigkeit» im deutschen Sprachraum ergangen wie John Williams (1922 – 1994) mit seinem Porträt von «Stoner». Dessen berührendes Porträt eines frustrierten Universitäts-Professors aus den 1950er-Jahren wurde bei uns erst 2006 mit einer Neuausgabe zum Bestseller. Und die in ihrer Heimat hoch gehandelte dänische Autorin macht im deutschen Sprachraum erst jetzt Furore - dank der deutschen Übersetzung ihrer zwischen 1967 und 1971 entstandenen «Kopenhagen-Trilogie».   

In ihr beschreibt eine junge, in Kopenhagen aufgewachsene Frau ihre Kindheit und ihr Erwachsenwerden in prekären Verhältnissen, ihr Leiden am schwachen Vater und der unzufriedenen Mutter sowie in mehreren unglücklichen Ehen, ihre Sehnsucht nach einem Kind und ihre Versuche, dem Leben, dem sie allen Schwierigkeiten zum Trotz auch schöne Seiten abzugewinnen vermag. Eine davon ist die Literatur, die sie schon als Schulmädchen zum Verfassen von Gedichten führt, die früh auch publiziert werden und sie bald zur erfolgreichen Schriftstellerin werden lassen.

Auch wer mit der aktuell boomenden «Frauenliteratur» nichts am Hut hat, braucht keinen Bogen um die autobiografisch-fiktionale Prosa von Ditlevsen zu machen. «In diesen Erinnerungsbüchern» bilanzierte die «Süddeutsche Zeitung», «gibt es keine reflexive Metaebene und keine zur vertiefenden Interpretation einladenden intertextuellen Querverweise. Das Private ist natürlich politisch, wird aber weder so benannt noch so empfunden. Die Not einer jungen Frau, die ungewollt schwanger geworden ist, ist die Not einer jungen Frau, die ungewollt schwanger geworden ist und jetzt panisch nach einem Arzt sucht, der bereit ist, eine Abtreibung vorzunehmen. Punkt.»  

Dem ist nichts hinzuzufügen. Entsprechend leicht und spannend lesen sich die zusammengenommen 450 Seiten in der sensiblen Übersetzung von Ursel Allenstein.   

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