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Primitivo von Pedro Lenz

Roger Thiriet schreibt über seine Erfahrungen mit dem Pedro Lenz Werk.

In jungen Jahren habe ich auch schon mal das Shakespeare-Drama «Romeo und Julia» oder den Krimi-Klassiker «Spitzenhäubchen und Arsenik» ins Baseldeutsche übertragen. Seither weiss ich um die Gratwanderung zwischen Lesbarkeit von Dialekt-Texten und deren «korrekten» Schreibweise (die es zwar nicht gibt, ist doch «Mundart» zum Sprechen da und deshalb orthografietechnisch nicht verbindlich geregelt).

Pedro Lenz geht diesen Grat in seinen Büchern in Berndeutsch ohne auszurutschen. Insbesondere vermeidet der Langenthaler, der sich dank seiner spanischen Mutter bewusster mit seinem Schweizer Dialekt auseinandergesetzt hat als mancher Fasnachtszeedeldichter in sechster Basler Daig-Generation, die verbreiteste Sünde der Dialektschreiber, nämlich die Übernahme von schriftdeutschen Satzkonstruktionen nach dem Muster «Dr Hund, dä d’Mueter bisse hett …». So liest sich die Geschichte des spanischen Maurers, der bei einem banalen Baustellen-Unfall ums Leben kommt, auch für Nichtberner leicht und flüssig.

Formal nimmt die Story von Primitivo (keine Verwandtschaft mit der gleichnamigen Rebsorte) das Erfolgsrezept von «Dr Goalie bin ig» wieder auf. Wie in Lenz’ Erstling nimmt uns der aufgeweckte Maurerlehrling Charly mit ins Agglo-Ambiente eines Orts im Oberaargau und seiner Baustellen. Als Ich-Erzähler zeichnet er das berührende Porträt des lebensweisen spanischen Saisonniers Primitivo, der den jüngeren Kollegen unter seine Fittiche nimmt  und gleich zu Beginn des Romans bei einem Unfall stirbt.

Der selbstbewusste Charly mit seiner Passion für Bücher und Literatur hat nicht zufällig vieles mit seinem Schöpfer gemeinsam, hat doch Lenz selber in den 1980er Jahren eine Lehre als Maurer absolviert, was seinen Schilderungen des Baustellenalltags und den Charakteren grosse Authentizität verleiht.

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