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Hass verjährt nie von Udo Rauchfleisch

Ich halte mich ja für offen und tolerant. Also sollte es kein Problem sein, mit einem schwulen Kommissar auf Ermittlung zu gehen...

Also, ein bisschen ein Problem war das schon.

Wenn ich ein Buch von Alfred Bodenheimer mit dem ermittelnden Rabbi Klein lese, dann weiss und erwarte ich, dass Juden und ihre Kultur eine Hauptrolle spielen. So war ich auch vorbereitet darauf, dass wenn ich ein Buch aus einem schwulen Verlag, von einem schwulen Autor, mit einem schwulen Kommissar und mehreren schwulen Verdächtigen, der Plot, das Problem und die Lösung sich rund um die Homosexualität dreht. Und so war es dann auch: Keine Seite in diesem Buch kommt aus ohne Bezug zum schwulen Umfeld dieses Krimis. Da wird geflirtet, gleichgeschlechtlich gesexelt, angemacht und rumgezickt - alles ist dabei. Das ist eigentlich normal in einem "schwulen Buch" und nicht zu bemängeln. Für mich war es aber etwas too much. Das ist aber subjektiv.

Es gibt andere Dinge an diesem Buch, welche für mich nicht stimmen. Erstens die "billige" Ausführung. Ein geleimtes Buch mit 190 Seiten, die billigste aller Ausführungen. Das Buch auf den Tisch legen und lesen - geht nicht. Man muss es ständig in den Händen halten und die Seiten auseinander zwängen. Dann das Cover mit einem Bild, welches absolut keinen Zusammenhang mit der Geschichte oder dem Titel hat. Es ist einfach ziemlich schwul und das muss gereicht haben.

Der Kommissar lebt - natürlich - mit einem Mann und einem Sohn zusammen und zusammen mit den lesbischen Müttern bilden sie eine sehr ungewohnte Lebensgemeinschaft. Was den 10jährigen Jungen zu Dialogen verführt wie: "Ich habe Mario und Dir doch .... erzählt ... dass es in der Paralellklasse einen trans Jungen gibt und dass der trans Psychologe ... mal bei uns in der Klasse war ... und uns darüber informiert hat, was trans bedeutet....". Auch die weiteren Ausführungen sind für einen 10jährigen Jungen eher überkanditelt.

Der Plot ist einfach und sehr verständlich und man muss dem Autor hier ein grosses Kompliment machen: Im Gegensatz zu vielen andern Krimis, hört der vorliegende nicht mit der Verhaftung des Täters auf, sondern wir erleben die Aufarbeitung des Falls durch den Kommissar und die Beantwortung von offenen Fragen. Das ist toll und unerwartet.

Die Erzählung und die Sprache im Buch sind deutlich. Die Sorgfalt eher weniger. Da kann es schon vorkommen, dass innerhalb weniger Seiten den Lesenden zwei Mal erklärt wird, was die Klingelschilder an einer Haustüre bedeuten oder dass der ehemalige Klassenkamerad des Kommissars heute Rektor am Gymnasium ist. Das erzeugt einen unnötigen: "Danke, aber ich habe es schon beim ersten Mal verstanden"-Gedanken. Und dann befindet sich der "Untere Rheinweg" in diesem Buch in Grossbasel...

Zusammengefasst stimmt das Gesamtbild dieses Kriminalromans für mich nicht. Ich habe ein paar mal zu oft meinen Kopf geschüttelt oder mich geärgert.

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