buechercheck.com

Doppelrolle von Walter Burk (ein Alpsteinkrimi)

Lehren daraus: 1. Überprüfe die Aussage der Buchhändlerin. 2. Vielleicht sollte man nicht mit dem Band 2 einer Triologie beginnen.

Ich werde die Triologie von Walter Bruck nicht abschliessen. Aus drei Hauptgründen wird es bei dem einen Band bleiben, welches der zweite war - und nicht, wie die Buchhändlerin in Appenzell verprach: "Das hier ist Band Nr. 1 von 3". (Die hat mir - rückblickend - sowieso nur unqualifizierten Mist erzählt. Wahrscheinlich weil ich ein Tourist war!)

Grund 1: Der Autor hat gemäss Klappentext "eine Verbundenheit an der Diskussion existentieller Fragen ... an gesellschaftlichen Themen ... an der Vermischung von Relatität und Fiktion sowie am Spiel mit der Sprache". Das haben seine Leser/innen besser auch. Sonst wirds schwierig! Die "Verbundenheit" ist eher eine Obsession und führt dazu, dass der ganze Krimi, der eigentlich einen spannenden Plot hat, sehr gut gefüllt, ja überfüllt wird mit Diskussionen über Sinn und Zweck des Lebens und mit philosophischen Gesprächen, die weit weg von einer möglichen Authentizität sind. Ich kenne niemand, der solche Gespräche führt. Gut, ich kenne auch keine Philosophie-Professoren, aber nicht einmal denen traue ich das zu. Wenn ein heimliches Liebespaar miteinander plaudert, kann nicht in buchstäblich jedem Satz ein Zitat eines grossen Literaten vorkommen. Fehlte nur noch die Angabe der Geburtsjahre. Das ist unrealistisch. Oder eben - Fiktion...

Dann wird - dies der zweite Grund - auch mit der Alpsteinitis etwas übertrieben. Ich sehe ja ein, dass diese wunderbare Landschaft gewürdigt werden muss. Aber ich finde es "too much", wenn jeder Blick eines Kommissars aus dem Fenster mit der Beschreibung der dann sichbaren Alpenstein-Kette abgeschlossen werden muss. Oder jeder Gang eines Protagonisten zu einer veritablen Wanderwegschreibung wird. Ein "Alpstein-Krimi" sollte ein Krimi sein, der im Alpsteingebirge spielt. Und nicht eine Geografie-Stunde "Alpstein" anhand einer spannenden Geschichte.

Der dritte Grund ist Walter Burks Vorliebe für das Beschreiben von Szenen, Zeiten und Bilder (u.a. Alpstein - siehe oben), als hätte die lesende Person keinerlei Kopfkino-Fähigkeit. Oder als wären die handelnden Personen so dermassen kompliziert und wichtig, dass man seitenlange Charakterenbeschriebe auffahren muss. In dem Buch dauert es bis zur Seite 18, bis der erste Dialog zwischen zwei Menschen beschrieben wird. Die vorhergehenden Seiten sind reiner Beschrieb (in einem Film ca. 10 Sekunden Marsch eines Berggängers), ein Rückblick und der Andeutung einer Liebesgeschichte, die nur deswegen da ist, damit Literaten zitiert werden können. Solche seitenlange Beschriebe, die manchmal als Vorlage für "Vorlesungen" dienen könnten, sind in einem Krimi, der davon lebt, dass die Geschichte Fahrt aufnimmt und vorwärts geht, nicht am richtigen Platz. Manchmal verpackt der Autor seine Lehrstunden in einem Dialog. Jener zwischen den beiden Gerichtsmedizinern liest sich so, als würde sich die beiden je eine Vorlesung in Medizin geben... Sehr realitätsfremd.

Zusammengefasst: Das Buch ist qualitativ sicherlich gut (Recherche, Plot, Ausrüstung). Es beschreibt den Alpstein und seine Bergwirtschaftenbewohner akkurat. Es hat einen eigentlich guten und spannenden Plot. Aber es hat - nach meinem Dafürhalten - zuviele Buchstaben.

Zur Startseite
Impressum
Startseite
Lister mit allen Büchern
Der Blog und sein Zweck
Webseite & Design, thiriet creative content, casper@thiriet.cc
Riehen © 2020