Flaschenspiel. Von Elisa Monaco

Ich habe kürzlich die Lektüre eines Buches abgebrochen, weil ich der Meinung war, die Protagonist*innen verlieren sich zu oft in langweiligen, unwichtigen und seitenfüllenden Gedanken. Dann habe ich mit dem Lesen von Elisa Monacos "Flaschenspiel" begonnen und nach zwei Kapiteln festgestellt, dass genau dieser Stil - nämlich die Hintergründe, die Gedanken und die Überlegungen der Darsteller*innen akkurat aufzuschreiben - auch sehr spannend sein kann.

Würde ich alle Seiten des Buches "Flaschenspiel", auf welchem "Dialoge" vorkommen zusammenzählen, käme ich wohl kaum auf die Hälfte der 462 Seiten. Im überwiegenden Teil des Buches lernen die Lesenden die Protagonist*innen kennen. Und ihre Überlegungen. Und ihr früheres Leben. Und die Beziehung zu andern Personen im Buch. Und wissen Sie was?: Die Geschichte geht trotzdem weiter. Sie läuft wie Honig aus dem Glas: langsam aber unaufhörlich, bis sie sich am Ende des Buches zu einem einzigen, in sich stimmigen Finale präsentiert.

Elisa Monaco bedient mit dem einfachen "Pro Kapitel - eine Person"-System die ganze Palette, die man für eine spannende, anfangs komplizierte und unübersichtliche Geschichte braucht: Einen Kommissär (mit Migrationshintergrund), eine Journalistin, ein paar Opfer und ein Hauptverdächtiger. Im Laufe der Seiten lernen wir die Leute kennen und bald wünschen wir uns, dass das Kapitel nicht aufhört, weil die Person immer spannender, immer wichtiger oder unwichtiger wird. Das ist wirklich gut gemacht und beweist, dass der Stil mit den Gedanken der Protagonisten nicht langweilig sein muss und vor allem nicht unbedingt zur Verlangsamung der Geschichte führen muss.

Ein weiteres Plus: Die Geschichte spielt in Basel. Die Stadt wird aber nicht einmal genannt und die Autorin verzichtet auf stadthistorische Überflüssigkeiten (z.B. ..."sie standen auf dem Barfüsserplatz, jener Platz, der nach den barfüssigen Mönchen im Mittelalter benannt ist und früher die Autos ihre Protzrunden darauf drehten...."). Ich meine sogar, dass es für die Autorin egal war, ob das Kriminalkommissariat im Klein- oder Grossbasel zu Hause ist. Weil es schlicht nicht wichtig ist. Das ist der Stil der grossen Autor*innen.

Das Buch kommt aus dem reinhardt-Verlag in Basel. Der macht sonst schöne und gute Bücher. Deshalb ist es umso erstaunlicher, dass mein Exemplar mitten in der Lektüre auseinander gebrochen ist....

Mein Tipp: Wählen Sie eine Website aus, wo Sie eine Leseprobe machen können. Denn der o.e. Stil ist anspruchsvoll und nicht jedermenschens Sache. Wer dem aber zuspricht, hat hier ein gutes Buch vor sich.

Französisches Roulette. Von Martin Walker

Ich habe sie alle gelesen! Die Romane von Martin Walker, dem amerikanischen Schotten, der in Frankreich lebt und dort seinen Dorfpolizisten "Bruno" nun schon seit dreizehn Fällen ermitteln lässt. Bruno ist ein Alleskönner, der einzige, richtige Schugger im Dorf St. Denis im Périgord/F. Es hat schon noch ein paar andere Polizist*innen, die spielen aber keine Rolle. Und der Kerl ist zu guten Menschen anständig: Er ist gleichzeitig Trainer beim Tennis und Rugbyverein, unterstützt die Jugend, ist tierlieb (hat ein Pferd und einen Hund) und kocht leidenschaftlich gerne. Er ist so, wie man sich einen guten Freund oder einen Schwiegersohn wünscht. In jedem Band kommt ihm noch ein Bösewicht in die Quere, den er irgendwie enttarnt und verhaftet. Manchmal gibts eine Leiche, aber nur schnell...

Der dreizehnte Fall? Nun, hier kam bei mir das erste Mal das Déjà-Vû-Gefühl auf. Und dann ist es oftmals nicht mehr soweit zur Langeweile...

Auch in diesem Buch (ein Diogenes-Werk, sehr schön verarbeitet, für 26 Franken hält man noch ein richtiges "Buch" in den Händen...) macht Bruno das, was er auch in seinen 12 vorherigen Büchern gemacht hat: Er gärtnert, er kocht, er reitet aus, er trainiert mit den Tenniskids, er kontrolliert den Markt, er isst ein Croissant beim Dorfbäcker und er beschäftigt sich mit Hühnern und seinem Basset. Und dann geschieht ein Unglück, ein Mann kommt um und die Kinder erben nichts. Der Gerechtigkeitsfanatiker Bruno geht der Sache nach und verhindert prompt beinahe den dritten Weltkrieg. - Und das ist genau das, was er seit 12 Bücher tut. Natürlich entwickelt sich der Bruno weiter (sein Pferd wird älter, die Freundin auch und er kocht immer besser) - aber ich weiss nicht, wie lange das noch reicht.

Die Geschichte, um die es eigentlich geht, muss immer wieder Pause machen, weil Bruno ein Essen gibt, welches in allen Details beschrieben wird oder weil sein Hund eine Basset-Dame beglücken muss (was mehrere Seiten inkl. Beschreibung des Aktes der Hunde und des Herrchens mit seiner Freundin aus Paris, verschlingt). Oder weil er mal wieder einen Ausritt machen sollte.

Kurz: Ich werde die Bruno-Bücher noch lange kaufen und lesen. Denn man kann auch Ferien in Südfrankreich machen, wenn man Bücher darüber liest... Aber ich würde für ein solches Buch nicht mehr in einen Bücherladen einbrechen. Es reicht, wenn mir jemand das Buch als Einladungsgeschenk mitbringt....

Es liegt mir fern, dem erfolgreichen Autoren Martin Walker einen Tipp zu geben. Er wird - da bin ich mir fast sicher - weitermachen. So wie Donna Leon mit ihrem Commissario Brunetti(...der rein rechnerisch schon längst im Alterheim sein müsste...!) Denn die Walker-Bruno-Bücher werden in 18 Sprachen übersetzt. Es fehlen noch ein paar Verfilmungen... Warum also das winning-Team ändern?

Die Tochter des Präsidenten. Von Bill Clinton und James Patterson

Die Grundmeinung zu einem Buch von Ex-POTUS Bill Clinton mit seinem neuen Spezi James Patterson hat das Büchercheck-Team ja schon anlässlich des ersten Werks geschrieben: https://www.buechercheck.com/2020/12/13/the-president-is-missing-von-bill-clinton-james-patterson/.

Auch das vorliegende Werk ist eigentlich hervorragendes Handwerk. Es ist einerseits sehr spannend. Die Geschichte ist schnell und nach jedem der meist kurzen und knappen Kapitel, baut das Autoren-Duo einen kleinen Cliffhanger ein, sodass man einfach weiterlesen muss! Dann befriedigt es meinen Wunsch, als Spion hinter die Kulissen des Weissen Hauses zu gucken. Ich muss zugeben, ich bin gerne an der Seite eines Präsidenten, einer Königin oder eines Ministers und begleite ihn oder sie bei ihren täglichen Arbeiten. Und wenn diese dann auch noch gut und realistisch beschrieben sind - umso besser. In diesem Buch taucht man ein in die Welt der Navy Seals, des Secret Services und bekommt glaubhaft das Leben eines Ex-POTUS beschrieben.

Ich weiss nicht, wie das Autoren-Duo funktioniert. Ich gehe davon aus, dass der Ex-Präsident die Details erzählt und der weltbekannte und prämierte Thriller-Autor James Patterson die Feder schwingt. In jedem Fall: Es funktioniert. Es ist ein Thriller, der einem fesselt und - zumindest mich - fasziniert. Und dabei ist der Plot so dermassen einfach: Die Tochter des Präsidenten wird entführt und nachdem Politik und FBI nur zögernd in die Gänge kommen, schnappt sich der Ex-Präsident ein paar alte Freunde aus seiner SEAL-Zeit und jagt den Terroristen, der sein Mädchen gestohlen hat, bis in die libyschen Berge und .... (es wird nicht gespoilert...).

Grosses Kino. Ich hoffe nur, dass es irgendwann einen dritten Start dieses Duos gibt. Natürlich haben sich die Autoren eine Türe weit aufgestossen (Ohne zu spoliern): Nach dem Showdown in den libyschen Alpen lassen die Autoren nämlich offen, ob der Bösewicht nun tot ist. Oder vielleicht doch nicht...;-)

Schiffbruch und Wahrheit. Von Andreas Bruetsch.

Ich habe mir eigentlich vorgenommen, jedes Buch, welches in diesem Blog behandelt wird, von der ersten bis zur letzten Seite zu lesen. Denn nur dann ist die Voraussetzung für eine ganzheitliche Betrachtung gegeben. Nur: Beim Buch "Schiffbruch und Wahrheit" von Andreas Bruetsch habe ich dieses Prinzip nicht befolgt. Ich habe die Lektüre auf Seite 84 abgebrochen. Der Grund: Ich habe mich beim Lesen - pardon - gelangweilt.

Ich habe versucht herauszufinden, an was das gelegen hat.

Was mir bei der Lektüre wirklich richtig viel Mühe gemacht hat, waren die unsäglichen Gedankenaufzeichnungen von den Protagonist/innen in der Geschichte. Beispiel: Die Frau des Hauses macht sich vor dem Spiegel frisch. Das füllt fast zwei (zugegeben, grossschriftige) Seiten des Buches. Sie denkt darüber nach, wie eng sie mit ihren Mitarbeiterinnen war, sie bewundert die Feinfühligkeit einer ihrer Mitarbeiterinnnen, sie überlegt, ob sie einen BH anziehen soll oder lieber keinen und wie provozierend das auf wen wirken würde, sie beschäftigt sich mit den Gedanken, warum ihr Mann so anders war als sonst, sie erinnert sich an eine Geschichte, die zehn Jahre zurück liegt und von einem Hund mit Nierenkolik handelt, sie findet ihren Mann manchmal kühl aber nicht bösartig und fragt sich zu guter Letzt, ob der Freund ihres Mannes auch so eine Veränderung durchgemacht hat. - Stellen Sie sich das als Film vor: Unmöglich. Vor allem auch, weil eine solche Abschweiferei, wie sie in jedem Kapitel vorkommt, die Story keinen Milimeter vorwärts bringt (Auf der nächsten Seite dasselbe in grün: Der Protagonist hat einen heissen Nacken. Und er braucht zweieinhalb Seiten dafür, um ein gekühltes Tuch in den Nacken zu legen und zu bemerken, dass seine Frau ihm dabei zuschaut….). Auf Seite 84 ist die Ausgangslage noch immer dieselbe: Ein Mann kollidiert mit einem Boot und will die Sache vertuschen. Die Story steht still und das ist leider nicht im Ansatz spannend. Im Film wären für die 84 Seiten maximal 3 Minuten nötig....

Ich habe mich dann mit dem Autor beschäftigt und gedacht: "Das ist der Debütroman eines jungen Autors, der noch viel lernen kann." Irrtum: Es ist zwar der Debütroman. Der Autor ist nicht mehr ganz so jung und - jetzt kommt der Clou - ein ausgewiesener Spezialist in der Filmbranche und Referent im Fach ... Storytelling. - Da verstehe ich nun nicht ganz, warum man dann eine Geschichte schreibt, die nicht vorwärts kommt und sicherlich sehr schwierig verfilmbar wäre.

Das gute an der Geschichte: Das Buch stammt aus dem reinhardt verlag in Basel und ist deshalb nicht so teuer. Die knapp zwanzig Franken hätte ich aber lieber für ein kühles Getränk investiert. Es hätte mich wesentlich mehr unterhalten.

Wie man einen Bären kocht! Von Mikael Niemi

Während der Lektüre eines Buches stelle ich mir oft die Frage, wie das Buch in meinem Blog beschrieben werden soll. Gemeint damit ist wohl, ob ich das Buch gut finde oder nicht. Ob ich es nochmals kaufen würde oder nicht. Oder ob ich es einem Freund oder meiner Frau empfehlen würde. Bei dem Buch von Mikael Niemi bin ich mir absolut nicht sicher. Auch nach der Lektüre nicht.

Ich stimme den Rezensionen der schwedischen Presse zu: "Der Roman entführt in eine vergangene Zeit (1852) und eine Welt, die ebenso brutal wie faszinierend ist" und "Niemi erschafft Bilder, Gerüche, Atmosphäre und Charaktere, die dieses Buch zu einem einmaligen Leseerlebnis machen". Aber trotzdem würde ich nicht wirklich rückwärts von Basel nach Bern wandern, müsste ich mich um das letzte, verbliebene Exemplar bewerben...

Niemi ist ein Erfolgsautor. Er hat zwar noch nicht viele Bücher geschrieben, aber dafür solche, die weltweit übersetzt wurden. Nun also präsentiert er ein Buch, welches eine Geschichte erzählt, die im 19. Jahrhundert irgendwo in Skandiavien spielt. Die Lebensumstände zu dieser Zeit in dieser Gegend sind ausgezeichnet beschrieben (man kann sie natürlich auch nicht mehr nachprüfen...). Interessant zu lesen, dass die Techniken der "Photografie" und der "Fingerabdrücke" bereits bekannt waren und die Teilnehmer an dieser Geschichte - die ansonsten noch primitivst lebten und tagelang nur Grütze assen und auf dem Boden schliefen - diese Techniken bereits einsetzen.

Und ja, man kann zeitweise die ausgezeichnet beschriebenen Lebensumstände im hohen Norden fast schon riechen. Und man ist voll dabei, wenn der Protagonist das erste Mal in seinem Leben ein Regal voller Bücher sieht.

Kurz gesagt: Die Geschichte - die an sich spannend ist - ist wundervoll dargelegt und der Autor ist ein wahrer Meister darin, die Lesenden mitzunehmen in eine alte Zeit mit Grütze und schlecht verheilenden Wunden.

Mich hat dieses Buch nicht in die Fangemeinde von Mikael Niemi integriert. Das ist aber - wie immer in diesem Blog - sehr subjektiv und ich bin sicher, dass es Menschen gibt, die auf solche Romane abfahren. Romane die in einer Zeit vor unserer passieren (das ginge ja noch) und in einer Welt, die uns - auch in der heutigen Zeit - eher fremd ist.

Mein Tipp: Das Buch hat 500 Seiten und kostet um die 20 Franken. Vielleicht leihen Sie es sich zuerst mal aus. Sie kennen ja meine e-mail-Adresse...

Serie: Jan de Fries - von Dirk Trost

Die ersten Bücher von Dirk Trost mit seinem Greetsiler Ermittler Rechtsanwalt Jan de Fries sind spannend, unterhaltsam und führen die Leserschaft mit einem tollen Erzählstil in die ostfriesische Lebensart. "Moin, moin" und "Tee mit Klontjes und Sahne" und spannende, originelle Fälle zeichnen die ersten Bücher aus (oder in meinem Falle: Hörbücher, gelesen von Jürgen Holdorf).

Nun liegt bereits der achte Fall vor Jan de Fries und er ist - enttäuschend. Wenigstens für mich.

Die Geschichte ist dermassen konstruiert, dass man sich vorstellen kann, wie der Autor Bleistift kauend vor seinem Tee sass und sich überlegte, wie und zu welchem Thema sein Protagonist Jan de Fries wieder in Aktion treten könnte.

Das Resultat ist eine Geschichte über Immobilien-Handel, was eigentlich noch realistisch sein könnte. Da aber Jan de Fries in den letzten Werken immer zusammen mit seinem Hund Motte und seinen Freunden in Greetsiel arbeitet und genau das die Besonderheit der Bücher geworden ist, müssen diese Figuren auch im neuen Buch vorkommen, logisch. Und da beginnt das Problem: Die Geschichte wird sehr kompliziert und wirkt dermassen konstruiert, dass einem ganz schwindlig wird. Es geht soweit, dass seitenlange Erklärungen nötig sind (Jan de Fries denkt sehr viel nach und das wird akkurat beschrieben) um die Geschichte vorwärts zu bringen. Und vorwärts gehts sowieso nur im ostfriesischen Tempo, also langsam und zäh.

Dass der Autor dann einen Mörder mit einem Samurai-Schwert installiert, welcher seine Opfer reihenweise köpft (nachdem er an sich an einer Herde Hochlandrinder aufgewärmt hatte) und ein Opfer dadurch gemeuchelt wird, weil es einem Kampfhund zum Essen serviert wurde, macht die Geschichte nicht besser, sondern unglaubwürdiger und lächerlich. Auch darf de Fries seinen legendären VW-Käfer nicht mehr fahren sondern muss - sehr unpassend zu seiner Figur - mit einem Porsche rumkurven. Und wer genau liest oder hinhört, entdeckt sogar einen kapitalen Dramaturgie-Fehler in der Geschichte.

Ich denke es wäre an der Zeit, Jan de Fries auswandern zu lassen. Vielleicht kann ja sein Hund Motte die Hauptrolle übernehmen. Das wäre sicher origineller.

Wölfe von Philipp Probst

Ein Krimiautor (oder eine Krimiautorin) beschreibt ein Verbrechen und führt die Lesenden dann - mehr oder weniger kreativ, spannend und schnell - zur Auflösung. Wenn ein Autor aber einen Roman schreibt, welcher ohne Verbrechen auskommen soll, dann braucht es eine Geschichte, die den Leser oder die Leserin fesselt und dazu bringt, das Buch immer wieder zur Hand zu nehmen um zu erfahren, wie die Geschichte nun weiter geht. Bref: Der Autor muss eine Geschichte ausdenken, die logisch, spannend, attraktiv und vielleicht auch schön ist. Ich halte das für sehr schwierig. Weil ich schon so viel Geschichten gelesen habe, bei welchen ich sehr schnell eingeschlafen wäre, hätte sie mir meine Mutter am Bett vorgelesen. Die Fortsetzung der "Reporterin"-Reihe von Philipp Probst gehört nicht dazu.

Das Buch baut auf einem anspruchsvollen und realistischen Familienleben einer jungen Frau auf, die von allerlei Irrungen und Geschichten des täglichen Lebens auf Trab gehalten wird. Die Lesenden sind mit von der Partie, wenn sich die Protagonistin in ihren Beruf stürzt, eingeschneit wird, recherchiert, fotografiert und sich dann auch noch verliebt. Sie will ein - nein mehrere - Rätsel lösen und trifft auf verschiedenste Hürden, Familienmitglieder eingeschlossen.

Die Geschichte ist schön geschrieben, passt ineinander, hat Tempo und scheint aussergwöhnlich gut recherchiert. Der Autor scheint ein begeisterter, schwedischer, tierfreundlicher und psychologisch vorgebildeter Trämmler oder Hoteldirektor zu sein, der sich in Engelberg und mit Frauen auskennt! Alle diese Themen werden authentisch beschrieben und ausgeführt.

Philipp Probst ist Fahrer bei den öffentlichen Verkehrsbetrieben in Basel. Seine Autorentätigkeit aber scheint nicht einfach nur ein Hobby zu sein. Seine Website ( https://www.philipp-probst.ch/ ) zeigt seine Leidenschaft für das Schreiben und für das Geschichten erzählen. Vielleicht ist die Reihenfolgen in der Bezeichnung "Philipp Probst, Autor und Chauffeur" bezeichnend...

Das Buch kann ich mit gutem Gewissen empfehlen. Allerdings sollte man vorher den ersten Band der "Reporterin" (Alpsegen) gelesen haben.

SOKO Heidefieber von Gerhard Henschel

Kennen Sie die Filme von "Johnny English" - eine Filmreihe mit Rowan Atkinson (Mr. Bean), welche die James Bond-Filme parodiert und ins Lächerliche zieht?

Genau so ist die "SOKO Heidefieber"-Geschichte! Eine groteske und ziemlich witzige Abrechnung mit den "Regionalkrimis" und deren AutorInnen. Der Inhalt dieses - ein erstes Wortspiel - Überregionalkrimis: Ein Serienmörder meuchelt im Tagestakt Autoren (und eine -in) von Regionalkrimis in ganz Deutschland ab und zwar so, wie ihre Titelhelden selbst ermordet wurden. Daraus spinnt sich eine Geschichte mit einem schrägen Ermittlungspaar und zahlreichen augenzwinkernden Seitenhiebe auf das Genre "Regionalkrimis" z.B. auf die Titel der jeweils im Fokus stehenden Bücher: Sie sind an Skurrilität kaum mehr zu überbieten. Oder die ausgewählten Mordmuster, wie z.B.. das Abschiessen einer Gondel mit einer Flak-Waffe oder das Aussetzen des Opfers auf einer Nordsee-Insel mit drei hungrigen Wölfen.

Dazwischen liest man die eigene Geschichte eines deutschen Bürgers, der mal eben nach Griechenland entführt, eingekerkert, gefühlte 100 Kämpfe ausstehen muss, bevor er dann (nachdem er von einem Tornado in die Lüfte gesogen wird), in einer Duschkabine eines Campers versteckt von Albanien nach Vilshofen in Bayern gekarrt wurde. Wer hier nicht ins Lachen gerät...

Auch das Finale in Berlin, wo sich alle Handlungsstränge wieder treffen, ist an Dramatik und Klamauk kaum mehr zu überbieten.

Gerhard Henschel ist ein sehr emsiger Autor von Romanen und Kriminalromanen. Ich kenne seine Werke nicht. Aber das vorliegende Buch - welches ich als Hörbuch konsumiert und dabei die Lesung mit den verschiedensten, regionalen Dialekten von Matthias Hinz grossartig genossen habe - ist so witzig und skurril, dass ich mich gerne mal mit seinen Werken befassen würde.

Ich empfehle diese Buch allen, die im Moment genug vom Nahen Osten, Corona, Klimawandel oder sonstigen schweren Themen haben.

Der Hotelinspektor auf Mallorca von Henry Sutton

Damit wir uns grad richtig verstehen: Das vorliegende Buch ist - meiner Meinung nach - ein gutes Buch. Schön geschrieben, realistisch, lehrreich (Blick hinter die Kulissen eines 5-Sterne-Schuppens in Mallorca und Begleitung eines Hotelinspektors mit seiner Checkliste). Zudem ist das Buch sehr nachhaltig produziert (die Schutzhülle ist kompostierbar und es würde mich nicht wundern, wenn die Seiten nach dem Lesen gegessen werden könnten...). Das Buch ist schön gemacht (rote Seitenränder, Kartoncover und tolles Papier). Bref: Das Handwerk ist tadellos.

Auf dem Deckel meines Exemplarer (ja, ich lese noch analog!) klebt ein Hinweis, dass dies ein "leichter Sommerkrimi" sei. Und ja, ein schwerer oder schwieriger ist es bei weitem nicht. Vielleicht liegt es daran, dass es ein bei mir ein paar verschiffte Tage in einem Dreisternhotel am Bielersee waren, anstatt am sonnigen Sandstrand in Mallorca.

Der Plot ist harmlos, die Geschichte tröpfelt vor sich hin, die Spannung blitzt nur ab und zu durch und - naja - fesselnd ist anders. Ich denke, es ist ein Buch für eine Zugsreise, wo man ab und zu durchs Fenster schauen will und dann nicht gleich die letzten 10 Zeilen nochmals lesen muss, um wieder in die Geschichte zu kommen.

Wenn Sie das Buch geschenkt bekommen, weil Sie 10 andere bar bezahlt haben - dann nehmen Sie es. Sonst können Sie es auch ungeniert liegen lassen. So richtig viel verpassen Sie nicht.

Der Fall des Präsidenten von Marc Elsberg

Das Buch ist wie ein etwas exotischeres Gericht vor allem eins: Geschmacksache.

Die Hauptzutat: Ein ehemaliger US-Präsident (starke Ähnlichkeit mit Trump) wird wegen Kriegsverbrechen in Griechenland inhaftiert und soll vom amtierenden "schwachen Präsidenten im Wahlkampf" rausgehauen werden. Die Gewürze: Ein paar Liebesgeschichten, eine Whistleblower-Aktivität, eine Posse vor einem griechischen Gericht mit viel Erpressung und Beeinflussung durch Politik und Presse und den Kampf um gute Quoten im Wahlkampf.

Dieses Buch ist sehr spannend geschrieben. Es liest sich wie eine CNN-Nachrichten-Sendung mit "Breaking News"-Charakter. Die Geschichte ist rasend schnell geschrieben. Man verweilt kaum länger als 2 - 3 Seiten an einem Ort bzw. in einem Strang. Es gibt eine übersichtliche Anzahl Stränge und alle zerren aneinander.

Ich bin mir nicht sicher, ob eine solche Geschichte in der heutigen Zeit so geschehen könnte. Aber man fühlt sich weit weg von Fiktion und wäre nicht überrascht, wenn dies tatsächlich so geschehen würde.

Das Buch hat mich in seinen Bann gezogen. Aber ich kann das - ehrlicherweise - nicht verallgemeinern. Man muss Geschichten um das Weisse Haus und um den Präsidenten mögen. Man muss ein Fan von Doku-Storys und ein bisschen voyeuristisch veranlagt sein: Dabei sein, wenn Präsidenten tagen oder fliegen, wenn Geheimdienste operieren oder wenn Gerichte sprechen - das sollte einem gefallen.

Mir gefällt sowas.