Römerschatz. Von Rolf v. Siebenthal

Müsste man ein Kochrezept für einen anständigen Kriminalroman entwickeln, könnte ich mir folgendes vorstellen: Man nehme folgende Zutaten: 1. Ein authentischer Protagonist (m/w/d), der einerseits sympathisch, aber gerne auch etwas schräg ist. Dann 2. Ein gut recherchiertes Thema (inkl. Motiv), passend in unsere Zeit. 3. Ein paar Side-Storys, die zur Spannung beitragen und 4. eine Handlung, die tatsächlich auch so hätte passieren können. Diese Zutaten gut miteinander vermischen und zu einem schönen Krimi formen. Das ganze kann mit ein bisschen Lokalkolorit, Humor und Erotik gewürzt werden. Wenn das Buch fertig ist, dekoriert man es mit einem schönen, ansprechenden Cover und einem fesselnden Titel.

Rolf von Siebenthal, welcher sich durch seine Bücher, in welchen hohe Politiker/innen eine Rolle spielen, eine grosse Fangemeinschaft erschrieben hat, kann auf jeden Fall gemäss obigem Rezept ein Buch «kochen». Sein neuestes Werk – Römerschatz -  beinhaltet alle Zutaten, die es für einen tollen Regional-Krimi braucht. Er spielt in Basel und bei den Ausgrabungen in Augusta Raurica.

Schräg an der ganzen Sache ist, dass bei dieser Geschichte, wo es doch einige wenige Leichen gibt, die Polizei keine grosse Rolle spielt. Der Autor nimmt die Lesenden ins Privatleben eines «Gauners aus Überzeugung, eines ehrenhaften Diebes, der seine Einbrüche ohne Waffen und Gewalt plant» (Zitat Klappentext), mit! Und das gibt der ganzen Geschichte eine ziemlich schräge, humorvolle Note. Das Problem, welches der Protagonist hingegen zu lösen hat, betrifft einerseits ihn direkt und führt zu einer Geschichte über den Römerschatz in Augst. Und hier blitzt die Recherche-Arbeit des Autors durch: Augusta Raurica, die Römer, der Römerschatz, die römische Vergangenheit der Region – es kommt einem alles bekannt vor. Weil es existiert bzw. existiert hat.

Dieses Buch macht Freude. Vor allem auch weil der Autor – gemäss Quellen – «ausgebildeter Sprachlehrer und Texter» ist. Und das merkt man bei jedem Satz. Keine überflüssigen Wörter und ein perfekter Erzählstil.

Müsste man etwas kritisieren, dann vielleicht das: Das Buch kommt als Softcover daher und hat über 530 Seiten. Da fällt es leicht aus dem Leim – je nach Leseposition. Hier sind die E-Book-Reader/Innen im Vorteil….

Das Buch erachte ich als tolle Ferienlektüre. Weil es jetzt grad wieder 2 Monate dauert, bis die nächsten Schulferien anstehen, könnte man die Zeit nutzen, Augusta Raurica zu besuchen. Dann macht das Buch sicherlich noch mehr Spass.   

Horvath und die verschwundenen Schüler. Von Marc Hofmann

Mal was ganz anderes.

Ich muss zugeben: Die Aufmachung dieses Buches (Cover, Papierqualität) schien mir anfangs etwas billig und schon erwartet man auch eine entsprechende Story. Aber weit gefehlt. Die Geschichte des Lehrers Horvath, der mit seiner Klasse eine "Klassenfahrt" unternehmen muss - die dann gehörig aus dem Ruder läuft - ist sehr gut.

Einerseits ist sie spannend, weil der Autor Hofmann sich eines Tricks bedient, den man aus vielen Kriminalromanen kennt: Das erste Kapitel - der "Prolog" - beschreibt eine Szene, die sich irgendwann in der Geschichte abspielt. Kapitel 2 beginnt dann aber von vorne und als Leser/in wartet man dann natürlich ständig auf diese Szene und wundert sich, wie die anfangs so harmlose Geschichte dann doch noch so aus dem Ruder laufen kann.

Zudem beschreibt der Autor - seines Zeichens natürlich auch Lehrperson - Charakteren und Typen seiner Schüler/innen so präzis und authentisch, dass man annehmen kann, er habe sie alle persönlich gekannt. Auch das Thema der Geschichte entpuppt sich, zumindest in der Grundfassung, als eine Abhandlung, die nur bei Jungen so vorkommen kann. Wirklich sehr gelungen.

Weil das aber alleine nicht genügt, würzt Hofmann seine Erzählung mit Rockern, Dieben, Mafia und dem schlechten Wetter im Schwarzwald und liefert so eine sehr unterhaltsame, leichte Geschichte ab. Sie ist nicht wirklich blutrünstig (er kommt ohne Leichen aus, dafür mit viel Krach und abstrusen Aktionen) und ist für die Lektüre vor dem Schlafengehen sehr gut geeignet.

Man merkt auch, dass der Autor ein Multitalent ist. Lehrer, Autor, Musiker - die Kreativität schlägt sich in seinem Werk nieder. Wenn man dann doch etwas bemängeln müsste: Es nervt gewaltig, wenn praktisch in jedem Kapitel eine Referenz auf Horvaths erste Ermittlung - also das erste Buch der Reihe - gemacht wird. Irgendwann bekommt man das Gefühl, der Autor will mich damit bestrafen, dass ich das erste Buch nicht gelesen habe. Nun, ich werde es nicht machen (weil ich durch die Verweise die Highlights der ersten Folge ja nun kenne...). Aber ich freue mich, wenn es einen nächsten Horvath-Band gibt. Den kaufe ich. Versprochen.

Gerne empfehle ich Autor und Buch...

Müll. Von Wolf Haas

von Roger Thiriet

Im Gegensatz zum Chef-Checker bin ich kein Fan von Hörbüchern. In Ruhestellung schlafe ich darüber ein, beim Hundespaziergang muss ich mich auf das Tier konzentrieren und auf den paar Kilometern, die noch an einem Steuer sitze, komme ich kaum über das Inhaltsverzeichnis hinaus. Nach einer Augen-Operation vor ein paar Jahren blieb mir als Buchsüchtigem aber nichts anderes übrig. Und interessant: Bei «Brennerova» blieb ich damals hellwach, nicht zuletzt deshalb, weil die Erzählerstimme vom Autor Wolf Haas persönlich eingesprochen wird. Ein auditiver Genuss der Sonderklasse, und der postoperative Tränenfluss mischte sich mit einer Sturzflut von Lachtränen. 

Trotzdem begegnete ich dem neuen Brenner – es ist der neunte – mit dem lakonischen Titel «Müll» wieder auf dem eBook-Reader. Der Ex-Polizist hat in dieser Geschichte den Staatsdienst quittiert, ist zu allem Elend noch obdachlos geworden und arbeitet auf einer Wiener Mülldeponie. Dort sammeln er und seine Kollegen eines Tages in den verschiedenen Abfallcontainern so viele Leichenteile zusammen, dass sich daraus am Schluss ohne Problem ein ganzer Mensch zusammensetzen lässt. Weder der Mörder noch das Mordmotiv stellen sich als das heraus, was die unfähigen Ex-Kollegen von Brenner vermuten. Es braucht natürlich wieder den Brenner, der die verdächtigte Mörderin entlastet und mit den haarsträubendsten Methoden – eine halsbrecherische Verfolgungsjagd mit einem Altglas-Sammel-LKW über die österreichisch-deutsche Grenze ist noch lange nicht die lustigste – den eigentlich Täter zur Strecke bringt respektive aus einem bayrischen See fischt. Dass der bizarre Plot in der Unterwelt illegalen Organhandels aufgelöst wird, ist – wie alles beim Brenner – nur folgerichtig.

Auch wenn der unvergleichlich naiv-lakonische Wolf-Speak – «Aber interessant …», «… frage nicht …» nicht von der dröseligen Erzählerstimme des Autor hingenäselt wird: Die Story hält einen bei der Stange und weit über das geplante Lichterlöschen hinaus wach.

Kant und der sechste Winter. Von Marcel Häussler

Das ist fast peinlich und gehört sich nicht. Und ich bitte Autor, Verlag und wen auch immer dafür um Entschuldigung.

Das vorliegende Buch war für mich eine Premièrenbuch: Ich kannte weder Protagonisten Kant und seine Bücherreihe (sind ja auch erst zwei) und auch nicht den durchaus arbeitsamen Autoren Marcel Häussler (grossartiger Übersetzer und auch Drehbuchschreiber).

So las ich das Buch und ich erinnere mich: Es war angenehm spannend, ich habe mich über nichts geärgert und ich fand auch keine Bleistiftnotizen von mir auf irgendwelchen Seiten (die bringe ich an, wenn ich in der Rezension etwas unbedingt erwähnen will!). Ich fand auch das Cover schön, die Sprache, die Authenzität und die Dialoge. Alles plaetti.

Nur: Die Zeit zwischen Lektüre und Eintrag in den Blog - es waren ca. 5 Wochen - waren offenbar zu lang. Als ich den Titel hervorholte und anschaute um mir in Erinnerung zu rufen, was in dieser Geschichte passierte: Nix! - Gut, vielleicht hat das mit meinem Alter zu tun... Aber dennoch: Normalerweise schaue ich auf ein Cover und sogleich rattert mir die ganze Geschichte wieder runter und sofort weiss ich, was an diesem Buch besonders erwähnenswert ist. Doch Kant liess mich im Regen stehen. Ich musste Klappentext und Rückseite zu Hilfe nehmen, bis der Film über dieses Buch ablief. Und dann - nach ein paar viel zu langen Minuten - wusste ich wieder, um was es geht.

Das bedeutet für mich zwei Dinge: 1. Das Buch ist gut. Oder in jedem Fall nicht schlecht. Es hat mein Lesebedürfnis befriedigt und gut ist's. 2. Ich würde es nicht weiter empfehlen. Aber nicht, weil es schlecht ist. Sondern weil es einfach dahin plätschert und jetzt weder negative noch positive Vibrations in mir lostreten würde. Ich habe 23 Franken dafür bezahlt. Sie reuen mich nicht. Aber ich würde sie auch nie ausgeben, wüsste ich im voraus, wofür.

Kennen Sie dieses Gefühl?

Im "Baseldytsch" gibt es einen Ausdruck für dieses Buch: "Es isch ganz nätt...!"

Am Ende des Fadens. Von Andrea Camilleri

Vielleicht muss man es eben einfach zugeben: Ein Krimi von Camilleri mit seinem "Commissario Montalbano" wird - ähnlich wie viele ander, zum Teil auch italienische Beispiele - zur Gewohnheit: Montalbano grummelt, Montalbano isst permanent und zwar das vorgekochte Essen seiner Haushälterin oder jenes in seiner ewig gleichen Lieblingskneipe. Montalbano spricht nach dem Essen mit dem Krebs auf dem Felsen. Montalbano zickt sich mit seiner Verlobten und versöhnt sich stante pede wieder und Montalbano kämpft um Fassung auf seinem Polizeiposten mit dem Empfangssoldaten Catarella, der seinen Besuch mit Sicherheit falsch ankündigt und eine sonderliche Sprache spricht.

Ja also die erwähnten Krimis, es sind mittlerweile gegen 30, sind eigentlich immer mit den selben Zutaten gewürzt. Genau die jene von Commissario Brunetti, der auch schon lange in Rente gehört und doch jedes Jahr wieder von neuem ermittelt. Mit seiner Frau, seinem Assistenten, seinem Chef und seinem Venedig..

Also. Warum genau lese ich sie doch immer wieder?

Die Erklärung liegt ähnlich, wie bei jener, warum man eigentlich seit vielen Jahren zwischen Weihnachten und Neujahr ins selbe Dorf, ins selbe Hotel und sogar ins selbe Hotelzimmer zieht - wenn die Welt doch so gross ist? Antwort: Es ist ein Heimkommen! Ich muss niemandem nichts erklären, es sind erholsame Tage von der ersten Minute an, weil ich genau weiss, wo was liegt und wann ich wen zum Apéro treffe.

Bei diesen Büchern ist es genau gleich: Vom ersten Buchstaben an kenne ich die Protagonisten, die Kneipen, das Essen, die Vorlieben und einfach alles. Man kann sich locker auf das "Verbrechen" konzentrieren und ein bisschen raten, wie die Sache gelöst wird.

Und: Es ist absolut grossartig, wie authentisch, spannend und trotzallem sehr aktuell die Themen in diesen Büchern sind. Der Autor ist 2019 in seinem 95igsten Lebensjahr verstorben und der vorliegende "Montalbano" dürfte der letzte sein.

Es ist - in meinem Augen - ein grosser Verlust. Wenn "Brunetti" ein Feingeist ist, der mit seiner Frau beim Mittagessen über Literaten und Leichen philosophiert, dann ist Montalbano ein Bauer, der zuerst essen muss bevor es denkt. Und dieser liebenswerte Rüppelschugger aus Italien wird fehlen...

5 % Rache an Zürich. Von Matthias Merdan

Meine Absicht ist es ja für onlinereports.ch Bücher zu checken, die in irgendeiner Weise mit Basel zu tun haben. Beim aktuellen Check ist mir das nicht gelungen. Im Gegenteil: Der Kriminalroman von Matthias Merdan heisst «5 % - Rache an Zürich» und spielt auch dort. Zumindest wird er von einem Basler Haus verlegt: reinhardt verlag. Und dieser Verlag täte gut daran, den Autoren Merdan so zu chüderlen, dass dieser sein nächstes Buch bald verlegt.

«5 %  Rache an Zürich» ist ein relativ kleines Buch mit einem doppelsinnigen Titel (Ist «5 %» der Titel und «Rache an Zürich» der Untertitel – oder sind es 5 % der noch unbekannten Rache an Zürich?).  292 kleine Seiten im Taschenbuchformat. Aber diese haben es in sich. Da ist einerseits der Plot der Geschichte. Dieser ist – scheinbar -  so einfach, dass er einem fast nicht in den Sinn kommt. Dem Autor ist aber genau das passiert und er schmückt andererseits diesen einfachen Plot dermassen geschickt und erzählerisch brillant aus, dass eine grossartige Spannung aufkommt. Zudem überzieht der Autor sein ganzes Buch mit einem dünnen, stets präsenten Film von feinem, satirischen Humor. Herrlich.   

Die Protagonistin (sie geht auf die Hauptwache der Zürcher Kantonspolizei und zeigt sich selbst an, weil sie angeblich 6 schmutzige Bomben in Zürich versteckt hat und diese alle 24 Stunden zündet, sofern sie nicht 1 Milliarde Franken dafür bekommt) ist an sich schon eine recht komplizierte Person. Matthias Merdan benützt dann auch ein paar Dutzend Seiten, um uns Lesenden die Dame näher zu bringen. Als ehemalige linksautonome Pflastersteinwerferin und heutige Spitzenbankerin hat sie eine sehr spannende Vita, welche  der Autor sehr authentisch erzählt (man könnte meinen, er hätte selbst einmal…). So wird dieses traurige Stück Zürich traurig und lesenswert.

Neben dem unfassbaren Verbrechen, welches sich ankündigt, erfahren wir viel über die Grenzen der verschiedenen menschlichen Denkmuster, anhand von BundesrätInnen, Polizeidirektoren, Manager der grössten Schweizer Firmen, die sich mit der Beschaffung der Milliarde beschäftigen müssen.

Natürlich kommt dann irgendwann eine Wendung in der Geschichte, unerwartet und grossartig gesetzt. Aber auch diese wird erklärt und irgendwann sass ich in meinem Sessel und fand, dass mich dieses Buch sehr gut unterhalten hat und auch eine Spannung aufbauen kann, die man einem solchen Taschenbuch gar nicht zutraut.

Ich hoffe, dass der Reinhard Verlag gute Arbeit leistet und den Matthias Merdan für ein paar nächste Werke motivieren kann. Ich wäre bereit. Auch wenns halt wieder in Zürich spielt…

1966 - Ein neuer Fall für Thomas Engel. Von Thomas Christos.

Den Titel hatten wir schon mal. Fast: In seinem ersten Buch mit dem Ermittler Thomas Engel gelang Thomas Christos ein toller, historischer Kriminalroman. Er nannte ihn 1965 – nach dem Jahr des Geschehens.

Nur ist also die Fortsetzung da: 1966. Über Autor, Motivation und Gefühl für diese Art Romane habe ich mich bereits beim Vorgänger ausgelassen und es ändert sich daran nichts. 1965. Der erste Fall für Thomas Engel. Von Thomas Christos

Der Roman spielt – wie der Titel es vorgibt – in 1966 und zwar in Berlin, der frisch geteilten Stadt, die unter dem Einfluss der Alliierten steht und mit einer hässlichen Mauer versehen ist.

Die Geschichte spielt so, dass wir en passant viel über diese Zeit lernen. Über das Benehmen der Alliierten «Verwaltungen» - die sollten sich heute dafür schämen – über das Leben mit der Mauer und dem Checkpoint Charlie und über die Studentenunruhen, ausgelöst vom Vietnamkrieg, der von den in Berlin sehr anwesenden Amerikanern betrieben wurde.

Es ist ein tolles Buch. Auch sehr entspannend, weil von der ganzen digitalen Welt (Computer, Handys, Social Media etc.) noch nichts lebens- bzw. alltagsbestimmend war.

Die Geschichte ist gut und spannend, weil sie eben noch andere Elemente als nur das Verbrechen an sich aufzeigt.

Gerne empfehle ich dieses Buch. Eine Vorlektüre von 1965 ist nicht notwendig. Man lernt den ehrgeizigen Kommissar und seine Freundin rasch kennen und der Autor ist so nett und nimmt nicht alle zwei Seiten Bezug auf das Vorgängerbuch. Ich – für meinen Teil – freue mich auf «1967». Das kommt irgendwann. Thomas Christos, der bekanntlich gar nicht so heisst,  hat es in seinem hochinteressanten, kurzen Nachwort versprochen

Die unhöfliche Tote (Die Queen ermittelt). Von S.J. Bennett

Ich hätte es besser wissen müssen.

Beim ersten Buch der Reihe "Die Queen ermittelt" habe ich zugegeben, dass ich solche voyeuristischen Bücher liebe, bei welchem man exklusiv hinter die Kulissen der Macht schauen könne. Und deswegen habe ich das Buch "Der Windsor Komplott" auch gut gefunden (https://www.buechercheck.com/2021/04/11/das-windsor-komplott-von-sj-bennett/).

Freudig habe ich das dazumal schon angekündigte zweite Buch der Reihe gekauft und muss sagen, nachdem keine neuen Fakten über das Leben der Queen enthüllt werden (irgendwann weiss man, was sie zum Frühstück isst...), verliert das Buch rasch an Glanz. Der Fall spielt sich im Palast ab (natürlich, weil die Queen ja nicht rumreist um Fälle zu lösen) und damit innerhalb der Belegschaft des Buckingham Palastes. Und die Geschichte ist dermassen kompliziert und verschachtelt, dass man fast mit einem Notizbuch lesen muss, wenn man all den Namen und Funktionen innerhalb der Riesenfirma "Buckingham Palace" folgen will. Die Geschichte ist eher langfädig und hat wenig Spannung. Man lernt viel über das Gebäude "Buckingham Palace" - weiss aber letztlich nicht, wie authentisch das Beschriebene ist, da die Autorin im Kapitel "Dank" klar schreibt, dass sie eigentlich alles erfunden hat.

Weil die Queen rein altersmässig und auch "ex officio" jetzt nicht mit Waffe und Lupe rumrennen kann um Fälle zu lösen (sie muss ja ihre königlichen Pflichten nebenbei erfüllen), setzt die Autorin ihre schwarze Privatsekretärin ein. Die ist zwar ziemlich tough und macht ihren Job (auch als Hilfsermittlerin) gut. Aber das Duo ist nicht gerade dafür prädestiniert, dass es innerhalb der Palastmauern zu viel Action kommt.

Noch habe ich das Buch nicht gelangweilt weggelegt, weil, eben, meine Vorliebe für das "Hinter-die-Kulissen"-Spienzeln noch immer da ist. Aber im nächsten Band muss die Queen, falls sie denn noch ein drittes Abenteuer erlebt, etwas an Drive zulegen. Sonst lese ich dann lieber die Biografie von unserer Hauskatze. Das verspricht mehr Action.

Mein Tipp: Leihen Sie sich das Buch höchstens aus und warten Sie auf die nächste Ermittlungsnummer aus dem Palast.

Chienbäse. Von Ina Haller.

Ich habe das irgend bei einer Schulung so erlernt: Bei einer Manöverkritik (es war wohl im Militär...) zuerst drei positive Punkte. Dann die Kritik. Na, dann wollen wir uns daran halten...

Der "Chienbäse" ist so ungefähr der zehnte Regionalkrimi von Ina Haller und ich wollte einfach gerne mal wissen, weshalb die Schweizer Krimiautorin so erfolgreich ist. Also: her mit dem neuesten Buch! Zumal es sich - so verspricht der Titel - um ein Buch im Liestaler Fasnachtsumfeld handeln soll.

Zugegeben: Da hat es viel literarisches Fleisch am Knochen! Einerseits stimmt bei Ina Haller die Sprache: Sie ist relativ schnörkellos, klar verständlich und hat eine hohe Qualität (kommt vielleicht von der deutschen Abstammung der Autorin). Die Geschichte in dem Buch "Chienbäse" hat einiges an Spannung zu bieten und kommt - durch vielerlei Tötungsdelikte und Anschläge - in einem ziemlichen Tempo vorwärts. Und die Dialoge in dem Buch sind nicht zu üppig, also lesbar und authentisch. Auch fehlen - gottlob - die Versuche, einer Kuh das Geigenspielen beizubringen. Ich will damit sagen: Die Autorin verzichtet darauf, den Lesenden die Liestaler Fasnacht so nebenbei noch zu erklären (Die Fasnacht kommt, mit Ausnahme des Chienbäse-Umzugs, gar nicht vor...). Dafür sei ihr gedankt. Und das waren jetzt drei positive Punkte...

Ich hatte dennoch riesige Mühe mit dem Buch bzw. mit der Geschichte. Und das liegt vor allem an der Protagonistin. Die temporär arbeitslose Samantha Kälin wird zur Ermittelnden, weil sie halt zufällig in alle Todesfälle und Anschläge verwickelt ist und es letztlich ihren Freund betrifft. Samantha ist aber mitnichten eine Draufgängerin oder eine Frau, deren man solche privaten Ermittlungen zutraut oder - wenn sie in einem Krimi beschrieben werden - glaubt! Das sieht man vor allem an den unzähligen Fragen, die sie sich permanent stellt, auf jeder Seite, in jeder Situation und vor jeder Aktion (Ich habe jetzt zufällig zwei Seiten - 134 & 135 - aufgeschlagen und gezählt: 13 Fragen selbstzweiflerische Fragen, wie z.B. Bedeutet das, die Vorfälle hingen zusammen? Warum hatte es jemand auf ... abgesehen? Würde das heissen....? Warum musste dies alles jetzt passieren...? War es ein Zufall? etc.). Warum müssen die Lesenden über jeden zweifelnden Gedanken von Samantha informiert sein? Um ihre - teilweise - sinnlosen Alleingänge zu erklären? Damit wir uns richtig verstehen: Den Typus "Samantha" gibt es sicher und ist hier sehr gut beschrieben! Aber, dass eine solche Figur sich in die Ermittlungen einer nicht ganz unkomplexen Geschichte einschaltet, das ist mit Verlaub nicht annähernd realistisch. Dann schon lieber "exotische Überzeichnungen" wie z.B. eine Bestatterin. Oder eine lesbische Privatdetektivin. Oder eine saufende Witwe...

Diese Fragezeichen-Orgien (Was übersah sie?) haben mein Lesevergnügen sehr beeinträchtigt (Warum hat der Täter...? Zufall?)! Wenn man dann allerdings den Schluss des Buches liest, wo die Autorin sechs volle Seiten Erklärungen und Begründungen zur Auflösung der Geschichte benötigt, dann wird das eine oder andere Fragezeichen verständlich. Vor allem bei mir.

Eigentlich schade. Die Grundzutaten für einen "Regionalkrimi" sind vorhanden. Ich kann mich einfach mit der Protagonistin und ihrer kriminalistischen Fähigkeiten nicht anfreunden. Aber das liegt mit Sicherheit an mir (oder wie es Samantha ausdrücken würde: "Liegt das an mir?"). Da die Autorin, nicht nur im Buch, sondern auch auf ihrer Website https://inahaller.ch/ geschichtsrelevante Rezepte abdruckt, werde ich mir heute zum Znacht eine "Liestaler Käsewähe" backen. Schaffe ich das?

Die Mumie von Basel. Von René Schurtenberger

Ausgangslage: "Die Mumie von Basel" ist ein "Kriminalroman mit historischem Hintergrund" und Nummer 4 in einer Reihe mit demselben Portagonisten - einer Mischung von Indiana Jones und Dan Browns Robert Langdon (drum heisst er wahrscheinlich auch Robert Langer). Das Werk (ja, man sollte es Werk und nicht einfach nur "Buch" nennen) hat 416 Seiten und diese sind knallvoll mit sehr, sehr viel Stoff.

Einerseits erzählt der Autor Schurtenberger (ein angenehm unauffälliger Mann aus Basel) mit Hingabe und recht realistisch eine Geschichte. In diesem Falle eine Kombination von einer Tauchexpedition, einem Fund eines Amuletts, einer Herkunftsabklärung, einer Verschwörung, einer Flucht, einer Ausgrabung, einer Aufklärung und einer vollendeten Liebesgeschichte. Im Mittelpunkt stehen der bereits erwähnte Professor Robert Langer und seine grad nicht Verlobte Sophie. Diese beiden brettern durch die Weltgeschichte, jagen Hinweisen und Thesen nach, um letztlich in Basel irgendwo den Spaten anzusetzen. Indiana Jones ist ein Sandmännchen dagegen.

Diese Geschichte nutzt der Autor nun dazu, seine wirklich umfassenden Rechercheresultate, die tief in die ägyptische Geschichte reichen (und - vielleicht etwas zu konstruiert - plötzlich im Haus zum Kirschgarten in Basel landen), zu transportieren. Recherchen, wo man als lesende Person nicht sicher sein kann, ob das jetzt wirklicher, historischer Hintergrund oder einfach nur die Fantasie des Autors ist. Doch das ist eigentlich völlig egal! Denn hier spielt Schurtenbergers Musik: Was der Autor in seinem Buch an Geschichte erzählt (immer schön eingepackt in die Story um Robert L. und seinem Gschpusi), ist unglaublich kompakt und schwer beladen mit Fakten und Zahlen, die viel mit der Geschichte zu tun haben und diese dann auch weiterziehen. Wenn auch mit viel Kraftaufwand.

Wenn man dem Buch einen Makel anhängen müsste, dann der, dass es auf einigen Seiten etwas zu viele Fakten und historische Zusammenhänge hat, die man für die Geschichte an sich nicht nötig hat und die sich in tausend Zweige verästeln. Deshalb braucht es dann auch Tricks wie z.B. der mehrmalige Fund eines Tagebuches, um all die Zusammenhänge wieder ins Lot zu stellen. Und das braucht für die Leser/innen Geduld. Etwas Nerven braucht auch die permanente Bestrafung des Autors, falls man die drei vorher erschienenen Langdon - pardon - Langer-Bücher nicht gelesen hat. Sie erfolgt durch stetige Bezüge auf eben diese Geschichten und das nervt ab und zu ein bisschen. Und zu guter Letzt ist der obenerwähnte Bezug zu Schurtenbergers Heimatstadt Basel etwas sehr konstruiert.

Aber - nochmals: Das Buch ist eine coole Geschichtsstunde. Ich würde das auf den Lehrplan für Ägyptologiestudierende setzen. Gratulation an den ILV-Verlag. Das ist nicht einfach ein "Büchlein" eines schreibwütigen Journalisten. Hier brauchte es viel Arbeit. Aber - es hat sich - zumindest für die Langer-Fans - sicherlich gelohnt.