Revenge. Von Camilla Läckberg.

Die in Fällbacka geborene schwedische Krimiautorin war nach ihrem Studium eine Betriebswissenschaftlerin. Dann wurde sie schwanger und beschloss, ein Buch zu schreiben. Seitdem sind knapp 20 Bücher von ihr erschienen (plus eine Anzahl Kinder- und Kochbücher) und heute lebt sie davon.

So einfach geht das!

Camilla hat  ihre Bücherkarriere mit der teilweise biografisch angehauchten Protagonistin Erica Falck begonnen. Beide stammen aus Fällbacka (SE), beide sind Schriftstellerinnen und ziehen Kinder gross. Die elf Erica Falck-Krimis wurden alles Bestseller (und teilweise auch Filmvorlagen), da der Schreibstil und die ganze Erzählkunst von Läckberg eine Art „skandinavisches Gütesiegel“ trägt.

Danach beschäftigte sich Läckberg mit der „Rache“ – insbesondere mit der Rache von Frauen. Die Geschichten in dieser Reihe sind genial konstruiert und es würde mich nicht wundern, wenn die eine oder andere Leserin … aber das ist reine Spekulation.

Das bisher neueste Buch in der „Rache-Reihe“ heisst dann auch: Revenge  (Rache) und handelt von einer supererfolgreichen, Unternehmerin, die sich eine Sisterhood aufbaut, aber trotzdem durch die Umstände des Lebens plötzlich im Gefängnis landet. Ihr Leben hinter Gittern, ihre Pläne zur Rache an ihrem Vater (den sie hinter dem Gefängnisaufenthalt vermutet), die Durchführung dieser Pläne und ein furioses Finale sind der Inhalt dieses Buches.

Keine grossen Blutorgien. Keine irrwitzigen Plots über Verbrechen oder Schicksale. Eine einfache, gut geschriebene Geschichte, wo sich die Sympathie der Lesenden deutlich einer „Kriminellen“ zuwendet. Man wünscht sich,  dass die Rache glückt.

Das Buch ist sehr lesefreundlich geschrieben (oder dann halt auch sehr gut übersetzt). Ich bin sicher, dass sich dieses Buch nicht lange auf meinem Bücheranhänger hält und schon beim nächsten oder übernächsten Marktauftritt im September für wenig Geld weg geht. Wer sich das Buch ungebraucht leisten will, der zahlt un die 25 Franken. Auf dem Bücherwagen vom „Bücherchecker“ sind es max. 10 Franken…

Mordsmusik. Von Florian Blumer.

Wir haben es hier mit einem Basler Lokalkrimi zu tun. Geschrieben von einem Professor im Fach Wirtschaftskommunikation Deutsch. Ein Basler durch und durch, der in dieser seine Schul- und Unizeit erlebt hat und auch  hier in Basel gewohnt hat. Nun hat er seinen ersten Kriminalroman  - der „erste Fall für Kommissar Stalder“ – geschrieben.

Seine Marketing- und Verkaufsbemühungen für seinen Erstling sind bemerkenswert. Es wird eine Crowd-Funding-Aktion gestartet und in einem kleinen Filmchen wird erklärt, weshalb dieses Buch unbedingt erscheinen muss.  Als Belohnung für die Spende kann man sich den Autor nach Hause bestellen, wo er aus dem Buch vorlesen wird. Offenbar zieht das: Das Zahlungsziel wird locker übertroffen.

Zum Buch: Es gibt in diesem Buch zwei Geschichten. Die eine ist der Plot um den Mord an einem international bekannten Werbetexter aus Basel. Es wird erzählt, wie Kommissar Stalder, als frisch gebackener Vater aus dem Vaterschaftsurlaub geholt wird und sich mit einer neuen Assistentin um die Aufklärung des Falles kümmern muss. Er schafft es schliesslich und beeindruckt Chef, Kollegen und Assistentin gleichermassen.

Als „zweite Geschichte“ bezeichne ich das, was bei vielen Lokalkrimis erkennbar ist: Der Drang der Autoren, den Leserinnen und Lesern viel eigenes Wissen oder Beobachtungen zu vermitteln. So lesen wir diverse Lieder von Patent Ochsner.  Oder wir spazieren mit dem Kommissar durch die Stadt inkl. Angabe der Route und lernen nebenbei, dass es auf dem Leonardkirchplatz neben dem Brunnen eine Sonnenuhr steht, die gerade drei Uhr anzeigt (was nebenbei gesagt, gar nicht möglich ist, vorallem nicht im Mai…). Oder es wird beschrieben, wie sich zwei Frauen und ein Mann vor dem Erziehungsdepartements-Gebäude unterhalten. Dann erfahren wir gleich noch, wie der Kommissar (bzw. wohl der Autor) mit 16 Jahren konfirmiert worden ist und wie sich dazumal der Einzug in die Kirche gestaltet hat. Oft sind solche Nebenthemen hilfreich oder humorvoll oder dienen zur Auflockerung der Geschichte. Allzuviele davon sind aber Ablenkungen, die auch mal als „too much“ erscheinen, weil sie die Geschichte weder voran bringen noch Tempo verleihen.

Im „Nachwort“ erklärt der Autor die eine oder andere Abweichung und führt aus, weshalb sie notwendig ist.

Der „Erstling“ von Autor Florian Blumer mit seinem Kommissar Stalder reiht sich stilistisch hinter die Kommissär Ferrari-Bücher desselben Verlages ein und es würde mich nicht wundern, wenn die beiden sich demnächst über den Weg laufen.

Falls Sie nicht am Crowdfunding mitgemacht haben und sich mit einer Geschichte wohlfühlen, die sich während des ESC in Basel ereignet hat (im Buch ist es, aus juristischen Gründen,  der WSC…), dann kaufen Sie sich das Buch. Je nach Shop für 15 bis 22 Franken. Das ist ein angemessener Preis.

Bredouille. Von Martin Walker.

Wenn Sie genug haben vom Unbill des Alltags oder wenn Sie mal wieder schwelgen und vom Auswandern träumen wollen, dann greifen Sie zu einem der bisher achtzehn erschienenen Bände über "Bruno, Chef de Police" von Martin Walker. Sie werden sofort ein tiefenentspanntes Gefühl spüren. Auch wenn es ein Kriminalroman ist. Und auch wenn es - ab und zu - eine Leiche gibt (in diesem Band ist es eine Suizid-Leiche, deren Tod vor dem Beginn des Buches eingetreten ist, also keine Angst vor brutalen Szenen). Im äussersten Fall gibts eine Prügelei oder vielleicht - alle paar Bände mal - einen Schusswechsel. Und Bruno wird dann auch mal angeschossen. Aber irgendwie hat man immer das Gefühl, das muss so sein.

Ich hatte das Vergnügen den Autor Martin Walker persönlich zu erleben (an einer Lesung in Liestal/BL!). Er ist eigentlich ein Schotte, lebend in Washington, spricht aber gutes Deutsch und lebt sicherlich die Hälfte des Jahres im Périgord, wo sein Held Bruno lebt und arbeitet. Ein hoch sympathischer, bodenständiger Mensch, der am Schluss der Lesung und des Interviews ohne Verstärker und Mikrophon dem Publikum noch ein französisches Lied (aus dem Périgord) acapella vorgetragen hat.

Warum sind diese Bücher so entspannend? Nun, wie gesagt, der Plot des Krimis ist da und Walker erzählt ihn auch gut und mit etwas Spannung. Aber der allergrösste Teil des Buches befasst sich mit dem Leben von Bruno, der als Dorfpolizist den kleinen Kindergartenkinder über die Strasse hilft, der jeden Morgen mit seinem Hund joggt, der seine Hühner füttert und die Trüffel aus seinem Garten klaubt, der den Markt von St-Denis beaufsichtigt, den multikulturellen Rugby- und Tennisnachwuchs im Tal trainiert, der leidenschaftlich gerne und unglaublich einfach und gut kocht und diese Kunst fast jeden Abend bei einer andern - meist weiblichen - Gesellschaft anwendet. Ein Abendessen kann schon gerne mal zwei oder drei Seiten lang beschrieben werden: Von der Zubereitung der Omelette bis hin zur Produktion des Schnapses für den Digestif. Alles wird minutiös dargelegt. Zwischendurch wird dann noch - je nachdem wer zu Tisch sitzt - auch noch der Kriminalfall besprochen. Die Tischgäste sind Bewohner und Bewohnerinnen des Périgord, alle - ausser die Bösen - liebenswert und richtig französisch. Und: Natürlich gibt es längst mehrere Kochbücher mit all diesen Rezepten ("Brunos Kochbuch" und "Brunos Gartenkochbuch" - weil alles in seinem Garten wächst....), geschrieben von Julia Watson, der Gemahlin von Walker. Sie ist verantworlich dafür, dass in jedem Krimi von Bruno viel gekocht, gegesssen und genossen wird.

Natürlich nimmt uns Bruno - durch seine Ausritte - mit in die wunderschöne Gegend um Saint-Denis (welches fiktiv ist, aber Walkers Wohnort in Frankreich ziemlich nahe kommt) und lehrt uns nebenbei auch noch alles über den lokalen Wein.

Bref: Keine Zeile in diesem Buch ist verschwendet. Man bekommt so viel Informationen über diese liebliche Gegend, dass man sich wirklich beim Gedanken ertappen kann, ob man wohl mal ein Wochenende in die Gegend reisen soll. Da kann geholfen werden: Selbstverständlich gibt es einen Reiseführer: "Brunos Périgrod" von Martin Walker!

Gönnen Sie sich ruhig mal einen "Bruno"! In diesem Falle 370 kleine Diogenes-Seiten Wohlfühlen im Pérogord, angereichert mit einem Kriminalfall.

Der Feind in meiner Nähe. Von David Baldacci.

Nach der Lektüre von ein paar eher durchzogenen Büchern,  gelüstete es mich mal wieder,  einen rasanten Thriller zu lesen. Vielleicht einer, der noch etwas politisch angewürzt oder mit einer Prise Spionagenluft angereichert ist. So griff ich dann im Bücherladen-Regal zur Abteilung „B“ wie „Baldacci“ und griff nach dem Buch „Der Feind der Feinde“. Baldacci kann Thriller und er kann auch grosse Themen wie Spionage oder Kalter Krieg.

Und Baldacci enttäuschte meine Erwartungen nicht. Das dritte Buch der Reihe um Travis Devine ist in der vorliegenden Hardcover-Ausgabe vom Verlag Lübbe ein 500seitiges Lesevergnügen mit viel Spannung und Action. Natürlich auch vielen Leichen und Explosionen – aber wenn man das halt mal sucht und will, dann passt das.

Eines ist mir – als eigentlich harmoniebedürftiger Leser – sofort aufgefallen: Neben den Feindbildern, das sind meist böse Menschen die sterben müssen und auch werden, gibt es in dieser Geschichte auch eine kleine Anzahl „böse Menschen“, die viel Gefühl zeigen und die auch mal vergeben oder die Seiten wechseln können und zwar, weil sie plötzlich über andere Informationen verfügen. Oder weil sie nachdenken. Oder weil sie gar nicht so sind, wie wir als Lesende dies interpretiert haben. Das fand ich schon sehr spannend und es verleiht dem Plot eine Vielseitigkeit.

Travis Devine – ein Ex-Army-Ranger – sollte eigentlich ein strenger, zielstrebiger Agent einer amerikanischen Rechtsbehörde sein. Zu Beginn ist er das auch und wird sofort (schon auf dem Klappentext) mit dem Tode bedroht. Seine Aufgabe aber bringt ihn in die unmittelbare Nähe eines dreizehnjährigen, ungezogenen Mädchens. Und der Autor Baldacci zeigt, wie Devine von dieser Aufgabe «gefangen» genommen wird. Herrlich zu lesen.

Das Buch ist – wenn man solche Art Polit-Thriller mag – sehr rasant, spannend und gut und übersichtlich erzählt. Kaufempfehlung: Ja. Man muss den Baldacci-Style aber mögen. Die Vorkenntnisse von Band 1 und 2 der Travis Devine-Reihe ist nicht nötig.

Der Freund / Die Ehefrau. Von Freida McFadden

Ich wage das mal: Zwei Titel einer Autorin im selben Beitrag! - Wir wollen in diesem Blog ja nicht unbedingt die Inhalte der Bücher zusammenfassen. Oder die Geschichte bewerten und spoilern. Sondern wir wollen unser Empfinden für das Buch weitergeben. Und deshalb kann ich getrost die beiden kürzlichst ins Deutsche übersetzten Bücher von McFadden zusammenfassen. Denn sie bewegen sich in derselben Liga.

Sowohl Der Freund wie auch Die Ehefrau bauen auf derselben, hoch erfolgreichen Herangehensweise von Freida McFadden an ihre Geschichten, auf: Man beginnt zu lesen, versteht alles und legt sich im Kopf zurecht, wer in der Geschichte wohl welche Rolle spielt. Wahlweise entweder "ganz allmählich" oder "urplötzlich" ist man sich nicht mehr sicher, ob der "Freund" gut oder böse ist und ob "Die Ehefrau" eine Täterin oder das Opfer ist. McFadden versteht es meisterhaft, die Lesenden zu verunsichern. Oder auf die falsche Fährte zu führen um sie dann gleich wieder zurück zu holen. Im ersten Drittel des Buches - auch das ist bei allen derselbe Aufbau - wird eine einfache, logische und nachvollziehbare Geschichte erzählt. Mit dem klaren Ziel der Autorin, die Leser und Leserinnen in Sicherheit zu wiegen und sich im wohligen Verstehen der Geschichte zu lassen. Aber dann legt die Autorin los und streut Zweifel über Zweifel. Sie setzt Hinweise dazu, dass man sich möglicherweise täuscht und führt das weiter bis zum Schluss. Denn alle bisher gecheckten McFadden-Bücher haben eines gemeinsam: Es sind die letzten Seiten, die letzten Abschnitte oder gar Worte, welche die Geschichte definitv abschliessen.

Die ins Deutsche übersetzten Bücher von Freida McFadden erscheinen im Heyne Verlage, der sie grellfarbig mit eingefärbten Seitenkanten auf den Markt bringt. Das grüne (Die Ehefrau) und das blaue (Der Freund) sind eben erschieben und das violette (Die Psychiaterin) ist erscheint im Juli 2026. Wahrscheinlich werde ich das nicht in diesem Blog besprechen. Es wird genau so spannend und verwirrend aufgebaut sein, wie alle andern Bücher dieser Autorin. Lesen werde ich es bestimmt.

Übrigens: Freida McFadden ist ein Pseudonym. Die amerikanische Autorin, die jahrelang noch als Ärztin weiter arbeitete und ihre Auftritte als Autorin deshalb hinter dem Pseudonym und unter einer Perücke versteckte. Dieser Tage hat sie sich geoutet, weil sie den Beruf als Ärztin aufgeben konnte und sich vollständig als Bestseller-Autorin betätigen kann. McFadden heisst in Wirklichkeit Sara Cohen und parktizierte in Boston/USA als Neurologin. Ihren Angaben zufolge wird sie ihren Künstlernamen weiterhin benützen. Die Perücke und die dicken Brillen allerdings wird sie ablegen.

Seventeen years later. Von J.P. Pomare

J.P. Pomare ist ein neuseeländischer Thriller-Autor dessen Bücher innerhalb der Inselgrenzen Bestsellers sind. OK - es gibt da nur ca. 5,5 Millionen Menschen die nun nicht alle Thriller lesen. Aber trotzdem: Wenn der renommierte lübbe-Verlag beschliesst, einen Roman von Pomare in Deutsch zu übersetzen (Den Titel haben sie dabei vergessen...) und zu verlegen, dann muss irgendjemand Vertrauen in Pomares Schreibe haben. Und ich sage: Gottseidank!

Endlich wieder ein Page-Turner. Ich finde es schön, mal wieder einen neuen Namen zu finden, der ebenso gut mit Spannung und subtiler Manipulation umgehen kann. Und da liegt so ein Buch.

Seventeen Years later spielt auf zwei Zeit-Ebenen. Das ist ja nicht ganz unproblematisch, aber der Autor kann das wirklich sehr gut kombinieren. Eine True-Crime-Podcasterin macht sich auf die Spuren von einem Serienmörder, der längst im Gefängnis sitzt (das ist ja der clevere Dreh bei den True-Crimern: Sie müssen nicht ermitteln um den Täter zu überführen - sie müssen es nur noch erzählen...). Gleichzeitig wird dem Lesenden die Geschichte, die dazumal geschehen ist, vom inhaftierten Mann selber erzählt. Und schon ergibt sich eine wunderbare Symbiose und die Spannung steigt: Kommt die Podcasterin auf die richtige Spur? Befragt sie die richtigen Menschen?

Im letzten Drittel des Buches spielt der Autor mit der LeserInnenschaft Katz und Maus: Viele kleine Twists in beiden Geschichten, neue Erkenntnisse, neue Methoden (wer gräbt schon eine Zeitkapsel aus einem Neubau zur Klärung eines Verbrechens?) - das Buch wird zum Page-Turner.

Kaufempfehlung: Ja, um wieder mal mitzufiebern.

Mord an Backbord. Von C.L. Miller

Frau Miller schreibt Kriminalromane in England. Sie war kurzzeitig „in der Gastronomie tätig“ (was auch immer das bedeuten möge), gründete dann eine Familie und hat jetzt ihren Kindheitstraum umgesetzt: Sie schreibt Bücher. Und sie setzt ihren Plot in eine Welt, aus der wahrhaftig noch nicht so viele Kriminalromane stammen: Die Welt der Antiquitäten!

Die Idee ist eigentlich cool. Man lernt bei der Lektüre des Buches gerne noch ein bisschen über alte Dinge, Bilder und die Art und Weise, wie man solche fälscht.

Das vorliegende Buch habe ich – natürlich – gekauft, weil ich mein ganzes Berufsleben der Kreuzfahrt gewidmet habe. Deswegen hat mich der Cover (ein Hochseeschiff mit dem Namen „Kriminalroman“) angezogen und der Claim „Je tiefer das Meer, desto böser die Absichten!“ hat sein Übriges dazu getan. Das muss ja dann eigentlich ein gutes Buch sein. Aber: Mein sonst recht zuverlässiges Gefühl dafür, ob ein Buch etwas Fleisch am Knochen hat oder nur ein Mainstream-Produkt ist, hat mich im Stich gelassen. Oder das Schiff auf dem Cover hat mich irritiert…

Das Buch ist rund 380 Seiten dick und handelt von einer zwei Frauen (Junge Privatdetektivin im Antiquitätengeschäft und ihre Tante), die die Detektei ihres im vorigen Buch ermordeten Mentors übernommen haben.

So sind also die ganzen Zutaten da: Das englische Leben mit dem unvermeidlichen, englischen Humor, eine Leiche und ein Diebstahl (natürlich im Museum), ein verschwundenes Gemälde, der Hinweis auf die Kreuzfahrt, der Aufenthalt auf dem Schiff,  viele Antiquitäten und noch eine illoyale Assistentin, die dann zum grossen Showdown führt. Dazu noch ein bisschen Erotik bzw. Emotionen und die Geheimnisse des Vorgängers.

Leider hinterlässt das Buch bei mir den Eindruck, als habe die Autorin all diese Zutaten in den Topf geworfen und vergessen, was sie eigentlich kochen wollte. Man kann das Buch lesen, aber irgendwie passt es nicht zusammen. Die Detektivin könnte auch ein Mann sein, die Tante braucht es nicht, die Kreuzfahrt könnte auch ein Wellnesshotel sein und die illoyale Assistentin… naja, die bringt wenigstens am Schluss etwas Action. Und die Flirtereien sind mehr als durchsichtig.

Das Leseerlebnis bei mir war wie ein Fotoalbum: Viele schöne Bilder. Aber keine grosse Geschichte dahinter. Wenn ich nicht einen grossen Respekt davor hätte, würde ich mir hier überlegen, das Wort: „langweilig“ zu bemühen.

Ich mag es der jungen Autorin gönnen, wenn sie ihren Kindheitstraum weiterverfolgen kann. Sie hat mit ihrem Erstling „Der falsche Vogel“ diese Krimireihe um Freya, die Kunstdetektivin, begonnen und wird sicherlich eine Fangemeinde dafür finden.  Gemäss Klappentext haben sich die Verlage ja eine „Bieterschlacht“ für das Manuskript geliefert. Das heisst wohl, hier wurde profitabler Mainstream geschrieben…

Leseempfehlung: Wenn Sie Mainstream mögen, dann bitte sehr…!

Knochenkälte. Von Simon Beckett.

Simon Beckett ist ein fleissiger und sehr guter britischer Autor von Kriminalromanen und Thrillers. Man schreibt über ihn, er sei „der erfolgreichste englische Thriller-Autor“. Und objektiv betrachtet muss man sagen: Ich habe nicht alle andern gelesen, aber ich kann mir vorstellen, dass das stimmt. Seine bisher ca. 18 Romane sind allesamt Bestsellers. Darunter auch die Reihe mit dem forensischen Anthropologen Dr. David Hunter (falls Sie grad kein KI zur Hand haben:  ein forensischer Athropologe ist ein Experte für menschliche Überreste).

Die Reihe mit Dr. Hunter hat bisher sechs Teile. Das bedeutet, dass die Fan-Gemeinde für Hunter (und dessen Autor Beckett) gross und loyal sein muss. Denn jetzt liegt der siebte Band vor – Knochenkälte – und ich bin sicher, dass schon Hundertausende von dem erst kürzlich erschienen Buch unter den Weihnachtsbäumen in Europa gelegen haben.

Für alle Beckett/Hunter-Neulinge: Es läuft eigentlich immer mit demselben Muster ab. Hunter wird aus dem aktuellen Leben, in welchem er – wie im vorliegenden Beispiel – mit dem Auto zu einem Tatort gerufen wird, in einen mehr oder weniger komplizierten Kriminalfall geführt. Und es ist immer ein Fall, der noch irgenwie glüht oder wieder auflebt. In diesem Fall verirrt sich der durchaus "menschliche" Doktor und wird dann in einem abgelegenen hochgelegenenen Dorf blockiert und gerät mitten in eine Dorfgeschichte mit vielen Geheimnissen und Rätseln. Und plötzlich tauchen Leichen auf, ganz nach Hunters Geschmack: Skelette oder Mumien und schon beginnt sein neues Abenteuer. Denn die Menschen der Gegenwart sind selbstredend alle irgendwie darin verwickelt.

Die Bücher von Beckett über Dr. Hunter sind sehr unterhaltsam, ansprechend spannend und flüssig geschrieben bzw. gut übersetzt.  Sie sind vor allem auch sehr lehrreich. Man könnte meinen, der Autor sei ein unterbeschäftigter Mediziner oder gar Forensiker. Denn die Beschreibungen von Todesarten, Skeletten oder Leichenzustände sind gut recherchiert.

Und jetzt kommt das ganz grosse Plus: Die Bücher sind zum allergrössten Teil in ICH-Form geschrieben. Das bedeutet einerseits, dass die Lesenden immer auf dem selben Stand sind wie der Protagonist und live miterleben, wie Dr. Hunter sich durch kalte Nächte kämpft, wie er friert im Zimmer, wie das Feuer im Hotel lodert, wie es riecht in der Küche etc.  Die Anzahl der gleichzeitig stattfindenden Geschichten ist auf ein Minimum beschränkt. Was Hunter durchlebt, liest man. Den Rest nicht.  Das macht die Lektüre sehr angenehm und nicht kompliziert. Andererseits braucht es am Schluss Szenen, wo die „Täterschaft“ – meistens kurz vor Buchende – umfangreiche Geständnisse ablegen. Die dann halt nicht so authentisch sind. Aber auch das ist in diesem Buch sehr klar und gut gelöst.

Bref: Die Becket-Fans haben das Buch sowieso längst gekauft. Für Einsteiger/innen meine ich, kann man dieses Buch durchaus empfehlen. Leicht zu lesen und zu verstehen. Und sehr spannend. Ein gebundenes Exemplar kostet in Deutschland 26 €. Und in der Schweiz CHF 36.90.

Niemand rettet Dich. Von Karen Inge Nielsen.

Karin Inge Nielsen hat eine Triologie erschaffen. Ähnlich der Thriller-Autorin McFadden macht sie das auch - wohl unter Mithilfe der Marketingabteilung des Piper-Verlages - optisch: Die Bücher haben ähnliche Titel, ähnliche Covers (die sich mal eben durch die Farbe unterscheiden) und vielleicht auch ähnliche Geschichten. Das kann ich ehrlicherweise nicht sagen, denn ich bin erst jetzt, im dritten Teil der Triologie, darauf gestossen.

Zugegeben: es hat mich jetzt nicht dermassen gepackt, dass ich die ersten beiden Bände sofort nachkaufen müsste. Aber - ich würde sie auch nicht gleich auf meinen Verkaufswagen packen. Denn die dritte Folge: "Niemand rettet Dich" ist durchaus kein schlechtes Buch. Es hat eine spannende Geschichte die in einem gemächlichen Tempo erzählt wird und auch spektakuläre Törns behinhaltet.

Was aber auffällt, und das ist ja schon fast ein USP dieses Buches: Es gibt keine offensichtlichen Nebenstränge. Will heissen: Die Geschichte bleibt beim Protagonisten. Wohl weiss die Leserschaft, dass es einen Täter gibt und glaubt sogar, ihn zu identifiziern. Aber der Erzählstrang bleibt an der Hauptperson haften. Das eine Kapitel endet, das nächste beginnt am selben Ort mit derselben Person, vielleicht ein paar Momente später. Das führt zu sehr angenehmen Lesefreuden. Man kann das Buch weglegen und später wieder zur Hand nehmen ohne gleich, KImässig, eine Zusammenfassung abzurufen. Man findet sofort wieder in den Lauf der Geschichte.

Für mich ist das Buch kein echter Thriller. Klar, auch hier gibt es unerwartete Wendungen, aber eher in der Vergangenheit. Keine, die das bisher gelesene komplett in Frage stellt.

Also: Kaufempfehlung? Ja, vielleicht. Beginnen Sie aber unbedingt mit dem Band 1 der Triologie. Denn die Fachpresse empfiehlt es, da Charakteren und Geschichten sich aufbauen und entwickeln. Leider wird das einem beim Kauf von Nr. 3 nicht mitgegeben (wie auch?) und somit bin ich persönlich in die Falle geraten.

Tote Seelen singen nicht. Von Jussi Adler Olsen.

Ich muss mal kurz präzisieren. Der Autor von diesem Buch ist nicht alleine Jussi Adler Olsen (Jg 50). Er hat sich zwei (!) Co-Autorinnen beiseite geholt: Line Holm und Stine Bolther. Jahrgänge 75 & 76 und beide schon sehr erfahren in Sachen Krimis. Sie beide haben an einer Thriller-Reihe über die Kriminalhistorikerin Maria Just gearbeitet. Nun also mit Altmeister Jussi Adler Olsen, der sich mit dieser Ergänzung Weiblichkeit und Jugend dazu geholt hat. Das kann ja nur gut gehen.

Und das tut es auch. «Tote Seelen singen nicht» ist eigentlich eine Fortsetzung von Olsens bisher 10 Bände (Fälle) umfassende Reihe um das «Sonderdezernat Q» mit dessen Leiter Carl Mørck. Dieser kam für zwei Jahr unschuldig ins Gefängnis und ist jetzt in Rente, und das Sonderdezernat muss ohne ihn auskommen.  

Die beiden übrig gebliebenen Kommissare im «Q», welches sich mit Cold Cases befasst, mühen sich gerade mal wieder mit einer neuen Führung ab: Eine Französin, die – natürlich – nicht gerade kompatibel zu sein scheint.

Nun aber – so glaube ich – merkt man die neuen Ideen des Autoren-Trios. Die «Kabbeleien» innerhalb des Sonderdezernates sind auf einem sehr ungewöhnlichen Niveau (bezeichnenderweise zwischen den beiden Frauen) und der neue «Cold Case» hat es in sich und greift ein Thema auf, welches eine deutlich feminine Handschrift trägt.

Ansonsten ist der Thriller das, was man sich von einem skandinavischen Krimi mit «Olsen» vorne drauf, erhofft: Spannend, schnell und dank kurzen, datierten und mit Namen versehenen Kapiteln ziemlich gut lesbar. Natürlich mischt Carl Mørck weiterhin mit. Auch wenn er mittlerweile selbst zum «Cold Case» geworden ist.

Es fehlt an sehr brutalen Morden (wieder der feminine Einfluss?), stattdessen werden überraschende und laute Methoden angewendet. Die Leserschaft ist von Anfang an mit dem «Haupttäter» unterwegs.  Gegen Schluss des Buches nimmt die Geschichte ein sehr schnelles Tempo an, man ist versucht, die Lesepause zu verlängern. Wie es sich für einen soliden und guten Kriminalroman gehört.

Das «Sonderdezernat Q» ist auch verfilmt worden (Netflix; Mai 2025; Dept. Q).

Das ist jetzt vielleicht nicht gerade ein Buch für unter den Weihnachtsbaum (ausser, der/die Beschenkte ist ein grosser Thriller-Fan). Wertig ist das Buch allemal. Hardcover, 555 Seiten, 28 €/39.90 CHF.