Vielleicht ist die Liebe so. Von Katja Früh.
Mehr als einmal schon musste ich einen Büchercheck mit dem Hinweis garnieren, dass der Autor oder die Autorin zwar Kolumnen kann, am Roman aber gescheitert ist. Auf die erfolgreiche Schweizer Drehbuchautorin und «Magazin»-Kolumnistin Katja Früh trifft dies in keiner Weise zu, im Gegenteil. Ihrem Erstling «Vielleicht ist die Liebe so» merkt man an, dass hier jemand sein Hand- resp. Schreibwerk von der Pike auf gelernt hat. Und nun hat sich die Allrounderin als reife Ü70-erin noch den verbreiteten Journalistentraum vom eigenen Buch erfüllt.
Disclaimer: Ich kenne Katja Früh persönlich und um die Jahrtausendwende haben wir parallel Drehbücher fürs Fernsehen verfasst, sie für «Lüthi & Blanc), ich für «Café Bâle». Deshalb bin ich einerseits befangen und weiss andererseits, dass ihr Plot viele autobiografische Elemente enthält. Im Mittelpunkt der Handlung steht eine Mutter, die ihre Tochter eines Tages mit dem Entscheid konfrontiert, mithilfe einer Sterbehilfeorganisation selbstbestimmt aus dem Leben scheiden zu wollen. Obwohl das Verhältnis der beiden zueinander ein Leben lang problematisch war, versucht die Tochter sie von diesem Vorhaben abzuhalten. Aber die eigensinnige Mama setzt ihre Vorbereitungen unbeirrt fort und organisiert unbeirrbar auch Details wie die belegten Brötchen für den Sterbebegleiter.
Früh schildert die Irrungen und Wirrungen, in welche das mütterliche Vorhaben diese Anja stürzen, mit lakonischer Komik. «Der Termin» überschattet wochenlang ihren Alltag, und ihr übertragene Aufgaben wie das Einschläfern des mütterlichen Hundes bereiten ihr schlaflose Nächte. Hilfe sucht sie bei ihrem Partner, der sie zwar längst verlassen hat und mit seinen eigenen «Chnörzen» als kleingehaltener Drehbuchschreiber fürs Schweizer Fernsehen (viel Autobiografisches auch hier!) genug zu tun hat sowie den Freunden und Gästen der Bar, in der sie arbeitet. Wie sie trotz deren Unterstützung auf dem Weg zu Mutters schliesslich vollendetem Abgang von einer Panne ins nächste Fettnäpfchen stolpert, ist beste und kurzweilige Unterhaltung. Uneingeschränkte Leseempfehlung!