
Dieses Buch ist ein Inselbuch. Das heisst, wenn ich 10 Bücher mit auf eine einsame, internetlose und verlassene Insel mitnehmen dürfte, dann wäre das eines, welches ich einpacken würde. Das Buch "Noch fünf Tage" ist schlichtweg genial.
Ich habe an dieser Stelle vor ein paar Wochen bemerkt, dass es nicht immer einfach ist, ein Buch zu schreiben und darin ausschliesslich eine Person zu begleiten (hier). Helena Falk hat genau das gemacht und zwar so spannend und gut, dass es eine Wohltat ist, diese Geschichte zu lesen, auch wenn sie eigentlich tragisch ist.
Kurzfassung: Eine Sterneköchin vergiftet mit ihrem Essen unabsichtlich eine ganze Familie und auch sich selbst. Während die Familie sofort stirbt, bleibt sie noch fünf Tage am Leben und rekonstruiert aus dem Krankenhausbett, zusamme mit ihrer Pflegerin, ihr Leben und die Geschichte des relevanten Essens um herauszufinden, wer für das Gift verantwortlich war.
Diese Anlage führt uns ins Jet-Set-Leben (die Familie war sehr wohlhabend) mit all dessen Auswüchsen, sie führt uns in die Küche eines abgehobenen Starkochs und dessen Restaurant, sie führt uns in Familiengeschichten und zu absonderlichen Nachbarn in bündnerischen Dörfern. Und immer wieder wird den Lesenden die Uhr vor Augen geführt: Jene Uhr, die den Countdown zum Tode der Protagonistin darstellt.
Helena Falke - "ist ein Pseudonym einer mehrfach ausgezeichneten deutschsprachigen Autorin" - schafft es, die LeserInnen der Hoffnung zu unterwerfen, die Köchin möge überleben. Man fühlt und hofft mit ihr und will ganz einfach, dass sie ihre Fragen beantworten kann und glücklich und zufrieden mit ihrer Tochter weiterleben darf. Ob und wie sie dann letztlich, nach 300 sehr spannenden Seiten, stirbt, bleibt nicht ganz klar. Denn wer den eigenen Abgang beschreiben kann...
Ich werde dieses Buch wohl mit etwas Schmerzen auf meinen Bücherwagen legen (denn ich plane ja nicht wirklich eine Reise auf eine Insel). Aber den Titel werde ich mir merken. Vielleicht schreibt "sie ja mal wieder ein "Helena Falke" gelegentlich mal wieder etwas. Oder sie kommt bei mir am Bücherwagen vorbei. Denn gemäss Klappentext "lebt sie in der Nähe des Dreiländerecks, wo sich Frankreich, Deutschland und die Schweiz treffen".
Das Buch kostet 20 EUR oder zwischen 20 und 30 CHF. Es ist jeden Franken oder jeden EURO wert.