
Theatergeschichten lese ich fürs Leben gern. Schon als Jugendlicher habe ich die Memoiren des schauspielernden Autors respektive schreibenden Schauspielers Curt Goetz alias «Peterhans von Binningen» (1888 – 1960) teil mehrmals verschlungen. Die süffigen Bühnenschnurren und der Klatsch rund um die Grossen der damaligen Szene hatten es mir als regelmässigem Theatergänger angetan.
Nicht nur deswegen habe ich ohne Zögern zum neuen Buch von Alain Claude Sulzer gegriffen. Wie schon andernorts in diesem Blog festgehalten, (https://www.buechercheck.com/2026/03/25/postskriptum-von-alain-claude-sulzer/; https://www.buechercheck.com/2022/11/05/doppelleben-von-alain-claude-sulzer/), halte ich – unabhängig vom Thema - grosse Stücke auf die Romane des 73-jährigen Basler Schriftstellers. Umso gespannter war ich auf den Blick hinter den Theatervorhang und das dazugehörige Personal, den er uns in «Szenenwechsel» gewährt.
Die Story beginnt mit dem Tod des 80-jährigen Simon Muthesius, einem berühmten Regisseur, ehemaligen Intendanten und Zeitgenossen von deutschen Schauspielgiganten wie Peter Zadek, Claus Peymann und Peter Stein. Sein Sohn organisiert nun ebenso pflichtbewusst wie widerwillig die Trauerfeier, zu welcher von Muthesius' Ex-Frau über diverse ehemalige Geliebte bis hin zur iranischen Putzfrau, der er zum Aufstieg in die Maske verholfen hat, ganz unterschiedliche Bezugspersonen aus dem Leben des Verstorbenen anreisen.
Die Erinnerungen, Motive und Gedankengänge dieser ehemaligen Mitstreiterinnen und Mitstreiter des Verstorbenen giesst Sulzer in kleinteilige Porträts. Nicht zuletzt wohl dank der Tatsache, dass der Autor seit vielen Jahren mit einem Schauspieler zusammenlebt, gelingt ihm ein wunderbar runder, authentischer und unterhaltender Roman, den ich nicht nur Freundinnen und Freunden des Theaters wärmstens zur Lektüre empfehle.