
Ich frage mich, weshalb es manchmal so lange dauert, bis ein Roman in deutscher Übersetzung auf den Markt kommt. Im Fall von «Heft» der 43-jährigen US-Schriftstellerin Liz Moore, der 2012 im Original erschienen war, dauerte es nicht weniger als 14 Jahre, bis das Buch diesen Frühling unter dem Titel «Der andere Arthur» in den Buchhandlungen des DACH-Raums auflag.
Die Story dreht sich um zwei Männer gleichen Vornamens, deren Lebensläufe und -umstände unterschiedlicher nicht sein könnten. Der Ältere ist ein emeritierter Literaturprofessor, der wegen seiner Leibesfülle das Haus kaum mehr verlässt und den Kontakt mit der Aussenwelt über Lieferdienste und - als Ausnahme und entsprechend widerwillig - eine Putzhilfe hält. Der Jüngere ist ein begabter Basketballspieler namens Kel, der - vaterlos - mit seiner alkoholkranken Mutter zusammenlebt. Diese Charlene war einst Studentin bei Arthur 1 und mit diesem so eng liiert, dass bis zum Schluss des Buchs offen bleibt, ob aus der Verbindung möglicherweise Arthur 2 entstanden ist.
Als Kel sein Herzenswunsch nach einem Sportstudium versagt wird, gerät er in eine Lebenskrise. Angesichts der Verzweiflung ihres Sohns nimmt Charlene nach jahrzehntelanger Funkstille wieder Kontakt mit ihrem professoralen Freund auf. In einem Brief bittet sie ihn um Hilfe, die der einsame Sonderling nach einigem Zögern auch gewährt. Arthur I und II treffen sich schliesslich und die Geschichte schliesst mit der Hoffnung, dass diese Begegnung sowohl dem einsamen alten wie auch dem jungen verzweifelten Arthur einen Weg aus der Isolation zeigen könnte.
Moore lässt die beiden Protagonisten abwechselnd als Ich-Erzähler auftreten und legt ihnen kurze, prägnante Sätze in den Mund. Dadurch liest sich ihr Text so, als würde sie zwei unterschiedliche Zielgruppen ansprechen. «Eine quecksilbrige, flirrende, fast halluzinierende Erzählung» sei der Autorin gelungen, lobt der Kritiker der Süddeutschen Zeitung. Das ist ein Urteil, dem ich mich gerne anschliesse. Die Story von zwei einsamen Menschen und ihrem Umgang mit dem Alleinsein und schliesslich miteinander hat mir gefallen. Warme Leseempfehlung!