
Man merkt gut, dass es zwar der erste Krimi der in Basel lebenden Autorin ist, aber nicht das erste Buch. Es gibt einige Momente im vorliegenden Buch „Kopflos“, die von guten Grundlagen zeugen. Auch die Aufmachung des Buches durch den Verlag ist sehr schön und edel. Aber leider gibt es auch einige Dinge, die – zumindest mir – leicht negativ auffallen.
Vorerst aber wieder einmal die klare Feststellung: Diese Bücherchecks geben meine persönliche Meinung wieder. Es ist den Lesenden freigestellt, eine komplett andere Sichtweise zu haben…
„Kopflos“ ist ein Kriminalroman, der sich einer jungen Kriminalkommissarin aus Basel bedient. Sie ist lesbisch. Das müsste eigentlich keine Rolle spielen, aber es wird in diesem Buch immer wieder erwähnt und greift sowohl in die Ermittlungen, wie auch ins beschriebene Privatleben der Frau hinein. Es werden sogar anderthalb erotische Stellen im Buch mitgeliefert…
Die Autorin wählt eine unglaublich schwierige Erzählform: Die Leser:innen bleiben vom ersten bis zur letzten Seite an Carmens – so heisst die Frau – Seite. Das vereinfacht einerseits das Lesen, denn man wird nur wenig abgelenkt. Allerdings: Die Gedanken des Täters (oder der Täterin) werden in einer andern Schrift, bruchstückweise, dazwischen gefügt. Das merkt man allerdings erst später und führt anfangs zu einer eher verwirrenden Abfolge von Erzählungen.
Diese pausenlose Begleitung der Protagonistin allerdings führt dazu, dass die Leser:innenschaft jeden Abend mit ihr nach Hause geht und jeden Morgen mit ihr aufsteht. Das heisst, wir begleiten die Kommissarin in all ihren Gedanken, in ihren Selbstzweifeln, bei ihren Frustattacken und bei ihrer grenzenlosen Enttäuschung und dem Schmerz der eben zerbrochenen Liebschaft sowie, als wäre das nicht schon genug, ihre Schuldgefühle am Tod ihrer Schwester. Es gibt eine Stelle im Buch, wo wir weit über 10 Seiten mitverfolgen (müssen), wie sich die Frau zu Hause in Selbstmitleid buhlt, obwohl wahrscheinlich die ganze Kantonspolizei und Staatsanwaltschaft einen absurd brutalen Mörder jagt. Und es führt weiter dazu, dass auf jeder Seite mindestens 5, wenn nicht 10 Fragen auftauchen, die sich die Kommissarin stellt (und vorerst keine Antwort darauf hat). Das nimmt der Geschichte jegliche Spannung und verleitet zum Überlesen einiger Abschnitte, wo wir ansonsten wieder mit der Protagonistin in ihren Liebeskummer und in ihre traumatische Vergangenheit tauchen müssen. Aber dafür wissen wir, was die Frau isst und was sie nach dem Aufstehen am Morgen tut.
Dazu kommt noch der Schreibstil der Autorin. Der ist an sich nicht zu bemängeln, und ist eine freie Entscheidung der Autorin, ist aber mit den oft kurzen Sätzen eher gewöhnungsbedürftig.
Der Plot an sich ist sehr ungewöhnlich. Selbst in der Region Basel lebend kann ich mir nicht vorstellen, dass solche Morde, die als „Kunstwerke“ daher kommen, passieren können und vor allem so lange nicht öffentlich werden. Im Zeitalter von Instagramm etc. und dann noch an einer Universität mit all den Social-Media-Student:innen ist das eher etwas ungewöhnlich.
Ich habe grossen Respekt vor Autor:innen, die sich an einen Krimi wagen. Und dann noch an einen Lokal-Krimi, der oft eher als Reiseführer mit Leiche, als an einen spannenden Kriminalfall erinnert. Das ist Silke Amberg gut gelungen. Die „Ausflüge“ in Basel sind nicht aufdringlich und auch für Aussenstehende erträglich. Und ich bin sicher, dass der zweite Krimi, der sicher schon als Datei im Computer existiert, eine Weiterentwicklung sein kann. Man darf gespannt sein.