
Die dysfunktionale amerikanische Durchschnittsfamilie ist ja weiss Gott keine besonders originelle und erst recht keine neue Romanvorlage. Der 36-jährigen kalifornischen Autorin Madeline Cash gelingt in ihrem Debut «Verlorene Schäfchen» jedoch eine lesenswerte Variante einer ziemlich kaputten Familiengemeinschaft. Sie erzählt die Geschichte mit scharfem Auge für Komik sowie viel Tempo und Witz. Zur genüsslichen Lektüre im DACH-Raum trägt die gelungene Übersetzung von Sophie Zeitz bei.
Lustig und lesenswert machen das Buch weniger die nicht durchgehend überzeugenden Handlungsstränge und die seltsame Schlusspointe mit einem kinderbluttrinkenden Milliardär, sondern die Situationskomik und vor allem das Personal, dessen Charaktere die Autorin mit einem scharfen Sinn für Satire zeichnet. Die Mutter, die einseitig ihre Ehe als offen deklariert und entsprechend unverfroren mit einem Bekannten der Familie fremdgeht. Der depressive Vater, der deswegen in seinem Van schläft und als Therapie bei einer christlichen Gruppierung namens «Die verlorenen Schäfchen» andockt, wo er erneut in einer destruktiven Beziehung landet. Und last not least die drei pubertierenden Töchter, jede für sich ein amüsantes Klischee der US-Jugend und ihren Spleens.
«Selbst Leser ohne Humor dürften hier lachen», schreibt Pia Wieners in ihrer Rezension des in den USA gehypten Romans zu Recht, denn «so trocken und eigenwillig ist der Witz der Autorin». Sicherlich kein gewichtiges Werk, aber wem es um Erheiterung und Erinnerungen an die «Simpsons» und ähnliche Familienkomödien ist, sieht sich mit dieser leichten Sommerlektüre bestens bedient.