
Wir lesen einen Roman, der auf den ersten Blick an die Landromanzengeschichten einer Juli Zeh https://www.buechercheck.com/2021/05/02/ueber-menschen-von-juli-zeh/ oder Doris Knecht https://www.buechercheck.com/2023/09/22/eine-vollstaendige-liste-aller-dinge-die-ich-vergessen-habe-von-doris-knecht/ erinnert. Die Erzählerin in «Alleinruhelage» zieht allerdings nicht wie deren Figuren von der Stadt aufs Land in ein nur vermeintliches Paradies und scheitert an den rauen Bedingungen vor Ort. Sie will einfach nach einer schmerzhaften Scheidung mithilfe zweier polnischer Handwerks-Allrounder das Ferienhaus der zerbrochenen Familie an einem Baggersee in der DDR wieder auf Vordermann bringen.
Die meisterhaft erzählte Geschichte oszilliert zwischen verschiedenen Handlungssträngen. In der Gegenwart des wieder vereinten Deutschlands macht die Zuzügerin lieb- und weniger liebsame Erfahrungen (siehe Zeh und Knecht) mit den meist abweisenden Schrebergärtnern – in Analogie zum französischen Erfolgsfilm «die Schti’s» genannt - in der Nachbarschaft. Immer wieder blendet sie aber zurück in die Vergangenheit – in ihre eigene als Kind in einem konfliktreichen Elternhaus mit der wunderlichen Beziehung zu Onkel Walter und Tante Hüpfi, aber auch die ihrer Kinder im Paradies im waldumstellten Badesee.
Die Österreicherin Menasse befasst sich auf einer weiteren Ebene mit der wechselvollen und nicht selten problematischen Vergangenheit Deutschlands in den 1940er-Jahren einerseits und nach der Wiedervereinigung von 1989 anderseits. Hier verlässt «Alleinruhelage» definitiv die Niederungen eines mit Alltagssorgen parfumierten Daseins in der nostalgiebefrachteten Sommerfrische und benennt schonungslos die Probleme, unter welchen die ex-DDR und ihre ehemaligen Bewohner im neuen Miteinander von Ossis und Wessi zu leiden haben.
Die 56-jährige ehemalige Journalistin Menasse hat in ihren bisherigen Werken bewiesen, dass sie eine routinierte Erzählerin gut recherchierter Plots ist. Dass sie dabei mit dem typisch wienerischen Schmäh-Humor nicht geizt, macht dieses Buch zu einer durchaus vergnüglichen Lektüre.