
Viel passiert nicht in diesem kleinen Roman des 74-jährigen deutschen Schriftstellers und Germanisten Hans-Ulrich Treichel. Und bevor das titelgebende Karussell sich dreht, vergehen vier Jahrzehnte Jahre im Leben des Protagonisten Bernhard, die im Buch unbehandelt verstreichen. Doch der Reihe nach.
Am Ende seiner beruflichen Laufbahn als Hochschullehrer an einer deutschen Universität erinnert sich der von seiner Frau verlassene 70-Jährige an die zwei Jahre, die er unmittelbar nach dem Studienabschluss als Lektor an der Universität in Salerno unterrichtet hatte. Dabei freundete er sich mit seinem Studenten Alfredo an, dessen Vater ein Strandbad am Meer betrieb. Bei seinen Besuchen dort zeigte ihm sein Freund ein in einem Schuppen eingelagertes Karussell mit Familiengeschichte und er verliebte sich in die lebenslustige Arianna. Weder aus dem Karussellbau noch aus der Affäre wurde etwas; und Bernhards Engagement im Süden ging zu Ende.
Nach vier Jahrzehnten lockeren Briefkontakts mit Alfredo, der auf den Abschluss seines Studiums verzichtet und die Badeanstalt seines mittlerweile verstorbenen Vaters übernommen hat, entschliesst sich der gelangweilte Neurentner nun zu einem Besuch in Salerno. Einerseits hat ihm sein Freund angedeutet, dass das Karussell nunmehr installiert und seiner Bestimmung zugeführt worden sei; anderseits hofft der alte Mann heimlich auf ein Wiedersehen mit der einst verehrten Arianna.
Treichel schildert die Rückkehr Bernhards an die Stätte der Erinnerungen und Sehnsüchte als das, was die meisten solcher Erfahrungen auslösen: Melancholische Desillusionierung. Das Karussell steht zwar, geht aber gleich bei den ersten Versuchen kaputt, und Arianna hat natürlich längst geheiratet und eine grosse Familie. Bernhard kehrt in beiden Fällen unverrichteter Dinge und mit enttäuschten Erwartungen nach Hause zurück.
Die Geschichte – eher eine Novelle als ein Roman – liest sich leicht und locker. Dass ein Germanist sie geschrieben hat, merkt man. Und das ist als Kompliment gemeint.