
Meine Vorliebe für literarische Einblicke ins jüdische Familien- und Kulturmilieu führte mich neulich zu Dana von Suffrin und «Toxibaby». Im neuesten Buch der 41-jährigen deutschen Autorin, die 2019 mit dem Roman «Otto» die Bestsellerlisten gestürmt hat, geht es zwar nur am Rande um die auschwitzbelastete Familiengeschichte der Hauptfigur «Herzchen» Goldberg. Im Zentrum steht vielmehr deren «toxisches» Verhältnis zu ihrem wesentlich älteren und wesentlich erfolgloseren Freund, dem titelgebenden Toxi.
Von Suffrin schildert mit viel Humor, Ironie und Satire eine stürmische und wechselvolle On-off-Beziehung, wie sie offenbar unter Millenials nicht ungewöhnlich ist. Sie ist als Schriftstellerin erfolgreich und finanziell auf der sicheren Seite, er hingegen ein suchtkranker Versager, der das Zusammenleben mit seiner zwischenzeitlichen Geliebten durch sein paranoides Verhalten mehr als kompliziert macht. Entsprechend zahlreich sind in diesem Plot die wütenden Trennungen und tränenreichen Abschiede, doch immer wieder nimmt vor allem die unter dem Helfersyndrom leidende Verliebte einen neuen Anlauf.
Als eine Art Beifang zur vergnüglichen Schilderung bietet die Story einen aufschlussreichen Einblick in den Umgang des deutschsprachigen Literaturbetriebs mit jüdischer Kultur. Die Schrifstellerin, die selber einen jüdischen Familienhintergrund hat, schildert aus einem ironiegeprägten Blickwinkel die Besonderheiten, die sie in dieser besonderen Konstellation zwischen Philo- und Antisemitismus immer wieder beobachtet und selber erlebt. Diese Passagen habe ich besonders gern gelesen.
Auch als Gesamtleseerlebnis hat mir «Toxibaby» gut gefallen. An den Vorgänger «Otto» kommt das süffig und im Popsound unserer Zeit geschriebene Werklein allerdings nicht heran. Als Liebhaber von endlos verschachtelten Sätze, die mir selber (auch in Bücherchecks ...) gerne auch unterlaufen, habe ich speziell die Neigung der Autorin zu eben diesem Laster sehr genossen.