
Andernorts in diesem Blog habe ich mich schon gewundert, nach welchen Kriterien die orangen «Spiegel-Beststeller»-Kleber auf das Cover von auch mittelmässigen Bücher gepappt werden. Die Antwort erhielt ich in einem Beitrag der – Irrtum vorbehalten – «ZEIT». Der deckte auf, dass gewisse (Eigen-)Verlage dieses Qualitätssiegel im Paket mit anderen Dienstleistungen wie Gestaltung oder Lektorat verkaufen, noch bevor das Buch überhaupt geschrieben ist ...
Natürlich habe ich mich seither nicht mehr auf dieses gefakte Güteversprechen verlassen, sondern bin bei der Auswahl meiner Lektüre anderen Empfehlungen gefolgt. Zum Beispiel einem der eingangs erwähnten deutschen Wochenzeitung «DIE ZEIT». Dort schwärmte unlängst eine Kolumnistin in den höchsten Tönen von der 66-jährigen deutschen «Schriftstellerin und Dramatikerin» Tatjana Kruse und deren Werk «Wer zuerst liest, stirbt zuletzt». Leider kann man offenbar nicht einmal dem sicheren Geschmack der deutschen Qualitätspresse mehr trauen, denn was deren Rezensentin mit dem Etikett «Krimödie» als heiter-verschmitzte Variante eines Kriminalromans bejubelt, ist nichts anderes als Dilettantismus auf tiefem Niveau.
Die Geschichte von der erfolglosen Provinzbuchhändlerin, die sich auf Kriminalromane spezialisiert, entbehrt jeglichen Witzes. Die Handlung ist sprunghaft und lässt jede Plausibilität vermissen. Die dramaturgischen Überraschungen sind an den Haaren herbeigezogen, die Charakterisierungen des Personals plump und klischiert, der Wortschatz überschaubar und krampfhaft originell.
Wie heisst es schon wieder im Ingress der Büchercheck-Startseite? «Möchten Sie ein Buch für sich kaufen? Oder eines verschenken? Dann finden Sie in diesem Blog vielleicht Entscheidungshilfen ...». Hier ist eine: Verschwenden Sie Ihre kostbare Lesezeit nicht wie ich mit Kruses Krimis. Mit einem Bändchen aus der Kinderkrimiserie «Die drei ???» fahren Sie auf jeden Fall besser.