
Ungeachtet des Unheil verheissenden Buchtitels ist der neueste Roman des 77-jährigen italienischen Schriftstellers Sandro Pavesi erst einmal ein leichter und leicht zu lesender Sommerroman. Die Handlung von «Schwarzer September» ist in der Toskana angesiedelt, wo der zwölf Jahre alte Gigio mit seiner Familie jedes Jahr sorglose Badeferien am Meer verbringt. Die Geschichte spielt 1972 und somit im Jahr der Olympischen Spiele in München, die wegen einer Geiselnahme von israelischen Athleten durch das Kommando «Schwarzer September» in die Geschichte eingegangen sind.
Vorerst aber ist der Sommer sonnig und heiter. «Die Story atmet Frieden, Sorglosigkeit und stabile Alltäglichkeit», wie es der Rezensent der Süddeutschen Zeitung die Grundstimmung des ersten Romanteils treffend formuliert hat. Der pubertierende Gigio schwärmt für die um ein Jahr ältere Tochter eines reichen Unternehmers im Ort und wider Erwarten erwidert diese Astel sein Interesse. Als Sohn einer irischen Mutter spricht der Junge auch Englisch und bringt seiner Freundin die Sprache mit Texten von David Bowie, Cat Stevens und andern Popstars der Epoche bei. Sie öffnet ihm dafür das TV-Zimmer der Familienvilla für lange Nachmittage mit – damals noch schwarz-weissen – Olympiaübertragungen.
Nach und nach kippt dieses harmonische «Coming out of age»-Szenario aber in ein krimiähnliches Setting. Gigios Vater, der in das Meer und in sein Boot vernarrt ist, stösst in diesem Jahr ganz gegen seine Gewohnheit nur am Wochenende und schliesslich überhaupt nicht mehr zur Familie. Astel verschwindet abschiedslos «zu Bekannten», weil ihr Vater, wie sich herausstellt, einem Mord zum Opfer gefallen ist und Astels äthiopische Mutter vorübergehend unter Tatverdacht in Haft genommen wird. Zudem erweisen sich die geschäftlichen Termine, die Gigios Papa als Vorwand für sein Fernbleiben von den Familienferien vorgebracht hat, als Lüge. Und endgültig beendet wird die sommerlichen Idylle nicht nur in Fiammetto, sondern in der ganzen Welt durch den Münchner Terroranschlag.
Wer mit diesem dramatischen Finale umgehen kann, dem sei das Buch als perfekte Strandlektüre in den Sommerferien, vorbehaltlos empfohlen.