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Ein weites Leben. Von M. L. Stedman.

"Creative Writing" vom Feinsten.
Ein Buchcheck von Roger

Die 55-jährige australische Schriftstellerin M(arie) L(ouise) Stedman hat laut Wikipedia ein Studium in «creative writing» an der Londoner Universität absolviert. Das ist als Qualifikation für Autoren ähnlich aussagekräftig wie ein Diplom des Medienausbildungszentrums MAZ für Journalisten: Nicht alle, die dort studiert haben, können dann schreiben.

Stedman aber kann es – und wie. Die stimmigen Charakterzeichnungen einer generationenübergreifenden Farmerfamilie im australischen Busch, die packende Story des Rohstoff-Booms der 1950er-Jahre im dortigen Outback und die lakonische Erzählkraft der Autorin erinnern in Vielem an die Romane des hier auch schon gelobten Kent Haruf (https://www.buechercheck.com/2023/07/24/das-band-das-uns-haelt-von-kent-haruf/). So entwickelt die Geschichte der Schafzüchterdynastie McBride über die ganzen 500 Buchseiten hinweg einen unwiderstehlichen Sog und verdient das oft strapazierte Adjektiv «pageturner» für einmal vorbehaltlos.

Die Geschichte beginnt mit einem Autounfall, bei dem zwei der drei McBride-Männer getötet und der dritte schwer verletzt wird. Während die Mutter Lorna mit Tochter Rosie die Farm am Laufen hält, erholt sich dieser Matthew nur langsam und mit schwerwiegenden Gedächtnisproblemen von seinem Unfall. In dieser Phase kommt es zu einem dramatischen Zwischenfall, der später seiner Schwester das Leben kosten wird. Sie hinterlässt ein Kleinkind, welches von Lorna und Matthew aufgezogen und zum nächsten Clanchef heranwächst. Extrem berührend ist auch die Liebesgeschichte von Matthew und Bonnie, die als Geologin das McBride’sche Land vermisst und nach misslungenen Anläufen in ein schönes Happy Ending mündet.

«Was einer schwächeren Autorin zu einer kitschigen Familiensaga geriete, wird durch Stedmans feines Stilempfinden zu einem bewegenden Roman über Verlust und das, was uns prägt und hält» - so brachte der gefürchtete deutsche Literaturkritiker Dennis Scheck («In die Tonne!») sein Urteil auch auf meinen Punkt. Unbedingt lesen!

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