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Half his age. Von Jennette McCurdy.

Lolita-Stoff, nicht mehr unterm Ladentisch.
Ein Buchcheck von Roger

Vor zwanzig Jahren wäre dieses Buch noch in der Kategorie «soft porno» nur unter dem Ladentisch verkauft worden. Heute feiert das Feuilleton den Roman, der schon in der ersten Szene mit einem saftigen Cunnilingus aufwartet, als die Sensation des literarischen Jahres. «Half his age» (englischer Titel auch für die deutsche Übersetzung) der 34-jährigen amerikanischen Autorin und Regisseurin Jennette McCurdy lässt auch auf den verbleibenden 330 Seiten keine Gelegenheit zur expliziten Schilderung mehr oder weniger lustvoll vollzogenen Geschlechtsverkehrs aus.

Hauptakteure sind – Nabokows «Lolita» grüsst von ferne – die 17-jährige Waldo und ihr 40-jähriger Creative-Writing Lehrer Mr. Korgy. Bei der erstbesten Gelegenheit wirft sich die Schülerin dem Objekt ihrer spätpubertären Begierde an den Hals respektive setzt sich unaufgefordert auf dessen alsobald spermienbefleckten Schoss. Die Gegenwehr des derart Umworbenen hält sich in Grenzen und ab dann oszilliert die geheime Beziehung zwischen Schülerin und Lehrer zwischen leidenschaftlichem Sex, Schlussmachen und Wiederverführung.

Als der Ältere schliesslich dem Drängen und der sexuellen Anziehungskraft der Geliebten nachgibt und Frau und Söhnchen verlässt, passiert, was zu erwarten war: Waldo verliert rasch das Interesse an ihrer Eroberung. Ihre Schilderung des abtörnenden Zusammenlebens des ungleichen Paars erst im Luxushotel, dann in der zwielichtigen Absteige und schliesslich in der schäbigen Einzimmerwohnung, die sich der einst Angehimmelte nun noch leisten kann, gehört zum Witzigsten, was ich über diese ernüchternde Phase einer abflauenden Liebe gelesen habe.

Und überhaupt: Auch wem sich nie als älterer Mann ein junges Mädchen in die Arme geworfen hat, kann jede Situation, jeden Konflikt, jede Turbulenz in diesem ungleichen Match nachvollziehen und ist im Idealfall froh, ist die Versuchung nie an ihn herangetreten oder er ihr nicht erlegen. Aber auch Waldo, die sich den Frust über ihren abwesenden Vater und ihre beziehungsgestörte Mutter mit ihrem forschen Angriff auf ein idealisiertes Mannsbild kompensiert, wächst einem ans Herz. Und geschrieben ist die Geschichte dazu auch noch, wie sie es halt (fast) nur in den USA können, weshalb auch der "soft porno" nie peinlich wird.

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