
Der Büchercheck wird zwar – zumindest in der Theorie des WWW – weltweit gelesen. Da seine Blogger aber im deutschschweizerischen Kanton Basel-Stadt wohnen, besteht bei ihrer Lektüre und Besprechungen ein gewisser Überhang an Büchern und Themen aus und über Basel. Häufig handelt es sich um fiktive Kriminalromane lokaler Autoren, deren Handlung am Rheinknie angesiedelt ist. Die Biografie von Jean-Raoul Austin de Drouillard hingegen ist real. Sein titelgebendes «falsches Leben» spielt zu grossen Teilen im Haus «Zum Schöneck» in der St. Alban-Vorstadt 49, dem Quartier der gehobenen städtischen Stände. Es steht unmittelbar neben dem Brunnen, der heute in heissen Sommern als Mini-Plantschbecken für die Quartierbewohner dient.
Der Oberschicht gehörten auch die Eltern des kleinen Jean-Raoul an, die Mitte der 1950-er Jahre in Haiti Opfer des Schreckensregimes von Diktator François «Doc» Duvalier und seinen berüchtigten Terrorbande «Tonton Macoutes» wurden. Der sechsjährige Waisenknabe wurde vom begüterten Basler Kinderarzt und "Wahlhaitianer" Ernst-Robert Schwartz nach Basel gebracht. Dort wuchs er in einem grossbürgerlich-jüdischen Milieu auf, besuchte das Gymnasium und studierte sowie lehrte später in Deutschland, Frankreich und Kanada französische Literaturwissenschaft und Philosophie.
In seinem autobiografischen Coming-of-Age-Roman schildert der 2026 im Basler Hirzbrunnenquartier verstorbene Autor sein Leiden am Tod der Eltern, seine Orientierungslosigkeit in der Kälte der pietistisch angehauchten «Dalbe» sowie die Konflikte mit seinem Ersatzvater, der sich auf dem Sterbebett als sein leiblicher zu erkennen gibt. Das Buch ist für eine nichtbaslerische Leserschaft kein Must. Wer wie der Buchchecker in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts in der Humanistenstadt aufgewachsen und zur Schule gegangen ist, freut sich jedoch am Lokalkolorit, nicht nur dem geo- und topografischen.