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Die Liebeshungrigen. Von Karine Tuil.

Amüsanter Dreier.
Ein Buchcheck von Roger

Karine Tuil ist Mitte Fünfzig, lebt mit ihrer Familie in Paris und hat in ihrer Karriere als Informations- und Kommunikationswissenschafterin bisher elf Romane geschrieben. Der neueste mit dem meiner Meinung nach nicht sehr passenden deutschen Titel «Die Liebeshungrigen» (im Original «La Guerre par d’autres moyens») wirft amüsante Schlaglichter auf das Leben der Pariser Haute Volée und ihrer Politiker einerseits sowie die Intrigen und Eitelkeiten des Filmfestivals in Cannes andererseits.

Hauptakteure in der unterhaltsamen Story sind ein ehemaliger französischer Staatspräsident namens Dan Lehmann (die Blaupause von Nicolas Sarkozy liegt nahe), der nach seiner Amtszeit in ein Loch fällt und ein Buch schreibt, um dem Vergessenwerden zu entrinnen. Zu seiner Lebenskrise gehört auch die Trennung von seiner schriftstellernden Gattin Marianne, die zu lieben und begehren er allerdings nicht wirklich aufgehört hat, als er eine wesentlich jüngere Starschauspielerin aus Deutschland geheiratet hat. Mit dieser hat er eine hörbehinderte kleine Tochter, um die er sich in Abwesenheit der viel beschäftigten Mutter als alter Papa trotz seiner zunehmend dramatischen Alkoholsucht liebevoll kümmert, bis das kleine Mädchen eines Abends der Obhut des wieder einmal Volltrunkenen entwischt.

Der Zufall  will es, dass der erfolgreiche Roman von Lehmanns Ex mit seiner zweiten Frau in der Hauptrolle verfilmt und am Festival von Cannes vorgeführt wird. Obwohl diese Ehe nur noch auf dem Papier besteht und Marianne den Rückkehrwilligen abweist, wird Lehmann vom Verleih zum Gang über den roten Teppich mit den beiden Frauen überredet. Da er sich auf diesen aufgeladenen Auftritt zu intensiv, das heisst mit zuviel Drinks vorbereitet hat, kommt es schliesslich nicht zum erwarteten Finale.

«Die Liebeshungrigen» ist ein zeitgenössisches Sittengemälde von Frankreichs Politik und Showbusiness, mit viel Hintergrundwissen und Sachkenntnis geschrieben. Liest sich leicht und locker, deshalb: Warme Leseempfehlung für heisse Sommertage.

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