
So verschmitzt wie einen der 50-jährige deutsch-isländische Schriftsteller Kristof Magnusson aus seinem Wikipedia-Eintrag anstrahlt, so vergnügt wird man bei der Lektüre seines Romans «Die Reise ans Ende der Geschichte». Den Titel kann man auf viele Arten lesen. Thematisiert wird das Ende des Kalten Kriegs, der Sowjetunion auch, der Fall der Berliner Mauer. Wie auch immer: Die Zeiten sind schlecht für ehemalige Doppelagenten zwischen Ost und West.
Einer davon ist ein gewisser Dieter Germeshausen, und der möchte ein letztes grosses Ding drehen, bevor ihm die Spionagefelle endgültig davonschwimmen. Es geht um einen dubiosen Helikopterdeal, mit dem er sich endgültig sanieren und dann untertauchen will. Als Helfer bei diesem Deal wirbt er auf einem Gartenfest der russischen Botschaft den jungen Deutschen Jakob Reiser an, der aktuell wegen seiner Gedichte und der dafür erhaltenen Preise als angesagter Promi auf solchen Empfängen herumgereicht wird. Die Dritte in diesem eigenartigen Team ist eine daueralkoholisierte Diplomatengattin, die noch ganz andere Fäden zu ziehen vermag als der frustrierte Exspion sich vorzustellen vermag, weshalb sie unter anderem auch in seinem Bett landet.
Die Irrungen und Wirrungen, die sich aus dem Planen und Treiben dieser drei Protagonisten zwangsläufig ergeben, werden gespiegelt an der Zeitenwende anfangs der 1990-er, in welcher sich in Europa vieles ändert und alles möglich zu sein scheint. Magnusson legt die Handlung als Schelmenroman an und treibt sie so flott voran, dass manchmal nicht einmal seine handelnden Figuren auf Anhieb begreifen, was ihnen gerade widerfährt und weshalb. Der Leser bleibt sowieso aussen vor, wird aber vom Autor so witzig mitgenommen, dass er keinen Moment daran denkt, sich aus der skurrilen Reise- und Tätergemeinschaft auszuklinken.
So bleibt der bis zum Schluss bei der Sache und erlebt mit, wie der vermeintliche Loser Germeshausen plötzlich auf der Gewinnerseite steht, während der Societystar Jakob im Knast landet. Da dies aber nicht der definitive Schluss ist, kann es an dieser Stelle auch verraten werden. Ich habe mich sehr amüsiert an dieser deutsch-isländischen Fingerübung!