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Eine andere Geschichte. Von Charles Lewinsky.

Ein Buch, das man sich sparen kann.
Ein Buchcheck von Roger

Wer hätte das gedacht, nach all den Lobeshymnen, die ich als Lewinsky-Fan in diesem Blog schon auf das Schweizer Multitalent gesungen habe? Doch tatsächlich spedierte ich das neue Buch des brillanten Vielschreibers nach dem Lesen ohne Umwege in die «NZZ am Sonntag»-Rubrik «Bücher, die Sie sich sparen können». Wie nur konnte es soweit kommen?

Lewinsky widmet den Roman «Eine andere Geschichte» dem real existiert habenden deutschen Produzenten von Hollywoodfilmen Curtis Melnitz. Dieser wurde 1879 als Sohn jüdischer Eltern in Leipzig geboren und musste in den 1930er Jahren vor den Nazis in die USA fliehen. Dort finden wir ihn im Jahr 1959 als medikamentensüchtigen 80-Jährigen auf der Couch eines amerikanischen Psychiaters, dem er als Gegenleistung für das wöchentliche Schlaftablettenrezept sein Leben erzählt.  

Nach der Formel «1 Sitzung = 1 Kapitel» lässt Lewinsky den gealterten Showlöwen in seine Vergangenheit als Jude in Deutschland und in Hollywood zurückblicken. Dabei tarnt dieser seine Traumatisierung mit einem kaltschnäuzigen Zynismus. Der Text ist ein Monolog; der Psychiater kommt selber nicht zu Wort respektive nur in den Antworten zum Zug, deren ihn sein schnoddriger Patient für würdig erachtet. Oft geschieht das nicht, denn vieles ist dann eben «eine andere Geschichte» ...

Dieser Sarkasmus lässt den Leser die Persönlichkeit und den Charakter dieses Melnitz nicht wirklich fassen. «Wie genau diese ätzende Verbitterung von seiner Seele Besitz ergriff, arbeitet das Buch zu wenig heraus: Curtis Melnitz bleibt bis zum Schluss rätselhaft und ein Fremder ... » urteilt der Kritiker von Radio SRF. Und fragt sich: «Warum soll ich dem Leben dieses Typen über 400 Buchseiten folgen?». Gute Frage, denn diese «andere Geschichte» ist definitiv nicht Charles Lewinskys bester Roman.

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