
Das Vermächtnis ist das siebte Buch von John Grisham, welches in diesem Blog gecheckt wird. Vielleicht hören wir jetzt dann mal auf, weil wir kommen immer wieder zu demselben Schluss: Grisham ist und bleibt ein Grossmeister.
Vielleicht nochmals zusammenfassend:
John Grisham kommt mit sehr wenigen Leichen aus. Im vorliegenden Buch ist es nur eine. Sie war zu Lebzeiten eine über achtzigjährige Frau, die sich unserem Protagonisten, einem Anwalt, anvertraut. Irgendwann stirbt sie dann – auf den ersten Blick an einer Lungenentzündung im Spital. Trotzdem wird der Anwalt des Mordes verdächtigt und er kommt in unglaubliche Schwierigkeiten.
Nun erzählt uns Grisham die Geschichte. Schön der Reihe nach, ohne Zeitsprünge. Die Leserschaft kann dem Plot ohne weiteres folgen. Die Geschichte ist nicht besonders schnell, aber sie steigert sich in der Spannung mit jeder Seite. Fast unmerklich, aber irgendwann lässt sich das Buch kaum mehr beiseite legen. Nicht unbedingt, weil gerade ein Cliffhanger produziert wird, sondern weil Grisham die Geschichte so erzählt, dass man unbedingt wissen will, wie es weiter geht.
Der Autor überspringt auch mal zwei Monate oder eine ganze Jahreszeit, wenn nichts Relevantes passiert. Und dennoch verliert man den Faden nicht, sondern ist sehr dankbar, dass man nicht lange warten (oder lesen) muss, bis sich die Geschichte wieder in Bewegung setzt. Permanentes Vorangehen…
Im Gegensatz zu vielen Kriminalromanen passieren auch keine Überraschungen im Sinne von plötzlichem Verschwinden von Zeugen oder von Bränden in Kanzleien oder so. Nein, es läuft alles ganz normal, sieht man mal davon ab, dass irgendein Choleriker in die Kanzlei eines Anwalts kommt und ihn verprügelt.
Wir besuchen die Gerichtsverhandlungen, erleben den Urteilsspruch, versinken mit dem Protagonisten in die Verzweiflung und helfen ihm, den wahren Schuldigen zu finden. Weil: Am Schluss ist es doch ein Kriminalroman. Aber das wird einem nicht aufgezwungen.
Es ist so, als sässen wir bei Grisham in der Küche und er erzählt uns die Geschichte von ebendiesem Anwalt, der eine alte Frau ausnehmen wollte.
Grossartig geschrieben, sehr sehr leicht lesbar, verständlich (auch für Nicht-Juristen) den Preis wert. Auch wenn man nicht die Gelegenheit hat, das Buch für 25 € zu kaufen sondern zu Schweizer Preisen (zwischen 30 und 36 Franken). Eine gute Anschaffung für die Osterferien!