
«Never change a winning team» sagen die Briten, und auf dieses Erfolgsrezept setzt seit vielen Jahren auch der Schweizer Martin Suter in seinem literarischen Schaffen. Der ehemalige Starwerber schreibt «seit Jahren dasselbe Buch», wie es ein ungnädiger Kritiker kürzlich formuliert hat, nämlich süffige kleine Gesellschafts- («Small World») und Kriminalgeschichten («Allmen»). Und nun rezykliert er auch das Kolumnenformat, das die Mutation des ehemaligen Starwerbers (Stalder & Suter) zum Schriftsteller massgeblich befördert hat. In seinem neuen Buch erleben seine Leserinnen und Leser die Auferstehung der Kultkolumne «Business Class – Geschichten aus der Welt des Managements», die Suter von 1992 – 2004 für die «Weltwoche» verfasst hat.
Und nichts anderes als Streiflichter auf die Geschäftswelt und deren Protagonisten sind auch die Short Stories, die der heute 78-Jährige mit Wohnsitzen in Zürich und Marrakesch unter dem Titel «Können Sie mich sehen?» zusammengefasst hat. Die Geschichten verstehen nicht nur Angehörige von mittleren und oberen Unternehmenskadern, denn Suters Rezept ist dasselbe wie früher: Er glossiert menschliche und allzu menschliche Anwandlungen, die auch Nadelstreifenträger und ihre weiblichen Pendants nicht verschonen. Sie werden von einem intimen Kenner der Businesswelt liebevoll aufs Korn genommen, mit Sinn fürs Detail beschrieben, mit feiner Ironie und einer Portion Sarkasmus gewürzt schmückt und schliesslich von einer – oft überraschenden – Pointe gekrönt.
Suter, sagen viele, ist Geschmackssache. Es ist meiner Ansicht nach aber ein guter Geschmack, der seine Bücher prägt wie auch diese Short Stories mit jener Art von diskretem Stil, den der Autor im Alltag als unverzichtbar empfindet und pflegt. Wer’s mag und versteht, braucht deshalb meine Leseempfehlung nicht, weil er sich das Buch längst schon heruntergeladen oder gekauft hat.