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Wenn die Kraniche nach Süden ziehen. Von Liza Ridzén.

Null Bezug zu Kranichen. Dafür zu einem liebenswerten Hund.
Ein Buchcheck von Roger

Eine Triggerwarnung vorab: Einsame alte Menschen, die ausser ihrem Hund nichts mehr wirklich am Leben hält, sollten dieses Buch besser nicht lesen. Auch wer ungern mit negativen Folgen des Alterns -  Nachlassen von Kopf und Körper, Pflegebedürftigkeit, Vereinsamung – konfrontiert wird, soll von dieser Lektüre absehen. Allen anderen aber kann ich den Erstling von Liza Ridzén vorbehaltlos empfehlen. Er hat mich – nicht nur als Hundebesitzer – stellenweise zu Tränen gerührt.

«Wenn die Kraniche nach Süden ziehen» ist eine wohltuend sachliche und empathische Auseinandersetzung mit dem Altern. Die 38-jährige schwedische Autorin hat ihren Grossvater in seinen letzten Lebensmonaten begleitet und seine Notizen aus dieser Zeit in einen Roman gegossen. Der 89-Jährige erinnert sich darin an seine Frau, mit der er sechzig Jahre lang Freud und Leid geteilt hat und die nun mit Demenz im Pflegeheim lebt. Er schildert die Besuche seines Sohns und dessen Tochter und die täglichen Begegnungen mit dem Pflegedienst. Dessen lakonische Rapporte spiegeln den Monolog des Alten, in dem er sich neben den Beschwerden und Frustrationen der Gegenwart auch mit seinem langen Leben als Mann, Familienvater und Stahlwerkarbeiter auseinandersetzt.  

Bos zunehmende Apathie wird ein letztes Mal vom Widerstand gegen seinen Sohn unterbrochen, der seine geliebte Schlafstätte auf der hölzernen Küchenbank durch ein modernes höhenverstellbares Pflegebett ersetzt und ihm seinen treuen Hund Sixten wegnimmt, weil er beim Gassigehen mit ihm gestürzt ist. In diese bittere Vater-/Sohn-Auseinandersetzung fliessen dann auch Erkenntnisse der Erforschung von «ländlichen Männlichkeitsnormen in Gemeinden des schwedischen Nordens» ein, die Liza Rizdén als Wissenschafterin betreibt.

Als dann Bos letzter verbliebene Freund stirbt, ist auch der Alte zum Gehen bereit. Selten habe ich eine berührendere Schilderung eines Sterbens gelesen wie diese aus der Perspektive des Sterbenden selber. Und als ihm die Lieblingspflegerin in seinen letzten Minuten noch einmal den geliebten Hund an die Seite legt .... siehe oben.

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