
Das muss man ja auch zuerst wissen. Der Roman von Markus Wüest ist kein Kriminalroman, obwohl sich auf dem Klappentext Wörter wie "Verschwinden", "Vergebliche Suche", "Ausrauben" finden. Nein, das dritte der "Haare"-Serie von Markus Wüest ist eher eine Erzählung von einem Neffen, der seinen Onkel sucht (in Amerika, wo Wüest praktischerweise gelebt hat) und ihn dann aber wieder unversehrt findet. Die beiden erzählen sich dann ihre Geschichten, die ohne grösseren Pointen ablaufen.
Gleichzeitig - und das ist schon etwas speziell - erlebt der beste Freund des "Neffen" zurück in Basel auch eine Geschichte. Er ist Pöstler und findet einen Brief, den er dann zustellt und in ein Happyend einer Familientrennung gerät. Auch hier: Eine hübsche Geschichte, schön ausgeschmückt, schön erzählt und - vor allem die amerikanische - authentisch und wahrscheinlich etwas biografisch angehaucht.
Mich hinterlässt das Buch etwas ratlos: Mein Leseverstand war bereit um eine spannende Geschichte, vielleicht mit kriminellem Charakter zu lesen. Der Leseverstand hätte aber auch eine schöne Lebensgeschichte mit einem Inhalt oder einer tollen Wendung angenommen und gelesen. Bekommen haben wir (Der Leseverstand und ich...) aber einfach zwei nicht zusammenhängende Geschichten ohne Tempo und ohne bedeutenden Abschluss.
Vielleicht lesen sich die beiden andern Haar-Geschichten etwas besser: "Haarsträubend" und "Haarprobe" jedenfalls haben pfiffige Beschreibungstexte hinten im vorliegenden Buch. Ich allerdings werde sie nicht erstehen und lesen. Sie gehen um Haaresbreite an meinem Geschmack vorbei...