
Simon Beckett ist ein fleissiger und sehr guter britischer Autor von Kriminalromanen und Thrillers. Man schreibt über ihn, er sei „der erfolgreichste englische Thriller-Autor“. Und objektiv betrachtet muss man sagen: Ich habe nicht alle andern gelesen, aber ich kann mir vorstellen, dass das stimmt. Seine bisher ca. 18 Romane sind allesamt Bestsellers. Darunter auch die Reihe mit dem forensischen Anthropologen Dr. David Hunter (falls Sie grad kein KI zur Hand haben: ein forensischer Athropologe ist ein Experte für menschliche Überreste).
Die Reihe mit Dr. Hunter hat bisher sechs Teile. Das bedeutet, dass die Fan-Gemeinde für Hunter (und dessen Autor Beckett) gross und loyal sein muss. Denn jetzt liegt der siebte Band vor – Knochenkälte – und ich bin sicher, dass schon Hundertausende von dem erst kürzlich erschienen Buch unter den Weihnachtsbäumen in Europa gelegen haben.
Für alle Beckett/Hunter-Neulinge: Es läuft eigentlich immer mit demselben Muster ab. Hunter wird aus dem aktuellen Leben, in welchem er – wie im vorliegenden Beispiel – mit dem Auto zu einem Tatort gerufen wird, in einen mehr oder weniger komplizierten Kriminalfall geführt. Und es ist immer ein Fall, der noch irgenwie glüht oder wieder auflebt. In diesem Fall verirrt sich der durchaus "menschliche" Doktor und wird dann in einem abgelegenen hochgelegenenen Dorf blockiert und gerät mitten in eine Dorfgeschichte mit vielen Geheimnissen und Rätseln. Und plötzlich tauchen Leichen auf, ganz nach Hunters Geschmack: Skelette oder Mumien und schon beginnt sein neues Abenteuer. Denn die Menschen der Gegenwart sind selbstredend alle irgendwie darin verwickelt.
Die Bücher von Beckett über Dr. Hunter sind sehr unterhaltsam, ansprechend spannend und flüssig geschrieben bzw. gut übersetzt. Sie sind vor allem auch sehr lehrreich. Man könnte meinen, der Autor sei ein unterbeschäftigter Mediziner oder gar Forensiker. Denn die Beschreibungen von Todesarten, Skeletten oder Leichenzustände sind gut recherchiert.
Und jetzt kommt das ganz grosse Plus: Die Bücher sind zum allergrössten Teil in ICH-Form geschrieben. Das bedeutet einerseits, dass die Lesenden immer auf dem selben Stand sind wie der Protagonist und live miterleben, wie Dr. Hunter sich durch kalte Nächte kämpft, wie er friert im Zimmer, wie das Feuer im Hotel lodert, wie es riecht in der Küche etc. Die Anzahl der gleichzeitig stattfindenden Geschichten ist auf ein Minimum beschränkt. Was Hunter durchlebt, liest man. Den Rest nicht. Das macht die Lektüre sehr angenehm und nicht kompliziert. Andererseits braucht es am Schluss Szenen, wo die „Täterschaft“ – meistens kurz vor Buchende – umfangreiche Geständnisse ablegen. Die dann halt nicht so authentisch sind. Aber auch das ist in diesem Buch sehr klar und gut gelöst.
Bref: Die Becket-Fans haben das Buch sowieso längst gekauft. Für Einsteiger/innen meine ich, kann man dieses Buch durchaus empfehlen. Leicht zu lesen und zu verstehen. Und sehr spannend. Ein gebundenes Exemplar kostet in Deutschland 26 €. Und in der Schweiz CHF 36.90.