
Ich muss mal kurz präzisieren. Der Autor von diesem Buch ist nicht alleine Jussi Adler Olsen (Jg 50). Er hat sich zwei (!) Co-Autorinnen beiseite geholt: Line Holm und Stine Bolther. Jahrgänge 75 & 76 und beide schon sehr erfahren in Sachen Krimis. Sie beide haben an einer Thriller-Reihe über die Kriminalhistorikerin Maria Just gearbeitet. Nun also mit Altmeister Jussi Adler Olsen, der sich mit dieser Ergänzung Weiblichkeit und Jugend dazu geholt hat. Das kann ja nur gut gehen.
Und das tut es auch. «Tote Seelen singen nicht» ist eigentlich eine Fortsetzung von Olsens bisher 10 Bände (Fälle) umfassende Reihe um das «Sonderdezernat Q» mit dessen Leiter Carl Mørck. Dieser kam für zwei Jahr unschuldig ins Gefängnis und ist jetzt in Rente, und das Sonderdezernat muss ohne ihn auskommen.
Die beiden übrig gebliebenen Kommissare im «Q», welches sich mit Cold Cases befasst, mühen sich gerade mal wieder mit einer neuen Führung ab: Eine Französin, die – natürlich – nicht gerade kompatibel zu sein scheint.
Nun aber – so glaube ich – merkt man die neuen Ideen des Autoren-Trios. Die «Kabbeleien» innerhalb des Sonderdezernates sind auf einem sehr ungewöhnlichen Niveau (bezeichnenderweise zwischen den beiden Frauen) und der neue «Cold Case» hat es in sich und greift ein Thema auf, welches eine deutlich feminine Handschrift trägt.
Ansonsten ist der Thriller das, was man sich von einem skandinavischen Krimi mit «Olsen» vorne drauf, erhofft: Spannend, schnell und dank kurzen, datierten und mit Namen versehenen Kapiteln ziemlich gut lesbar. Natürlich mischt Carl Mørck weiterhin mit. Auch wenn er mittlerweile selbst zum «Cold Case» geworden ist.
Es fehlt an sehr brutalen Morden (wieder der feminine Einfluss?), stattdessen werden überraschende und laute Methoden angewendet. Die Leserschaft ist von Anfang an mit dem «Haupttäter» unterwegs. Gegen Schluss des Buches nimmt die Geschichte ein sehr schnelles Tempo an, man ist versucht, die Lesepause zu verlängern. Wie es sich für einen soliden und guten Kriminalroman gehört.
Das «Sonderdezernat Q» ist auch verfilmt worden (Netflix; Mai 2025; Dept. Q).
Das ist jetzt vielleicht nicht gerade ein Buch für unter den Weihnachtsbaum (ausser, der/die Beschenkte ist ein grosser Thriller-Fan). Wertig ist das Buch allemal. Hardcover, 555 Seiten, 28 €/39.90 CHF.