Mehr Info über ihr nächstes buch

buechercheck.com

Wenn die Sonne untergeht. Von Florian Illies.

Mann! Was für ein (Tage-)Buch!
Ein Buchcheck von Roger

Zum Thomas-Mann-Jahr 2025 ist eine Flut von Publikationen erschienen; eine der heiteren Sorte über die Familie des «Buddenbrooks»-Autors hat Florian Illies beigesteuert. Der deutsche Historiker und Schriftsteller («1913») erzählt in «Wenn die Sonne untergeht» den Anfang der Exilgeschichte der Familie Mann im Schicksalsjahr 1933.

Eigentlich wollten Mann und seine Frau Katia damals Deutschland lediglich zu einer längeren Vortragsreise verlassen und dann in Arosa drei Wochen Ferien machen. Während dieser Zeit spitzte sich die Situation in Hitlerdeutschland jedoch derart zu, dass das Paar nicht mehr in die Heimat zurückkehren konnte. In der ersten Station seines Exils landete es schliesslich mit den beiden jüngsten Kindern in Südfrankreich, wo im Verlauf des Sommers auch die älteren Klaus, Erika, Golo und Monika auf ihren eigenen Fluchtrouten gelegentlich vorbeikommen. Zusammen mit anderen vor der Naziherrschaft geflüchteten deutschen Kulturschaffenden von Arnold Zweig bis Lion Feuchtwanger verbringt so eine deutsche Exilantencommunity in Sanary-sur-Mer einen in jeder Hinsicht heissen Sommer. Alle gehen mit dem Verlust der Heimat und dem gewohnten Lebens- und Kulturkreis anders um, und fast alle vertrauen ihre Gefühle einem Tagebuch an.

Illies hat offensichtlich Einblick in diese teilweise höchst intimen Quellen gehabt. Diese Informationen führt der Autor in einer süffigen Mischung von Tatsachenbericht und Roman in der spannenden und über weite Strecken amüsanten Schilderung einer Sommeridylle mit der dystopischen politischen und gesellschaftlichen Entwicklung in Deutschland und Europa zusammen. Dabei liegt der Fokus auf den Notizen des durch die Vertreibung zutiefst getroffenen Dichterfürsten und dessen problematischer Beziehung zu fast allen seinen Kindern in dieser existentiellen Situation. Wer sich auch nur am Rand für die damalige Befindlichkeit des heute Gefeierten und dessen Gang ins Exil interessiert, sollte dieses Buch geniessen. Ich habe auf angenehm leichtfüssige und unterhaltende Weise viel über die Familie Mann und andere exilierte deutsche Kulturgrössen (auch Bert Brecht kam vorbei ...) erfahren. Warme Leseempfehlung!

Zur Startseite
Kontakt
Webseite & Design thiriet creative content
Kontakt Webadmin casper@thiriet.cccasper@thiriet.cc
Basel © 2025