
Aus den bisherigen Büchern der Freida McFadden ist man sich gewohnt, dass mitten in der harmlos daherplätschernden Geschichte plötzlich der ultimative Twist kommt und man nicht versteht, was man bisher zu verstehen glaubte. Ein echtes und typisches Thriller-Symptom.
Beim vorliegenden Buch DER LEHRER bedient sich die Autorin einer neuen Art und Weise, die Lesenden hinzuhalten: Sie lässt im Prolog des Buches eine Person ein Grab ausheben. Und zwar im Wald. Dieser Vorgang wird beschrieben, ohne dass man erkennt, um wen es sich lebender- oder toterweise handelt. Nach drei Seiten beginnt die eigentliche Geschichte ("Drei Monate früher...."). Das Perfide: Dauernd fragt man sich, ob diese Bestattungsszene irgendwo und -wie Sinn macht. Und wenn man denkt: "Aha, das ist es"..., dann ist es, als würde dies Frieda McFadden merken und die Geschichte nimmt eine komplett andere Wendung.
Die Protagonisten im Buch sind typische amerikanische Figuren. Herrlich gezeichnet von der Autorin und mit halt - wie sie es wirklich brilliant kann - belegt mit einigen Geheimnissen, die aber erst später im Buch rauskommen. Sie teilt das Buch in einen Prolog (siehe oben) und in drei weitere Teile. Und jeder dieser Teile führt die Geschichte weiter - aber mit Wendungen und neuen Fakten, die eine ganz eigene Spannung erzeugen. Und es kommt der Moment, wo man eine Stunde später als geplant einschläft oder sich beim nächsten Termin verspätet: Plötzlich kann man das Buch nicht mehr weglegen. Jedenfalls ging es mir so.
Und dann, in diesem Moment, wo man schon die Enden der Geschichte zur Kenntnis genommen hat (und sich noch immer fragt, wer jetzt genau auf den ersten Seiten des Buches wen zu Grabe getragen hat?), dann schlägt die Autorin auf den letzten beiden Seiten nochmals unbarmherzig zu! Man schafft es vielleicht noch, die letzten Zeilen zu lesen, bevor man das Buch sinken lässt und lange und intensiv über das nachdenkt, was man eben gelesen hat.
Ich persönlich finde, dass Freida McFadden in einer unwahrscheinlichen Art und Weise das Buch und die Geschichte benützt, um uns Lesende zum Mit-Denken anregt. Sie manipuliert unsere Denke und schreibt unglaublich gut. Im Dezember 2025 erscheint das neue Buch von Ihr: DER FREUND. Und wäre die Auflage beschränkt, ich würde um 04 Uhr morgens vor meiner Buchhandlung campieren um ein Exemplar zu bekommen!
Warnung: Dieses Buch ist nicht für Spolier-LeserInnen geeignet (jene, welche die letzte Seite als erstes lesen um zu schauen, ob das Buch spannend ist).