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Mit Blick aufs Meer. Von Elizabeth Strout.

Olive, again and again!
Ein Buchcheck von Roger

Eigentlich hätte ich sie schon lange entdecken können, ja müssen. Erst meine Marotte, als Ferienlektüre thematisch passende Titel auszuwählen, liess mich vor einem Urlaub am Ozean Elizabeth Strouts «Mit Blick aufs Meer» herunterladen. Dabei hat die heute  69-jährige Amerikanerin dieses Buch schon 2007 geschrieben und dafür zu Recht den Pulitzerpreis erhalten.

«Mit Blick aufs Meer» heisst in der englischen Originalfassung schlicht «Olive Kitteridge», und um die in Crosby im US-Staat Maine lebende pensionierte Mathematiklehrerin dieses Namens dreht sich der preisgekrönte Roman, der in Wirklichkeit eine Abfolge von Kurzgeschichten ist. Jede dreht sich um ein anderes Einzel- oder Familienschicksal der Menschen in einem Kleinstädtchen, wo jeder jeden und Olive alle kennt, weil sie zu ihr in die Schule gegangen sind. So taucht die alte Dame mit dem Äusseren und dem Auftreten eines Reibeisens, aber einer lebensbejahenden Grundeinstellung und einem grundgütigen Herzen in jeder Story auf. Und auch die anderen Figuren stehen nicht nur im Mittelpunkt der ihnen gewidmeten Episode, sondern tauchen immer wieder in anderen Geschichten auf. Wer Armistead Maupins «Stadtgeschichten» aus San Franzisco  gelesen hat, erkennt hier ein ähnliches Staffettenlaufmuster.

Ich habe in meinen Checks auch schon erwähnt, dass ich mich in Zeiten milder Verzweiflung über die hochgehypten und oft ärmlichen schriftstellerischen Gehversuche junger Europäer:innen der US-Literatur zuwende und praktisch nie enttäuscht werde. Strout pflegt eine perfekt unspektakuläre, mit einem leisen Humor unterlegte und von Lebensweisheit geprägte Schreibe, die zudem von Sabine Roth kongenial übersetzt worden ist. Ich habe «Mit Blick aufs Meer» an zwei Strandnachmittagen durchgehabt und war am Ende überglücklich ob der Entdeckung, dass die in jeder Hinsicht umwerfende Protagonistin und ihr Leben eine Fortsetzung gefunden haben: «Olive, again» (2019) trägt den deutschen Titel «Die langen Abende». Dringende Kaufempfehlung!

Fazit: Sowas Feines, so gut geschrieben und so hervorragend übersetzt ist mir schon lange nicht mehr auf den e-book-Reader gekommen.

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