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Daily Soap. Von Nora Osagiobare.

Cappuccino einmal anders ...
Ein Buchcheck von Roger

Immer wieder ehrt der Büchercheck auch einheimisches Schaffen; diesmal dasjenige der 33-jährigen Zürcherin Nora Osagiobare, die in Biel und Wien «literarisches Schreiben» studiert hat und kürzlich im deutschsprachigen Feuilleton für ihren Debütroman «Daily Soap» belobigt worden ist. Das Buch ist ein gutes Beispiel für eine Literaturgattung, die von U30 geschrieben und wohl auch mehrheitlich von solchen gelesen wird.   

Aus fast jedem konventionellen Rahmen fällt schon die Handlung, in der die Tochter eines nigerianischen Vaters den selbst erlebten Rassismus des Schweizer Bünzlitums aufs Korn nimmt. Die Protagonistin Anneli Killer-Osayoghoghowemwen (!) wird von zwei Männern gleichzeitig schwanger – einem Schwarzen und einem Weissen. Demzufolge ist eines ihrer Kinder weiss, das andere wird als «Cappucino» bezeichnet. Die vielen fantasievollen Bezeichnungen für Schwarz-/Weiss-Mischlinge gehören zum Lustigsten in dieser an witzigen Einfällen reichen Satire, in welcher sich das «Bundesamt für die Rationalisierung Andersfarbiger anhand von Cappuccino oder Kaffee» BARACK um derartige Farbzuschreibungen kümmert.

Der Roman kommt in Form einer Daily Soap daher und spielt gekonnt mit deren trivialen Elementen und Zutaten. Die schräge Ausgangslage mit ihren freizügigen sexuellen Anspielungen, der Witz, mit dem die Debütantin auf jeder Seite neue Absurditäten des landesüblichen Umgangs mit ethnischen oder sexuellen Minderheiten ersinnt, die köstlichen Charakterisierungen des durchwegs abgewrackten Personals, welches sich in grotesker Überzeichnung durch einen mehrheitlich prekären, in jedem Fall aber turbulenten Alltag kämpft – diese Mischung aus Satire und Soap macht die Lektüre zum Vergnügen für alle, die sich darauf einlassen.

«Ich hatte lange das Gefühl, ich müsse ernst schreiben, weil Literatur eben ernst ist», hat die Autorin in einem Interview mit der Wochenzeitung WoZ gesagt. Bei der Lektüre von «Orfeo» von Fran Ross habe sie aber gemerkt: «Aha! Ich muss gar nicht wie Thomas Mann schreiben! Dann ist es nur noch so aus mir herausgesprudelt.» Ich habe (auch als ehemaliger Autor einer satirischen Soap) diesen Sprudel mit Genuss aufgesaugt.

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