
Der US-Journalist und Schriftsteller Upton Sinclair starb 1968, und den Roman «Am Fliessband» publizierte er 1937. Und 1943 gewann er den Pulitzerpreis. Doch verlegen musste er seine Bücher selber, weil der «Muckracker» (Enthüllungsjournalist) amerikanischen Politikern und Geschäftsleuten zeit seines Lebens ein Dorn im Auge war. Er stellte sich nämlich kompromisslos auf die Seite der Arbeiterschaft und ihrer Rechte. Angesichts der aktuellen Wirtschaftskrisen und Massenentlassungen ist «The Flivver King» (Originaltitel) von einer Aktualität, die den Berliner März-Verlag 2025 zur Herausgabe einer neuen Übersetzung von Jörg Schröder veranlasst hat.
Sinclair stellt dem Aufstieg des Automobil-Pioniers Henry Ford vom hartnäckigen Tüftler zum zeitweise reichsten Mann der Welt und einflussreichsten Wirtschaftsführer der Vereinigten Staaten das Leben und die Karriere des Ford-Arbeiters Abner Shutt gegenüber. Dieser hatte dem jungen Erfinder noch seine erste «Karre» schieben helfen und avancierte später zum Vorarbeiter. Auf dem Höhepunkt der Produktion, als das Modell T millionenfach vom Fliessband lief und nach dem berühmten Bonmot seines Erfinders «in jeder Farbe» ausgeliefert wurde, «vorausgesetzt, sie ist schwarz», ist er stolzes Mitglied der Ford-Familie und bewundert seinen Boss, obwohl dieser längst in anderen Sphären schwebt.
Die grosse Enttäuschung erlebt Ford-Fan Shutt in den Jahren der grossen Wirtschaftskrise Mitte des 20. Jahrhunderts, als der Autokönig die Absatzbaisse mit immer unmenschlicheren Arbeitsbedingungen auffängt und schliesslich Zehntausende von Mitarbeitern ohne soziale Abfederung entlässt. Auch sein Weggefährte der ersten Stunde muss einen bescheidenen Wohlstand mit dem Elend der Arbeitslosigkeit in der Depression tauschen.
Der Erzählstil von Sinclair ist erkennbar der eines Journalisten. Kurze Sätze, wenig Emotionen, ganz bei den Facts. Die gute Übersetzung trägt dazu bei, dass ich das Buch mehr oder weniger in einem Zug gelesen habe. «Am Fliessband» hat keinen Staub angesetzt, und eine wichtige Lektion amerikanischer Wirtschaftsgeschichte ist inbegriffen.