
Zwei Teile hat das neue Buch der 46-jährigen US-Schriftstellerin mit japanischen Wurzeln Katie Kitamura. Wie sie zusammenpassen, mag vielen dem Prinzip der logischen Handlung anhängenden Lesern verborgen bleiben. «Ein Vexierspiel» nennt der Klappentext denn auch «Die Probe». Das Thema: Ins Leben einer erfolgreichen Schauspielerin und ihres schriftstellernden Ehemanns Tomas tritt in einer schwierigen Phase einer Probenarbeit ein Regieassistent namens Xavier.
Dieser attraktive junge Mann überrascht im ersten Teil des Buches die namenlos bleibende Ich-Erzählerin mit der Behauptung, er sei ihr Sohn. Diese Möglichkeit weist sie zurück im Wissen darum, dass ihre einzige Niederkunft eine Fehlgeburt gewesen war. Da ihr Mann die beiden bei diesem Gespräch im Restaurant überrascht, unterstellt er ihr ein Verhältnis mit dem Jüngeren. In der zweiten Hälfte des Buches ist dieser Xavier dann doch beider Sohn und zieht im Einverständnis mit seinen Eltern wieder in deren Appartment ein. Dort macht er sich nach anfänglicher friedlicher Koexistenz zunehmend breit und lässt zu guter Letzt auch seine übergriffige Freundin Hana einziehen. Nach deren Provokationen und entsprechenden Problemen mit den gastgebenden Eltern nimmt diese «ménage à quatre» jedoch ein brüskes Ende, indem Sohn und Schwiegertochter in spe Hals über Kopf ausziehen.
Damit endet die Story, und lässt den krimigewohnten Leser, dem – und sei es auf der letzten Seite – immer eine Lösung präsentiert wird, ratlos zurück. Offenbar ist die verwirrende Übungsanlage dieser «Probe» aber eine Spezialität der Autorin. Schon in früheren Werken («Intimitäten» etc.) habe sie gemäss den verfügbaren Kritiken das Hinterfragen von Beziehungen und dessen, was sich unter deren Oberfläche abspielt, virtuos thematisiert. Wer bereit ist, sich auf dieses Spiel einzulassen, hat eine gut geschriebene und tief ins Theatermilieu leuchtende Erzählung vor sich. Wer allerdings gerne zum guten Ende alles wohl gefügt und gerichtet haben möchte, kann sich diese eher verkopfte Lektüre wohl sparen.