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Der Kaiser der Freude. Von Ocean Vuong.

Kürzer wäre grandioser gewesen.
Ein Buchcheck von Roger

Ocean Vuongs neues Buch hat im Frühsommer 2025 die Literatursendungen, -beilagen und -seiten der Alten Welt dominiert. Da gab’s kaum ein Medium, das dem umfangreichen Roman des gebürtigen Vietnamesen nicht eine Besprechung gewidmet hätte und kaum eine Rezension, die beim Vergleich mit dem Vuong-Erstling «Auf Erden sind wir kurz grandios» (2019) nicht eine leise Enttäuschung hätte durchschimmern lassen. Ich hatte selbigen nicht gelesen und machte mich deshalb ohne Vorurteile an die 450 Seiten von "Der Kaiser der Freude".

Die Geschichte handelt vom Sohn einer in die USA eingewanderten vietnamesischen Mutter, der ob den Frustrationen des Fremden im fremden Land den Drogen verfällt und von einer Brücke in den Freitod springen will. Davon bewahrt ihn im letzten Moment die 80-jährige, demente Grazina aus Litauen, eine Überlebende des Zweiten Weltkriegs mit entsprechenden Wahnvorstellungen, bei der Hai in der Folge als Pfleger einzieht. Seine Mutter lässt er derweil im Glauben, er studiere Medizin in Boston; statt dessen malocht er in einem Schnellimbiss.

Vuongs Schilderungen der täglichen Hölle in diesem Fastfoodlokal, die Charakterisierung dessen durchwegs schrägen Personals und die Beschreibung ihrer grotesken Freizeitunternehmungen (grossartig der Aushilfejob im Schlachthof!) sind köstliche Höhepunkte der Story. Auch das geduldige Eingehen Hais auf Grazinas Rückfälle in Kriegsphantasien («Sergeant Pepper!») und wie er sie zurückführt in die Gegenwart («Wer ist der Präsident?» - «Obama!») ist erst witzig und unterhaltend, beginnt sich dann aber zu wiederholen.

Überhaupt verliert sich der Autor mit dem Fortschreiten der Handlung zunehmend in wolkigen Philosophien, die oft zu gesuchten bis schiefen Sprachbildern gerinnen. Man merke, befinden einige Kritiker, dass Vuong von der Lyrik her komme. «Als möchte er für jedes Adjektiv einen eigenen Preis», spottet beispielsweise die Kritikerin der Süddeutschen Zeitung.

Ich habe mich mit dem «Kaiser» erst sehr gut unterhalten, so ab Seite 300 begann mich die Geschichte aber zunehmend zu langweilen. Kürzer wäre grandioser gewesen ...

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